Unter Mafia-Verdacht: Maltas Premier Joseph Muscat (Mitte), sein Bürochef Keith Schembri (li.) und Tourismusminister Konrad Mizzi (re.)

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Politik Ausland
11/26/2019

Journalistinnenmord auf Malta: Es wird eng für den Premier

Nach dem Rücktritt seines Büroleiters und zweier Minister wegen der Ermittlungen steht Joseph Muscat enorm unter Druck.

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat hat schon angenehmere Pressetermine erlebt: Am Dienstag stellte er sich den Journalisten in Valletta, um den Rücktritt seines Büroleiters bekannt zu geben. Keith Schembri soll Polizeikreisen zufolge im Zusammenhang mit dem Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 vernommen werden. Ein Hauptverdächtiger habe im Verhör Schembris Namen genannt.

Wenig später trat Tourismusminister Konrad Mizzi ebenfalls zurück. Wirtschaftsminister Chris Cardona will sein Amt niederlegen, bis die Causa geklärt ist. Beide stritten allerdings jegliche Verwicklungen in den Fall ab.

Tausende Euro täglich

Büroleiter Schembri und der damalige Energieminister Konrad Mizzi stehen massiv unter Korruptionsverdacht: Sie unterhielten laut den Recherchen der getöteten Journalistin Firmen in Panama, die Geld von 17 Black erhalten hat - einem Unternehmen des reichen Maltesers Yorgen Fenech, wie sich herausstellen sollte. Demnach soll es Zahlungen von Tausenden Euro täglich an Muscats Vertraute für nicht näher genannte Dienste gegeben haben.

Fenech selbst war vorige Woche direkt auf seiner Yacht vor der Küste Maltas festgenommen worden.

Regierungschef Muscat schloss am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nach dem Rücktritt seines Büroleiters aus, dass er ebenfalls den Hut nehmen könnte. "Meine Rolle ist in diesem Moment eine stabile Führung für das Land sicherzustellen", erklärte Muscat.

Die Ermittler versuchen derzeit unter Hochdruck, den Drahtzieher des Mordanschlags auf die Journalistin ausfindig zu machen. Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Ihre Ermordung löste europaweit Erschütterung aus.

Die Journalistin hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche, Freunderlwirtschaft und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. In manche der Skandale waren auch Mitglieder der Regierung von Malta verwickelt, Vorwürfe gab es auch gegen Regierungschef Muscat und seine Familie.

Caruana Galizias Recherchen konzentrierten sich zum Großteil auf den "Panama Papers"-Skandal und auf die damit in Verbindung stehende Korruption auf höchster Ebene in Malta.