Krisenbedingt sind derzeit rund 100.000 Menschen mehr arbeitslos

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland
03/06/2021

Italiens Frauen verlieren ihre Jobs durch Corona

Von der Krise sind vor allem Frauen betroffen. Aber Defizite bei Gleichstellung schon vor der Pandemie.

Es ist ein Schock f√ľr Italien, aber keine √úberraschung: W√§hrend der zweiten Corona-Welle sind im Dezember 2020 in dem Mittelmeerland gut 10.000 Jobs im Vergleich zum Vormonat verloren gegangen - und mehr als 90 Prozent davon geh√∂rten Frauen. Seitdem das Statistikamt in Rom diese Zahlen im Februar genannt hat, laufen Debatten: Kann es sein, dass Italien - in Sachen Gleichstellung in Europa ohnehin kein Vorbild - bei den Bem√ľhungen weiter zur√ľckf√§llt?

Experten halten den Dezember-Wert f√ľr einen Ausrei√üer. Der Jahresvergleich sah etwas besser aus, sorgte aber gleichfalls f√ľr Alarm: Im Vergleich zum Dezember 2019 sank die Besch√§ftigung in Italien Ende 2020 um rund 444.000 Stellen - und rund 70 Prozent davon waren Arbeitspl√§tze von Frauen. Das passierte, obwohl die Regierung in Rom wegen der Pandemie einen Entlassungsstopp verh√§ngt hatte, der bis Ende M√§rz l√§uft.

Strukturschwächen und keine wirksame Frauenförderung

"Wenn man verstehen will, wieso die Pandemie sich so stark negativ auf die weibliche Erwerbst√§tigkeit in Italien ausgewirkt hat, muss man ein Bild davon haben, wie es vor der Pandemie war", erl√§utert Michela Morandini, Gleichstellungsr√§tin in S√ľdtirol. Dieses Bild sei im Urlaubsparadies Italien d√ľster gewesen, sagt sie. Strukturschw√§chen und etwa das Fehlen wirksamer Frauenf√∂rderung erhielten in der Viruskrise einen Schub.

Schon vorher war nur eine von zwei Italienerinnen offiziell beruflich t√§tig. Mit dieser Besch√§ftigungsquote um 50 Prozent geh√∂rt das Land zu den EU-Schlusslichtern. Italienerinnen h√§tten zudem h√§ufiger befristete Vertr√§ge, listet Morandini auf. Frauen arbeiteten h√§ufiger in Teilzeit als M√§nner, seien st√§rker in prek√§ren Arbeitsverh√§ltnissen t√§tig und zudem in jenen Sektoren aktiv, die von Corona stark betroffen seien wie Tourismus, Reinigungsgewerbe, Handel und Dienstleistung. Die Zeitung "La Repubblica" wies in einer Analyse darauf hin, dass das staatliche Entlassungsverbot in Italien feste Industriejobs gesch√ľtzt habe. Aber Zeitvertr√§ge, oft mit Frauen besetzt, durften auslaufen.

Nachholbedarf bei Kinderbetreuung

F√ľr das Land mit rund 60 Millionen Menschen kommt hinzu: "Bereits vor der Pandemie hinkte Italien in Bezug auf fl√§chendeckende Betreuungsangebote f√ľr Kinder hinterher", sagt Morandini - wobei es gro√üe Unterschiede zwischen den Regionen gebe. Durch die Kontaktsperren seien informelle Hilfsm√∂glichkeiten weggefallen. Gro√üeltern, Familie √ľberhaupt, seien als S√§ule weggebrochen. "Expertinnen nehmen an, dass die Unplanbarkeit der Ma√ünahmen viele Frauen dazu getrieben hat, keine Arbeit zu suchen beziehungsweise ihre Arbeit aufzugeben."

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