Politik | Ausland
30.07.2018

Italien: Immer mehr Übergriffe auf Ausländer

Innenminister Salvini postet derweil Urlaubsbilder und provoziert mit einem Mussolini-Zitat

Matteo Salvini sorgt auch in den Ferien für Aufregung. Während Italiens Innenminister im Badeort Milano Marritima urlaubt, haben rassistische Angriffe gegen Ausländer einen neuen Höhepunkt erreicht – doch der 45-jährige Mailänder ist sich keiner Schuld bewusst und ließ über Twitter seinen Kritikern ausrichte: „Viel Feind, viel Ehr“ (Tanti nemici, tanto onore). Oppositionspolitiker erinnerten daran, dass Salvini dabei ein Mussolini-Zitat verwendete – just an Mussolinis Geburtstag (29. Juli).

Auch wenn der Lega-Chef bei Umfragen die Nase vorne hat, die Liste seiner Kritiker ist lang. Von Anti-Mafia Autor Roberto Saviano über Pop-Sänger und Künstler, bis zum aufgeschlossenen, katholischen Wochenmagazin Familia Cristiana sind viele über Salvinis aggressive Wortwahl und feindliche Flüchtlingspolitik besorgt.

In gewohnter Manier lässt der Minister indes seine Anhänger auf Facebook an seinem Heimaturlaub an der Adria teilnehmen. Fotos zeigen ihn beim Frühstück mit Mozzarella und Tomaten, beim Bad in der Menge am Strand, am Abend in der Bar beim Flipperautomaten. Während Salvini das „erste Bad im Meer“ zelebrierte, wurde am Sonntag ein Marokkaner in der Kleinstadt Aprilia von zwei Italienern zu Tode geprügelt. Zuvor wurde ein junger Senegalese, der im sizilianischen Partinico als Kellner arbeitet, Opfer von Gewalt. In der vergangenen Nacht wurde die Diskuswerferin Daisy Osakue im Piemont angegriffen und am Auge schwer verletzt – sie wird voraussichtlich nicht an der Europameisterschaft in Berlin teilnehmen können.

„In den letzten Tagen sind mehr als sieben Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe Opfer von Gewalt geworden“, warnt Ex-Integrationsministerin Cécile Kyenge (mit kongolesischen Wurzeln) vor einem Klima des Hasses. Der Lega-Chef, der den Rassismus als „Erfindung der Linken“ abtut, zeigt sich unbeeindruckt: Der „einzig wahre Alarm“ in Italien seien die von Migranten verübten Straftaten.

Irene Mayer-Kilani, Rom