Jeder Norweger ist ein Kronen-Millionär

Eine Ölplattform im Meer mit einem Versorgungsschiff im Vordergrund.
Norwegens Staatsfonds ist jetzt 5,1 Billionen Kronen schwer - eine Million pro Norweger.

Es ist der größte Staatsfonds der Welt und Europas größter Aktieninvestor: Norwegens Staatsfonds. Am Donnerstag hat sein Volumen nach Angaben der norwegischen Notenbank 5,11 Billionen Kronen (607 Milliarden Euro) erreicht, womit jeder der 5,1 Millionen Einwohner rein rechnerisch jetzt Kronen-Millionär ist (pro Kopf sind es 119.000 Euro). Auf dem Papier jedenfalls. Dennoch kann sich kein Norweger aus dem Topf bedienen, egal, wie arg seine private Geldnot auch sein mag.

Luftaufnahme von mehreren Ölplattformen auf dem offenen Meer.

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Eine rote Versorgungsfähre liegt neben der Ölplattform Troll B im Meer.

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Luftaufnahme einer Ölraffinerie mit zahlreichen Tanks und zwei Tankern im Hafen.

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Eine Ölplattform auf dem Meer mit einem roten Versorgungsschiff im Vordergrund.

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Selbstbeschränkung

Und auch die Regierung hat sich selbst beschränkt: Pro Jahr dürfen nur vier Prozent aus dem „Fonds für die künftigen Generationen“ entnommen werden. Das war und bleibt die Idee eines Volkes geprägt von protestantisch-sparsamen Bauern und Fischern, das vor mittlerweile 45 Jahren auf gewaltige Öl- und Gasvorräte gestoßen ist. Der Fonds, der von der Notenbank verwaltet wird, ist die Zukunftssicherung des Staates für die Zeit, wenn Öl und Gas versiegt sein sollten.

Auch sonst gibt es strenge Regeln für den Fonds, in den weiterhin regelmäßig ein Teil der Öl- und Gaseinnahmen des Staates fließen. Dazu zählt die Regel, dass 60 Prozent in Aktien, 35 Prozent in Anleihen und fünf Prozent in Immobilien angelegt wird. Leichte Schwankungen sind erlaubt.

Ethik zählt

Ziel ist natürlich die Gewinnmaximierung – und das mit Erfolg: Seit 2005 hat der Staatsfonds sein Volumen vervierfacht. Dabei müssen die Fondsmanager ethische Kriterien bedenken, deren Einhaltung auch regelmäßig überprüft werden. Unternehmen, die Tabak anbauen, Waffen herstellen, die Umwelt verschmutzen oder die Menschenrechte verletzen und etwa Kinderarbeit zulassen, sind tabu. Dazu gehören rund 60 Unternehmen, darunter EADS, Boeing, Philip Morris oder der US-Handelskonzern Wal-Mart.

Erst im Oktober hat der Staatsfonds aus Umweltgründen und wegen Kinderarbeit sein Geld aus fünf Unternehmen in Indien, China, Peru, Malaysia und Südafrika abgezogen. Die Ölmultis Shell und Eni stehen unter Beobachtung.

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