Politik | Ausland
14.06.2018

Jemen: "Menschen können sich Versorgungsunterbrechung nicht leisten"

Die Regierungsoffensive in der Millionenregion Hudeida schreitet voran. Hilfsorganisationen fürchten um die Versorgung der Bevölkerung.

"Das jemenitische Volk kann sich keine weitere Unterbrechung der Versorgung mit Nahrung, Treibstoff und lebenswichtiger Medizin mehr leisten", sagt Christopher Mzembe. Der Landeschef der Norwegischen Flüchtlingshilfe (NRC) im Jemen reagiert damit auf eine von Saudi Arabien unterstützten Regierungsoffensive auf die Hafenstadt Hudeida, die in den vergangenen Tagen zunehmend fortschritt.

Es habe seit gestern schwere Luftschläge entlang der Straßen und Küste südlich von Hudeida gegeben, berichtete die Nichtregierungsorganisation ( NGO) am Donnerstag. Die Bombardments kämen der Stadt dabei immer näher. Die Menschen blieben in ihren Häusern und hätten Angst um ihre Sicherheit. Die Armee teilte am Donnerstag mit, ihre Einheiten hätten den Bezirk Duraihami etwa 20 Kilometer südlich der Großstadt von den Houthi-Rebellen eingenommen.

Das NRC habe angesichts der bedrohlichen Lage noch kein Hilfspersonal abgezogen, die Hilfe werde aber derzeit deutlich behindert. Man sei bereit, bis zu 75.000 Haushalte zu versorgen, wenn der Zutritt gewährleistet werden könne. Im Hafen würden derzeit vier Schiffe angelegt liegen, die mit Nahrung und Treibstoff versorgen könnten, fünf weitere lägen vor Anker, um zu helfen. Noch vor einem Monat wären es sieben angelegte und 15 wartende Schiffe gewesen.

Anders als diverse Medien berichtet hätten, sei der Hafen aber zumindest im Moment noch voll operationsfähig und in Betrieb. "Wir rufen alle Konfliktparteien dazu auf, dass das so bleibt", sagte Mzembe. Fast 80 Prozent der Importe des Landes laufen historisch über Hudeida. Würde der Hafen angegriffen werden, hätte dies einen vernichtenden Effekt auf die Überlebenschancen der Bevölkerung. Seit vor einem Jahr die Cholera im Land ausgebrochen ist, seien fast 15 Prozent der Fälle in Hudeida aufgetreten. Würde es zu Wasserknappheit kommen, fürchtet die NRC ein hohes Risiko einer zweiten Ausbruchswelle in der Region, in der fast 3,5 Millionen Menschen leben - davon geschätzte 600.000 noch in der Stadt direkt.

Hudeida ist der größte Hafen des Landes und zugleich der einzige, den die vom Iran unterstützen  Houthis halten. Sollte die Anti-Houthi-Allianz den Hafen erobern, würde ihr das einen wichtigen strategischen Vorteil in dem Konflikt verschaffen, in dem seit Jahren keine der Kriegsparteien entscheidende Erfolge erzielen konnten. Die Houthi-Rebellen halten neben dem Hafen auch den Norden des Landes und die Hauptstadt Sanaa.