Politik | Ausland
22.07.2018

Israel: Proteste gegen Diskriminierung Homosexueller

Auslöser der Proteste war eine Änderung des israelischen Leihmutterschaftsgesetzes.

Tausende Israelis haben am Sonntag landesweit gegen die Diskriminierung Homosexueller demonstriert. In mehreren Städten, darunter Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und Beersheba (Be'er Sheva), marschierten Menschen mit Protestschildern auf den Straßen.

In Tel Aviv blockierten Demonstranten vorübergehend eine zentrale Schnellstraße. Tausende Mitglieder der LGBT-Gemeinde streikten außerdem am Sonntag, dem ersten Tag der israelischen Arbeitswoche. LGBT steht für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle. Viele Arbeitgeber unterstützten die Protestmaßnahme.

Auslöser der Proteste war eine Änderung des israelischen Leihmutterschaftsgesetzes. Sie ermöglicht es künftig nicht nur heterosexuellen Paaren, sondern auch ledigen Frauen, mit Hilfe einer Leihmutter Kinder zu bekommen. Die Gesetzesänderung schließt dagegen ledige Männer aus. Schwule Männer sehen sich dadurch des Rechtes beraubt, in ihrem eigenen Land Väter zu werden. Viele homosexuelle Paare in Israel reisen ins Ausland, um dort unter hohem Kostenaufwand mithilfe einer Leihmutter ein Baby zu bekommen.

"Keine Demokratie"

Irit Rosenblum, Anwältin und Gründerin der Organisation New Family, sieht die Gesetzesänderung als sehr diskriminierend. "Eine Gesellschaft, die zwischen Bürgern erster und zweiter Klasse unterscheidet, ist keine Demokratie", sagte sie am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Sie spricht von einer ganzen Serie anti-liberaler Gesetze, die Israels rechts-religiöse Regierung in der letzten Zeit verabschiedet habe.

Rosenblum sieht die LGBT-Proteste als den Funken, der eine neue Welle sozialer Protesten auslösen könnte. Die Gesetzesänderung zur Leihmutterschaft sei "der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt". Im Sommer 2011 hatten Zehntausende Israelis an friedlichen Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und Mieten in ihrem Land teilgenommen.