Politik | Ausland
13.06.2018

„Kann nicht von neuer Route sprechen“

Albaniens Ministerin für Migration, Rovena Voda, über die Albanienroute.

Rovena Voda, Albaniens Vize-Innenministerin, zuständig für Grenzsicherheit und Migrationsfragen, im KURIER-Interview über...

...die Zunahme an Flüchtlingen: Ich muss zugeben, dass wir im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres einen Anstieg an nicht registrierten Grenzübertritten von Menschen aus Syrien und Afghanistan verzeichnen, die meisten sind aus Syrien. Ehrlich gesagt: Ich kann aber nicht von einer neuen Route sprechen. Natürlich sind wir ein klein wenig beunruhigt. Wir sind ein kleines Land mit wenig Ressourcen. Aber wenn wir uns die Zahlen ansehen: Wir sind nicht in einer alarmierenden Situation. Wir versuchen, die Grenzen und die Patrouillen zu verstärken. Vor allem an der Grenze zu Griechenland: Das sind 350 Kilometer. Wir haben eine sehr gute Kooperation mit Griechenland. Wenn wir von illegalen Grenzübertritten sprechen, ist uns auch klar, dass wir das nicht komplett stoppen können. Wenn jemand alles verloren hat, dann wird er alles versuchen. Und im Management dieser Lage brauchen wir Hilfe. Wir sind da ja in einer glücklichen Situation. Im Süden sind wir beschützt von Griechenland. Glücklicherweise sind wir nicht in der Lage unseres südlichen Nachbarn.

...Aufgaben der Polizei: Unsere Polizei hat zwei Dinge im Fokus: Nicht nur Grenzkontrolle, nicht nur Interviews, sondern auch den Kampf gegen kriminelle Gruppen oder Individuen. Sehr oft sind es Individuen. Wir hatten zwei sehr große Polizeioperationen gegen Gruppen, die Dokumente gefälscht oder Menschen geschmuggelt haben. Gut für uns, dass die meisten Migranten nicht in Albanien bleiben wollen. Im Balkan-Vergleich verzeichnen wir noch einen eher bescheidenen Zuwachs. Also: Von einer Balkan-Route kann man nicht sprechen.

...Umgang mit Menschenrechten: Ich war Anwältin. Und es geht hier auch um Menschenrecht. Und letztlich geht es da um Rechte, mit denen man nicht spielen darf. Das sind Prinzipien, die wir von der EU gelernt haben. Ich denke, wir müssen europäische Staaten auch verstehen. Sie sehen die Lage aus ihrer Sicht und in der Verantwortung für ihre Bürger. Was ich sehe, ist die Sicherheit der albanischen Bürger. Wir müssen unsere Grenzen sichern und Menschenhandel unterbinden. Aber auch die fundamentalen Rechte dieser Menschen respektieren, die kommen. Das ist etwas, das wir von europäischen Staaten gelernt haben und auf das wir stolz sind.

...Umgang mit Migration:Ich denke, es geht darum, Migration pragmatisch zu kanalisieren und legale Wege dazu zu öffnen. Das reduziert auch das Risiko, in dem Moment wo man weiß, wer da kommt. Es geht darum, dass wir unseren Bürgern dienen und nicht populistische Lösungen anbieten, die keine sind.

St. Schocher, Tirana