Politik | Ausland 05.03.2013

Islamisten greifen mit Waffen und Brot nach der Macht

A statue of President Bashar Al-Assad's father, Hafez Al-Assad, is pulled down as people celebrate in Raqqa March 4, 2013. Syria… © Bild: Reuters/REUTERS TV

Die erste Provinzhauptstadt ist gefallen. Mit dabei: Die Al-Nusra-Front.

Aleppo, Homs, Idlib, Damaskus – die Liste der Schauplätze des syrischen Bürgerkriegs ist jetzt um einen Namen länger: Raka. Am Montag überrannten Rebellen die bisher von Kämpfen verschont geblieben Stadt im Osten Syriens, nahmen den örtlichen Chef der Baath-Partei sowie den Provinzgouverneur gefangen und führten beide vor einer Kamera vor. Eine Statue von Hafiz al-Assad, dem Vater von Baschar al-Assad, im Zentrum wurde Kamera-gerecht gestürzt. Und am Dienstag hieß es, nur an einigen Punkten in Raka würden Regimekräfte noch Widerstand leisten.

Raka, das ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei. Und es ist die erste Provinzhauptstadt unter der Kontrolle der Rebellen. Entsprechend fällt die Reaktion der syrischen Armee aus. Die Luftwaffe bombardierte in der Nacht auf Dienstag die Stadt, die vor den Kämpfen den Spitznamen „Hotel“ bekommen hatte – weil sie bisher sicher und daher Zufluchtsort Hunderttausender Flüchtlinge gewesen war. Die Rede war davon, dass in der 240.000 Seelen-Stadt zuletzt 800.000 Menschen gelebt hätten. Und davon, dass eine Mehrheit in Raka die Freie Syrische Armee (FSA) gebeten hätten, nicht einzufallen – nicht aus Sympathie zum Regime, sondern aus Angst vor dessen Rache.

Terrorgruppe dschihadistischer Prägung

Sie tat es dennoch. Seite an Seite mit der islamistischen Al-Nusra-Front, die in den Rängen der Rebellen zunehmend Einfluss gewinnt. Loyalisten des Regimes und auch ausländische Beobachter sprechen von einer Terrorgruppe dschihadistischer Prägung. Tatsächlich sollen bei den Kämpfen um Raka mehrere ausländische Al-Nusra-Kämpfer getötet worden sein. Darunter ein pensionierter Oberst der Armee der Vereinigten Arabischen Emirate. Dabei ist es bei weitem nicht nur ihr militärischer Arm, der an Boden gewinnt. Vor allem auf Gebiete um die Stadt Aleppo, auf die der Staat keinen Zugriff mehr hat, tut sich die bestens organisierte Al-Nusra-Front mit zivilen Aktivitäten hervor. Sie organisiert Bäckereien oder die Beseitigung von Müll. Tut also alles, um sich zivil zu etablieren.

Den Nachbarn Syriens bereiten die Aktivitäten der Islamisten aber zunehmend Sorge. Vor allem Israel. Nachdem ein großer Teil der 5. Division der syrischen Armee vom syrischen Teil des Golan abgezogen und nach Damaskus verlegt wurde, rechnet Israel laut einem Bericht des Internet-Dienstes debka fix mit Versuchen der Islamisten, Israel anzugreifen. Das sei „nur eine Frage der Zeit“.

Erstellt am 05.03.2013