Politik | Ausland
28.06.2017

Kanzlerin im Umfragehoch reißt alle mit

Angela Merkel.Die deutsche Wirtschaft brummt – die Regierungschefin nützt das geschickt aus.

Die Merkel kommt. Der Deutsche Wirtschaftstag in Berlin läuft dienstags auf diesen Höhepunkt hin. Konzernchefs geben sich in den Konferenzsälen des Maritim-Hotel ein Stelldichein, darunter Carsten Spohr von der Lufthansa, Joachim von Schorlemer von der ING-DiBa, Christian Sewing von der Deutschen Bank. Politiker wie Finanzminister Wolfgang Schäuble und EU-Kommissar Günther Oettinger stehen auf dem Programm. Sie diskutieren die "Welt im Wandel".

Gefeierte Merkel

Die Gesprächsrunde zu Innovation, Lieblingsthema des österreichischen Wirtschaftsministers Harald Mahrer, der dazu die Keynote hält, wird abrupt unterbrochen, als sie endlich den Saal betritt: Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, umgeben von zwanzig Begleitern. Sie geht den Weg Richtung Bühne, die Menschen springen von ihren Stühlen, applaudieren. Der Beifall will nicht enden, die Pressefotografen sind hektisch. Erst als der Moderator zur Ruhe mahnt, Merkel schon längst auf der Bühne sitzt, beruhigt sich die Menge. Die Kanzlerin wird beklatscht und gefeiert. Sie und ihre Partei CDU sind im Umfragehoch, die deutsche Wirtschaft läuft wie geschmiert, der Staatshaushalt ist ohne neue Schulden.

US-Handelsminister Wilbur Ross, der kurzfristig doch nicht nach Berlin kommen konnte, wird via Videowand in den Saal geschaltet. Seine Rede über die Handelsbeziehungen zu Deutschland dauert lang, zu lang, sodass sie kurzerhand einfach abgedreht wird. Das gefällt dem ungeduldigen Publikum, nicht aber Angela Merkel. Irritiert geht sie zum Rednerpult und richtet ihre Botschaft an den weggeschalteten Wilbur Ross: "Wir sollten die Verhandlungen zu einem europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen wieder aufnehmen." Sie spricht von der sozialen Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert, die von Offenheit und globalem Denken getragen ist. Wo es aber auch Leitplanken geben muss, Regulierungen.

Zwischendurch immer wieder Beifall. Die Kanzlerin hat klare Botschaften für ihre Klientel, nüchtern arbeitet sie das neue Unions-Programm ab: Der Spitzensteuersatz muss später ansetzen, der Rentenbeitrag kann bis 2020 stabil bleiben, sie sieht keinen Änderungsbedarf bei der Erbschaftssteuer und lehnt die Einführung einer Vermögenssteuer ab.

Zum Schluss wird eine hohe Dosis Patriotismus inszeniert: Ein Bariton singt auf der Bühne die Bundeshymne, 2200 Zuhörer stehen andächtig und singen "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland". Auf der Leinwand: Bilder von der deutschen Industrie und der wehenden schwarz-rot-goldenen Fahne.