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Politik Ausland
02/25/2021

Keine Einreisetests, offene Strände: Mexiko lockt Touristen - trotz hoher Infektionszahlen

Das tödlichste Land in Lateinamerika wird inmitten der Corona-Pandemie zur Tourismus-Oase. Wie passt das zusammen?

von Tobias Käufer

Welcher Tourismus-Manager wünscht sich nicht solche Bilder: Ein Super-Promi wie Amazon-Chef Jeff Bezos spaziert in der prallen Sonne Mexikos gemeinsam mit Freundin Lauren Sanchez am Hafen von Cabo San Lucas. „Ich habe so viel Energie wie noch nie“, wurde Bezos zitiert.

Wenige Tage später konnten die mexikanischen Reise-Manager ihr Glück erneut kaum fassen. Während im benachbarten US-Bundesstaat Texas eine Kältewelle mehr als 50 Tote forderte und für einen massiven Versorgungsengpass sorgte, setzte sich der republikanische Senator Ted Cruz ins Flugzeug und jettete aus Texas ins mollig warme Cancun. Jetzt hat Cruz zwar ein massives Imageproblem, denn seine zurückgelassenen Landsleute fanden diese Flucht gar nicht witzig, für die mexikanische Tourismusindustrie sind solche Bilder aber Gold wert. Signalisieren sie doch dem Rest der Welt: Kommt nach Mexiko, hier ist alles in Ordnung.

Kein Test zur Einreise

Inmitten der Corona-Pandemie lockt Mexiko Hunderttausende internationale Touristen an seine Strände und umgeht damit die Lockdown-Vorschriften anderer Länder. Trotz bislang über 180.000 Toten und einer mehr als schleppenden Impfkampagne. Laut Johns-Hopkins-University ist Mexiko mit 143 Toten pro 100.000 Einwohner sogar das tödlichste Land Lateinamerikas, im weltweiten Vergleich liegt es auf Platz 14. Zielgruppe sind jene Menschen, die sich in den USA oder Europa eingesperrt fühlen. Sie brauchen zur Einreise nicht einmal einen negativen PCR-Test.

Laut Welttourismus-Organisation war 2020 das schlimmste Jahr für die Branche. In Mexiko aber hielt sich der Einbruch vergleichsweise in Grenzen: Auch wenn die letzten Zahlen des Jahres 2020 noch fehlen, gehen die örtlichen Tourismusbehörden von einem Einbruch von „nur“ 44 Prozent aus. Rein wirtschaftlich betrachtet ist das ein Erfolg. „Die mexikanischen Behörden haben Lufträume offengelassen“, erklärt Gustavo Armenta von der Tourismusbehörde Sectur. Mexiko profitierte davon, dass Mitbewerber aus der Karibik wie Kuba oder die Dominikanische Republik aus Vorsicht ihre Lufträume geschlossen und Restriktionen verkündet hatten.

Schleppende Impfkampagne, trotzdem Öffnungen

Hinzu kommt, dass Mexikos linkspopulistischer Präsident Andres Manuel Lopez Obrador von Beginn der Krise ein Gegner eines scharfen Schließungskurses war. Er selbst wehrte sich lange gegen die allgemeinen Hygienemaßnahmen, setzte lieber auf den Schutz von Amuletten und erkrankte schließlich selbst an Covid-19. Inzwischen ist Lopez Obrador wieder gesund, dafür hinkt das Land nun in der Impfkampagne hinterher.

Die Statistik offenbart woher die meisten Touristen nach Mexiko kamen: Der überwiegende Teil (65 Prozent) reiste aus den USA ein, weitere 12 Prozent aus Kanada. Aber auch aus Europa kamen einige Gäste an die touristischen Hotspots wie Cancun, Playa del Carmen oder Puerto Vallarta.

Hugo López-Gatell aus dem Gesundheitsministerium ist das medial wahrgenommene Gesicht der mexikanischen Pandemie-Bekämpfung. Er bekräftigte erst vor wenigen Wochen, dass Mexiko seine Öffnungsstrategie beibehalten werde. Es sei dokumentiert, dass Reisende generell keine Risiko-Personen darstellen würden: „Die Menschen reisen nicht, wenn sie krank sind“. Dafür aber López-Gatell: Er ist seit einigen Tagen selbst an Covid-19 erkrankt.

 

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