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Politik Ausland
07/29/2022

Kiew und Moskau beschuldigen einander wegen Tod von Kriegsgefangenen

Haftanstalt im pro-russischen Separatistengebiet soll mit HIMARS-Raketenwerfern beschossen worden sein. Kiew dementiert.

Nach dem Beschuss einer Anstalt fĂŒr Kriegsgefangene mit ĂŒber 40 Toten im Donezker Separatistengebiet in der Ukraine geben sich Moskau und Kiew gegenseitig die Schuld. "Es ist offensichtlich ein bewusster Beschuss und der Wunsch, diejenigen Vertreter, darunter des Asow-Regiments, zu vernichten, die angefangen haben, GestĂ€ndnisse abzulegen", behauptete SeparatistenfĂŒhrer Denis Puschilin. Kiew sprach von einer gezielten "Provokation, fĂŒr die Russland verantwortlich ist".

Die russische Armee habe "ein weiteres entsetzliches Kriegsverbrechen begangen und eine Haftanstalt im besetzten Oleniwka bombardiert, in der sie ukrainische Kriegsgefangene gefangen hielt", schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Freitag auf Twitter.

Auch der ukrainische Generalstab bestritt einen Angriff seiner Truppen auf das GefĂ€ngnis und erklĂ€rte, fĂŒr den Tod der Kriegsgefangenen sei Russland verantwortlich. "Die StreitkrĂ€fte der Russischen Föderation haben gezielt mit Artillerie eine Justizvollzugsanstalt in der Siedlung Oleniwka im Gebiet Donezk beschossen, in der auch ukrainische Gefangene festgehalten wurden", erklĂ€rte der Generalstab. "Auf diese Weise haben die russischen Besatzer ihre kriminellen Ziele verfolgt - die Ukraine des Begehens von 'Kriegsverbrechen' zu beschuldigen sowie die Folter von Gefangenen und Hinrichtungen zu verschleiern."

Nach Angaben eines pro-russischen Separatistenvertreters wurde die Haftanstalt, in der die moskautreuen Truppen ukrainische Kriegsgefangene halten, durch Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS beschossen. Diese hatte die Ukraine von den USA erhalten. UnabhĂ€ngig waren die Angaben nicht zu ĂŒberprĂŒfen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Freitag seinerseits mit, es seien 40 Menschen getötet und 75 weitere verwundet worden. Zudem seien acht GefÀngnismitarbeiter verletzt. Der Separatistenvertreter hatte von mindestens 130 Verletzten gesprochen. "Diese skandalöse Provokation zielt darauf ab, den ukrainischen Soldaten Angst zu machen und sie von der Kapitulation abzuhalten", erklÀrte das russische Verteidigungsministerium. Das russische Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen von verkohlten Baracken. Opfer waren nicht zu sehen.

Raketen auf Charkiw

In Oleniwka werden viele ukrainische Soldaten gefangen gehalten, die den moskautreuen Truppen bei der Eroberung der Hafenstadt Mariupol drei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs in die HĂ€nde gefallen sind. Darunter sind auch KĂ€mpfer des nationalistischen Asow-Regiments. Die Separatisten haben diesen unter dem Vorwurf von Kriegsverbrechen mit der Todesstrafe gedroht. Medienberichten zufolge sind die Haftbedingungen in Oleniwka unmenschlich.

In den ukrainischen Kriegsgebieten sind nach Angaben örtlicher Behörden innerhalb von zwei Tagen mehr als ein Dutzend Zivilisten getötet und zahlreiche Menschen verletzt worden. Am Donnerstag seien acht Menschen getötet und 19 verletzt worden, teilte der MilitÀrgouverneur des ostukrainischen Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, am Freitag mit. Tote habe es bei russischem Beschuss der Orte Bachmut, Torezk, Orliwka, Hirnyk und Soledar gegeben. Am Freitag kamen demnach mindestens zwei Tote und sechs Verletzte in den StÀdten Slowjansk, Kramatorsk und Bachmut hinzu.

In der östlichen Stadt Charkiw schlugen unterdessen nach Angaben der Gebietsverwaltung mehrere Raketen ein. Dabei seien zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. In Mykolajiw, einer sĂŒdlichen Hafenstadt, wurden Behördenangaben zufolge durch den Beschuss einer Bushaltestelle mindestens fĂŒnf Zivilisten getötet und weitere sieben Menschen verletzt. Auch in dem von russischen Truppen besetzten Teil des Donezker Gebiets seien Zivilisten unter Beschuss geraten. Örtliche Medien sprachen von einem Toten und mindestens 28 Verletzten. Die Angaben der Behörden zu den Opferzahlen ließen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

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