Juan Carlos auf Kurzbesuch zurück in Spanien

Juan Carlos I. wurde nie verurteilt, dennoch muss sich König Felipe distanzieren, damit Infantin Leonor den Thron besteigen kann
Regierung gespalten. Linke wollen Korruptionsskandale um Altkönig untersuchen

Aus Madrid von Stefanie Claudia Müller

Er ist ein 84-jähriger kranker Mann, der sich auf Krücken bewegt und seine Familie wiedersehen möchte. Doch Altkönig Juan Carlos I. ist nicht wirklich willkommen.

Am Donnerstagabend landete er mit einem Privatjet in der nordwestspanischen Stadt Vigo. Der erste Heimatbesuch nach zwei Jahren im Exil in Abu Dhabi. Juan Carlos wird am Wochenende in der galicischen Stadt Sanxenxo an einer Segelregatta teilnehmen. Sein Boot „Bribón“, mit dem er 2009 Weltmeister wurde, liegt dort. Und sein Freund und Gastgeber, der Unternehmer Pedro Campos, wohnt in dort.

Erst am Montag wird Juan Carlos in Madrid erwartet. Und hier darf er auch nur kurz in den Zarzuela-Palast kommen, eine Übernachtung wird dem ehemaligen Hausherren nicht gewährt. Das haben König Felipe VI. und die spanische Regierung so beschlossen. Felipe will und muss sich vom Stil seines Vaters abgrenzen. Denn sonst verliert die Monarchie weiter an Zustimmung.

In Galicien dürfte Juan Carlos I. Wohlwollen entgegenschlagen. Es ist die Heimat des Diktators Francisco Franco, der 1969 den König aus dem Exil in Portugal holte und ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. In Galicien regieren die Rechtskonservativen, die in ihrer Mehrheit Juan Carlos I. immer noch als Held betrachten, weil er gegen alle Gegner die parlamentarische Monarchie verteidigte.

Der Besuch des Altkönigs spaltet aber die Regierung in Madrid

Denn die Sozialdemokraten schätzen den emeritierten König, während die extremlinken Parteien und katalanischen Separatisten ihn als Symbol für die Korruption im Land darstellen und als Schutzherren der von Franco privilegierten reichen Familien betrachten.

Der sozialdemokratische Premier Pedro Sánchez muss beide Seiten zufriedenstellen. Der kleinere Koalitionspartner UnidasPodemos will Juan Carlos wegen seiner dubiosen Geschäfte mit den Saudis vor Gericht sehen. Die spanische Arbeitsministerin Yolanda Díaz sagt: „Es geht hier bei dem Besuch nicht um Parteiengeplänkel, sondern darum, dass er uns sagt, woher sein Vermögen kommt.“ Es reiche nicht, dass er vor zwei Jahren spontan Steuerschulden in Höhe von fast fünf Millionen Euro gezahlt habe: „Wir müssen wissen, wo die rund 100 Millionen Dollar auf Schweizer Konten herkommen.“

Die Ex-Geliebte klagt

In Spanien kam es bisher zu keinem Prozess. Und auch die Schweiz hat die Untersuchungen wegen der Schwarzgeld-Konten fallen lassen. Aber in London führt seine ehemalige Geliebte und Geschäftspartnerin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, geborene Larsen, ein Verfahren gegen den 2014 abgedankten König. Sie behauptet, Geheimdienstagenten hätten sie im Auftrag von Juan Carlos I. bespitzelt.

Rechtskonservative Spanier halten den Streit unter Linken für lachhaft. „Es wussten doch alle, dass Juan Carlos Provisionen für seine Geschäfte mit den Arabern kassiert hat“, sagt ein dem Opus Deus nahestehender Journalist. Und alle hätten weggeschaut.

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