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Israelische Armee fordert Evakuierung von 10 Dörfern im Libanon

Indessen möchte Libanons Präsident Aoun wieder Israels Rückzug aus dem Südlibanon.
Der neue libanesische Präsident Joseph Aoun

Die israelische Armee hat am Montag eine neue Evakuierungsaufforderung für die Bewohner von zehn Dörfern im Süden des Libanon herausgegeben. "Angesichts der Verletzung des Waffenruheabkommens durch die Hisbollah sind die israelischen Streitkräfte gezwungen, mit Gewalt gegen die Miliz vorzugehen", erklärte der arabischsprachige Sprecher der Armee, Avichay Adraee, am Montag im Onlinedienst X. Indessen forderte Libanons Präsident Aoun wieder Israels Rückzug aus dem Südlibanon.

In einer Stellungnahme bezeichnete Aoun den Rückzug als eine "unerschütterliche, nationale Forderung". Zuvor hatte die israelische Armee sich an Bewohner der entsprechenden Dörfer, deren größter Teil in der Region Nabatäa liegt, gewandt. Die Bewohner sollten sich "mindestens 1.000 Meter" von ihren Häusern entfernen und "auf offene Flächen begeben", schrieb Adraee.

Israelischer Soldat getötet

Die Evakuierungsaufforderung erfolgte nach dem Tod eines israelischen Soldaten bei Kämpfen im Südlibanon. Der 19-Jährige sei "im Kampf gefallen", teilte die israelische Armee am Montag mit. Ein weiterer Soldat sei bei dem Vorfall schwer verletzt worden. Der 19-Jährige ist der 23. israelische Soldat, der seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Zuge des Iran-Kriegs getötet wurde. Zudem wurde ein Zivilbeschäftigter der israelischen Armee getötet.

Auf libanesischer Seite sind laut Behördenangaben bereits mehr als 3.000 Menschen getötet worden. Davon sind Rettungskräfte und medizinisches Personal nicht ausgenommen - sie zählten 123 Todesopfer, wie das libanesische Gesundheitsministerium bekannt gab.

Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April eigentlich eine Waffenruhe, die unlängst um weitere 45 Tage verlängert worden war. Israel und die Hisbollah werfen sich seitdem jedoch immer wieder gegenseitig Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor.

Hisbollah rief zum Sturz libanesischer Regierung auf

Am Sonntagabend hatte der Hisbollah-Chef Naim Qassem die Menschen im Libanon zum Sturz der Regierung aufgerufen. "Wenn diese Regierung nicht in der Lage ist, Souveränität (im Krieg mit Israel) herzustellen, dann sollte sie gehen." Das sagte Qassem in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Libanons Regierung sei ein "amerikanisch-israelisches Projekt, das die Institutionen des Landes angreift". "Die Menschen haben das Recht, auf die Straße zu gehen und die Regierung zu stürzen", ergänzte er.

Qassem wies Forderungen über eine Entwaffnung der Hisbollah erneut zurück. "Wir werden die Waffen so lange in unseren Händen halten, bis der libanesische Staat in der Lage ist, seine Pflicht zu erfüllen zum Schutz und Erhalt des Libanon, seines Volkes und seiner Ressourcen", sagte Qassem dem Hisbollah-Sender Al-Manar zufolge. Die Behörden des Landes könnten im Vorgehen gegen die schiitische Organisation nicht "handeln, wie es ihnen gefällt".

Entwaffnung der Hisbollah

Seit Mitte April führen der Libanon und Israel zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene, vermittelt von den USA in Washington. Die Entwaffnung der Hisbollah ist ein zentraler Punkt der Gespräche, an denen die Hisbollah nicht teilnimmt.

Bei einer gewaltsamen Entwaffnung könnte dem kleinen Land die nächste schwere Krise drohen. Einige fürchten, dass sich dann ein Szenario aus dem Mai 2008 wiederholen könnte: Die damalige Regierung versuchte unter anderem, das Kommunikationsnetz der Hisbollah stillzulegen. Deren Unterstützer lieferten sich daraufhin in Beirut tagelange Gefechte mit Anhängern der Regierung, Dutzende Menschen wurden getötet. Im Libanon tobte von 1975 bis 1990 ein schwerer Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten.

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