Gefängniszelle in Kherson.

© REUTERS/MURAD SEZER

Lagebericht

"Kinderzellen": Kiew wirft Russland Folter Minderjähriger vor

Mehrere Folterkammern wurden im Osten und Süden der Ukraine gefunden. Von den Russen wurden sie als "Kinderzelle" bezeichnet.

12/15/2022, 11:08 AM

Der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, hat den russischen Besatzern in der Süd- und Ostukraine die Folter von Minderjährigen vorgeworfen.

"Im (Gebiet) Cherson haben wir zehn Folterkammern entdeckt, darunter vier in der Stadt selbst", sagte der 41-Jährige am Mittwoch in Kiew. In einer der Folterkammern habe es einen getrennten Raum gegeben, in dem Minderjährige festgehalten worden seien. Die Besatzer hätten sie "Kinderzelle" genannt.

Zum Schlafen habe es lediglich einige Isomatten auf dem Boden des feuchten Raums gegeben. "Wir haben nicht nur Folter dokumentiert. Es ist dokumentiert, dass den Kindern jeden zweiten Tag Wasser gegeben wurde, sie bekamen praktisch kein Essen", sagte Lubinez. "Sie haben psychologischen Druck angewandt: Sie sagten, dass die Eltern sie aufgegeben hätten, dass sie nicht mehr zurückkämen."

Den Minderjährigen sei vorgeworfen worden, die ukrainische Armee zu unterstützen. Unter den Festgehaltenen sei ein 14-Jähriger gewesen, der zerstörte russische Technik fotografiert habe. Derartige Vorfälle habe es auch in Balaklija im ostukrainischen Gebiet Charkiw gegeben. Im ukrainischen Sprachgebrauch werden alle Minderjährigen unter 18 Jahren als "Kinder" bezeichnet.

Verschleppung

Lubinez warf Moskau zudem erneut die Deportation von Kindern vor. "Wir haben mehr als 12.000 Kinder festgestellt, von denen etwa 8.600 zwangsweise auf das Territorium der Russischen Föderation deportiert wurden", sagte der Menschenrechtsbeauftragte. Das seien lediglich die verifizierten Fälle. Die ukrainischen Behörden hätten dabei noch keine Bestätigung für Adoptionen dieser Kinder in Russland.

Russland startete den Angriffskrieg gegen die Ukraine Ende Februar. Die südukrainische Großstadt Cherson war von März bis Anfang November von russischen Truppen besetzt, Balaklija von März bis Anfang September.

Offensive aus Belarus sehr unwahrscheinlich

Britische Geheimdienste halten eine erfolgreiche russische Offensive im Norden der Ukraine aus Richtung Belarus derzeit für unwahrscheinlich. Zwar habe Moskau in Belarus kürzlich weitere Reservisten stationiert und das Land selbst habe vor wenigen Tagen die Kampfbereitschaft seiner Streitkräfte inspiziert, hieß es am Donnerstag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums.

Dennoch sei aktuell nicht anzunehmen, dass die belarussischen Truppen und russischen Einheiten eine Streitmacht bilden könnten, die in der Lage wäre, einen erfolgreichen Angriff auf den Norden der Ukraine durchzuführen.

Belarus unterstützt Russlands Krieg gegen die Ukraine - etwa, indem es den Abschuss russischer Raketen von seinem Staatsgebiet aus zulässt.

Selenskij setzt auf westliche Luftabwehr

Die Ukraine hofft in ihrem Kampf gegen russische Drohnen- und Raketenangriffe auf die baldige Lieferung moderner und effektiver Flugabwehrsysteme aus dem Westen. „Diese Woche haben wir einen bedeutenden Fortschritt in der Frage der Flugabwehr gemacht“, sagte Selenskij in seiner am Mittwochabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft.

Details nannte er nicht. Die US-Regierung erwägt Medienberichten zufolge eine Lieferung des Patriot-Flugabwehrsystems an die Ukraine. Russland warnte hingegen vor neuen Gefahren für die globale Sicherheit, sollte die Ukraine die Systeme erhalten.

Die Ukraine baue ihre Luftverteidigung immer weiter aus, betonte Selenskij. Er sagte, dass an Vereinbarungen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Landes gearbeitet werde. „Und wir tun alles, um mehr moderne und effektivere Systeme für die Ukraine zu bekommen.“

Russlands Streitkräfte hatten die Ukraine zuvor einmal mehr mit Drohnen beschossen. Selenskij berichtete, am Mittwochmorgen seien 13 russische Drohnen abgeschossen worden. „Das bedeutet 13 verschonte Infrastruktur-Objekte, das sind gerettete Leben.“

Die Patriot-Pläne müssten noch von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin genehmigt werden, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsquellen. Das Luftverteidigungssystem Patriot würde in der von Russland angegriffenen Ukraine einen Teil der militärischen Karten neu mischen. Es kann Flugzeuge, Marschflugkörper, Drohnen und Raketen auch aus größerer Entfernung abwehren.

"Provokativer Schritt"

Sollten sich die Berichte über die Lieferung bewahrheiten, dann zeuge dies von einem neuen „provokativen Schritt der Administration (des US-Präsidenten Joe Biden), der zu unvorhersehbaren Folgen führen kann“, teilte die russische Botschaft in Washington mit. „Solch eine Linie Washingtons fügt nicht nur den russisch-amerikanischen Beziehungen einen kolossalen Schaden zu, sondern schafft auch zusätzliche Risiken für die globale Sicherheit“, hieß es. Russland hatte seine Invasion in die Ukraine am 24. Februar begonnen - und betrachtet die USA und andere westliche Staaten wegen der Waffenlieferungen an das Land als Kriegspartei.

Russlands Raketen- und Drohnengriffe richten sich vor allem auch gegen die Energie-Infrastruktur des Nachbarlandes. Nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres sagte Selenskij, dass die Vereinten Nationen und die Ukraine gemeinsam an einer Mission zur Besichtigung der Energieanlagen arbeiteten.

Selenskij beklagte, dass Russland nur auf Zerstörung aus sei und alles in Schutt und Asche legen wolle. „Es gibt keine Ruhe an der Front.“ Zugleich berichtete der Präsident, es seien abermals 64 ukrainische Offiziere und Soldaten aus russischer Gefangenschaft entlassen worden.

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