Silvio Berlusconi

© REUTERS/STEFANO RELLANDINI

Silvio Berlusconi
05/09/2014

"Er geht Alten auf die Nerven“

Medienrummel beim Antritt des italienischen Ex-Premiers im Seniorenheim. Proteste gab es bei seiner Ankunft.

Dutzende Kamerateams positionierten sich wenige Meter vor dem Eingang des Seniorenheims „Sacra-Famiglia“ in Cesano Boscone, in der Nähe von Mailand. Der Autokonvoi mit Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi traf am Freitag um 9.30 Uhr ein. Der 77-Jährige wirkte ernst und winkte nur kurz den Journalisten und Schaulustigen zu. Dann betrat er in Begleitung seiner zwei Leibwächter die Einrichtung. Er trug einen dunklen Pullover und eine blaue Jacke mit einem kleinen Anstecker seiner Partei Forza Italia.

Es war der erste Tag seines Sozialdienstes in der Abteilung für Alzheimer-Patienten. Lesen, schreiben, Spiele und motorische Übungen – der frühere Regierungschef soll den Menschen vor allem beim Morgenprogramm helfen. Auf der weitläufigen Einrichtung befinden sich eine Kirche, ein Fußballplatz und sogar ein Theater. Angestellte dürfen von Berlusconi während des Sozialdienstes keine Fotos machen.

Der Ex-Cavaliere Berlusconi wird hier in den nächsten zehn Monaten einmal pro Woche je vier Stunden lang tätig sein. Mit der alternativen Strafe konnten seine Anwälte die weitaus strikteren Auflagen eines Hausarrests umgehen. Berlusconi war wegen Steuerbetrugs bei seinem Fernsehkonzern Mediaset im August 2013 zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Aufgrund seines Alters kann er diese in Form von Sozialdienst ableisten.

„Gehört ins Gefängnis“

Einige Meter vor dem Eingang des Seniorenheims wurden Absperrgitter aufgestellt, um Kameraleute und Fotografen auf Distanz zu halten – und Demonstranten. Gewerkschafter Pippo Fiorito konnte bis zum Gitter vordringen. „Berlusconi gehört wie jeder andere Steuerbetrüger auch ins Gefängnis und nicht hierher, wo er alten Leuten auf die Nerven geht“, rief Fiorito mit einem Clown-Hut auf dem Kopf. Seine Gewerkschaftsvertretung würde sich solange gegen Berlusconis Präsenz wehren, bis er ins Gefängnis käme, so der Demonstrant.

„Wer wirklich draufzahlt, sind die armen Kranken, die ihn nun wöchentlich aushalten müssen. Es scheint, als ob sie die Strafe verbüßen müssten“, sagte eine Berlusconi-Gegnerin. Auch wenn Heimleiter Pigni erklärte, dass Berlusconis Anwesenheit den gewohnten Tagesablauf nicht stören werde.

„Natürlich ist die Strafe ein Witz für jemanden vom Kaliber eines Berlusconi. Aber sie hat eine symbolische Bedeutung. Denn so lernt er gezwungenermaßen eine Welt kennen, die er vorher komplett ignorierte. Das wird ihn nicht unberührt lassen“, betonte ein Berlusconi-Kritiker.

In Berlusconis Familie wird man nicht müde zu betonen, dass er auch aus dieser Erfahrung etwas Positives ziehen werde, wie es seinem Naturell entspreche. Lebensgefährtin Francesca Pascale sagte gegenüber Il Mattino: „Silvio hat immer schon Menschen in Not unterstützt. Schade, dass es fast niemand wusste.“ Die 28-jährige Neapolitanerin fügte hinzu: „Er verdient diese Strafe nicht.“ Auch Sohn Piersilvio bedauert die Konsequenzen des Urteils für seinen Vater: „Das ist eines zivilen Landes unwürdig.“

Berlusconi im Altersheim

Former Italian PM Berlusconi looks on as he arrive

ITALY BERLUSCONI COMMUNITY SERVICE

ITALY BERLUSCONI COMMUNITY SERVICE

Former Italian PM Berlusconi enters the Sacred Fam

Luxus, Frauen & Schönheits-OPs

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.