Japans Kaiser darf nun gehen

Akihito
Der Kaiser dachte im vergangenen Sommer über eine Abdankung nach. Nun billigte das Kabinett einen Gesetzentwurf zum Thronverzicht.

Die Abdankung des japanischen Kaisers Akihito ist einen Schritt näher gerückt. Die Regierung in Tokio billigte am Freitag eine Gesetzesvorlage, die dem 83-jährigen Monarchen den freiwilligen Verzicht auf den Chrysanthemen-Thron gestattet. Das Parlament muss dem Gesetz noch zustimmen, doch dies gilt als Formsache. Mit der Abdankung wird Ende kommenden Jahres gerechnet.

Im vergangenen Sommer war aus dem Palast verlautet, dass der Kaiser über eine Abdankung nachdenke, Akihito selbst wies auf sein hohes Alter und seine Gesundheit hin. Allerdings gibt es in Japan keine gesetzliche Grundlage für einen solchen Fall; die letzte Abdankung eines Monarchen liegt Jahrhunderte zurück.

Japans Kaiser darf nun gehen
FILE PHOTO: Japan's Emperor Akihito (L) and Empress Michiko wave to well-wishers as they listen to the Imperial Guard music band's performance in celebration of their 50th wedding anniversary in the Imperial Palace compound in Tokyo April 10, 2009. REUTERS/Katsumi Kasahara/Pool/File Photo

Der Entwurf muss noch vom Parlament debattiert und verabschiedet werden. Die parlamentarische Billigung des Abdankungsgesetzes, das sich nur auf die Person Akihitos bezieht, gilt als Formsache. Ist das Gesetz in Kraft, muss der Thronverzicht binnen drei Jahren erfolgen.

Wann der äußerst populäre Tenno sich zurückziehen will, ist unklar. Berichten zufolge ist mit Dezember 2018 zu rechnen, Akihitos Sohn Naruhito würde demnach am 1. Jänner 2019 den Thron besteigen.

Abdankungen sind in der japanischen Monarchie höchst selten, zuletzt geschah dies 1817. Die oppositionelle Demokratische Partei hatte zunächst ein für alle zukünftigen Kaiser geltendes Abdankungsgesetz gefordert. Die Partei soll sich aber nun mit der Regierungsmehrheit auf den auf Akihito bezogenen Entwurf geeinigt haben. Experten und Politiker in Japan befürchteten, dass Kaiser allzu leicht politischen Manipulationen ausgesetzt wären, wenn sie jederzeit abdanken könnten.

Japans Kaiser darf nun gehen
FILE PHOTO: Japan's Emperor Akihito (L) and Empress Michiko stroll on a beach near their imperial villa where they are staying for their recuperation in Hayama, south of Tokyo February 5, 2009. REUTERS/Issei Kato/File Photo

Die Diskussion brachte die Sorge über einen Mangel an männlichen Thronfolgern zum Vorschein. Zwar gab es in der japanischen Geschichte Kaiserinnen, aber nach heutiger Gesetzeslage dürfen nur Männer den Chrysanthemen-Thron besteigen. Kronprinz Naruhito hat eine Tochter, aber keine Söhne. Deshalb ist sein jüngerer Bruder Akishino der zweite in der Thronfolge, gefolgt von dessen zehnjährigem Sohn Hisahito. Viele Japaner befürworten eine Öffnung der Erbfolgeregelung für Frauen, aber Traditionalisten halten weiter daran fest.

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