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Politik Ausland
11/12/2019

Israel: Zehn Palästinenser bei Luftangriffen getötet

Unter den Toten sind mehrere Extremisten. Premier Netanyahu verteidigt die Angriffe, es droht eine neue Gewaltwelle.

Nach der gezielten Tötung eines mutmaßlichen Dschihadistenführers im Gaza-Streifen ist es am Dienstag zu einem massiven Raketenbeschuss gekommen. Wie israelische Medien berichten, wurden rund 150 Raketen abgefeuert, von denen 60 abgefangen worden seien. Auch in Tel Aviv heulten die Sirenen. Insgesamt sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Dienstag zehn Palästinenser getötet worden.

Darunter auch der Kommandant der Gruppe "Islamischer Jihad", Baha Abu al-Ata. Syrische Staatsmedien berichteten zudem, dass die israelische Luftwaffe auch das Haus eines Jihad-Anführers in Damaskus angegriffen habe. Israels Armee kommentiere die Berichte nicht, sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv. Unter den Toten sind fünf weiter Mitglieder der extremistischen Organisationen und die Ehefrau von al-Ata.

Laut Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu war Baha Abu al-Ata „der zentrale Verantwortliche für Terrorattacken aus dem Gazastreifen“ und habe neue Angriffe geplant gehabt. Die Entscheidung, ihn zu töten, sei vor zehn Tagen einstimmig von der israelischen Regierung getroffen worden. Am Dienstag habe sich ein „Gelegenheitsfenster“ geboten, „mit maximalen Erfolgsaussichten und minimaler Gefahr für Unbeteiligte“. Der "Islamische Jihad" nannte den Angriff eine „Kriegserklärung“ Israels, es seien damit „alle roten Linien überschritten“ worden.

Medienberichten zufolge war vor allem die nahe am Gazastreifen gelegene Stadt Sderot und ihr Umfeld von den Raketenangriffen betroffen. Nach Angaben von Sanitätern schwebte ein achtjähriges Mädchen in Lebensgefahr.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte, dass die Auseinandersetzungen mit den militanten Palästinensern „eine gewisse Zeit dauern“ könnten. Nun seien „ein kühler Kopf und Durchhaltevermögen“ gefragt. Die Zeitung „Haaretz“ berichtete, dass sich Israel auf eine weitere Eskalation vorbereite, der Schulunterricht und alle nicht notwendigen Arbeiten in den vom Raketenbeschuss betroffenen Gebieten seien unterbrochen. Die Lokalbehörden hätten Schutzräume geöffnet.

Die israelischen Streitkräfte stellten sich nun auf mehrtägige Auseinandersetzungen ein, sagte Armeesprecher Jonathan Cornicus. Er betonte, dass der Angriff auf Baha Abu al-Ata keine Rückkehr zur umstrittenen Politik gezielter Tötungen von Feinden Israels darstelle. Dies sei eine einzigartige Aktion gewesen, um „eine direkte Bedrohung“ abzuwenden.

Der palästinensische Botschafter in Wien, Salah Abdel Shafi, widersprach der Darstellung Israels und kritisierte, dass Baha Abu al-Ata und seine Frau „außergerichtlich (...) hingerichtet“ worden seien. „Israel versucht, Methoden wie gezielte Tötungen als einen Akt der Selbstverteidigung darzustellen. Vielmehr handelt es sich jedoch um die Tat einer Besatzungsmacht, die einen ohnehin brüchigen Waffenstillstand zum wiederholten Male scheiten lässt“, kritisierte Shafi.

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte die beiden Konfliktparteien zu einer „schnellen und völligen Deeskalation“ auf. „Das Abfeuern von Raketen auf die Zivilbevölkerung ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören“.

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