UNO: IS-Massaker an 670 Häftlingen
Die UNO hat „ethnische und religiöse Säuberungen“ durch die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak verurteilt. IS-Kämpfer griffen „systematisch Männer, Frauen und Kinder wegen ihrer ethnischen, religiösen oder konfessionellen Zugehörigkeit“ an, erklärte UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay am Montag. Eine solche Verfolgung sei Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Mindestens 670 Häftlinge seien am 10. Juni von der IS-Miliz im Gefängnis in der Stadt Mossul ermordet worden, weil sie keine Sunniten waren, so Pillay in Genf weiter. Neben Massenmorden würden die sunnitischen Extremisten im Irak systematisch Vergewaltigungen begehen und Menschen in die Sklaverei zwingen.
Syrien bereit für Zusammenarbeit
Im Kampf gegen die Terrorgruppe ist Syrien zu einer Zusammenarbeit mit dem Westen bereit. Bedingung dafür sei, dass die internationale Gemeinschaft die Führung und Unabhängigkeit Syriens respektiere, sagte Außenminister Walid al-Muallem am Montag auf einer Pressekonferenz in Damaskus.
Er bejahte ausdrücklich die Frage eines Journalisten, ob das Angebot auch für die USA und Großbritannien gelte. Der Westen ist bisher ein scharfer Gegner des Regimes von Präsident Bashar al-Assad. In der vergangenen Woche hatten die USA, die bereits IS-Stellungen im Irak bombardiert haben, Luftschläge gegen die Extremisten auch in Syrien nicht mehr ausgeschlossen.
Anschlag auf Moschee
Außerdem sind bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in der irakischen Hauptstadt in Bagdad mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Das berichteten Rettungs -und Sicherheitskräfte am Montag. 32 Personen wurden demnach verletzt. Die Nachrichtenagentur AFP meldete bereits elf Tote.
Nach dem Angriff auf eine sunnitische Moschee nordöstlich von Bagdad am Freitag mit mehr als 70 Toten, haben sich die Spannungen zwischen den beiden religiösen Strömungen des Islams weiter verschärft.
Angriff der IS verhindert
Kurdische Einheiten und schiitische Milizen hätten einen weiteren Angriff auf die Stadt Tus Khurmatu rund 180 Kilometer nördlich von Bagdad verhindert, so irakische Medien am Montag. Demnach wurden zehn IS-Kämpfer und fünf ihrer Gegner getötet oder verletzt.
Die irakische Armee hatte am Wochenende einen Großangriff der Extremisten auf die Ölraffinerie Baiji abgewehrt, die zu den größten des Landes zählt. Tus Khurmatu liegt in der Nähe der Kleinstadt Amerli, die seit rund zwei Monaten von den Terrorgruppen belagert wird. Die Vereinten Nationen hatten am Samstag vor einem Massaker an der Bevölkerung gewarnt.
Zulauf von Kämpfern
Wie die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag berichtet, hätten sich allein am Wochenende mehr als 300 Männer anderer oppositioneller Milizen den Extremisten angeschlossen. Der Leiter der Aktivisten, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, insgesamt habe die Terrorgruppe in Syrien inzwischen rund 50.000 Kämpfer. Etwa 20.000 von ihnen kämen aus dem Ausland - vor allem aus dem arabischen Raum und aus Europa.
Bereits in der vergangenen Woche hatten die Menschenrechtsbeobachter von einem enormen Zulauf für die Extremisten berichtet. Seit Juli hätten sich etwa 6.300 Kämpfer den Extremisten angeschlossen, hieß es. Ein Grund für den Zulauf dürfte neben den militärischen Erfolgen der Jihadisten vor allem auch die Bezahlung sein.
In Österreich wurden erst vergangenen Mittwoch mutmaßliche Jihadisten festgenommen. Die neun Tschetschenen mit Asylstatus in Österreich, die sich auf dem Weg nach Syrien befunden haben sollen, sind nun in Untersuchungshaft. Das Asylaberkennungsverfahren wurde eingeleitet.
Biden und Barzani beraten
US-Vizepräsident Joe Biden und der Präsident der autonomen Kurdenregion, Massoud Barzani, haben sich über das weitere Vorgehen im Irak abgestimmt. In einem Telefonat seien sich beide Politiker über die „Bedeutung der Fortsetzung der historischen Kooperation“ zwischen Kurden und irakischen Sicherheitskräften einig gewesen, teilte das Weiße Haus mit.
Mit Hilfe der USA und anderen Partnern sei es so möglich gewesen, den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm von den Jihadisten zurückzuerobern.
Der irakische Außenminister Hoshyar Zebari forderte unterdessen von der internationalen Gemeinschaft mehr Unterstützung im Kampf gegen die Jihadisten. Der Irak brauche „Hilfe und Unterstützung von jedem“, sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem iranischen Kollegen Mohammad Javad Zarif in Bagdad.
Die IS-Kämpfer kontrollieren weite Teile im Nordirak sowie im angrenzenden Bürgerkriegsland Syrien. Seit rund zwei Wochen geht das US-Militär mit Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Nordirak vor.
Mit einer Messe in seinem Geburtsort Rochester im US-Bundesstaat New Hampshire haben Angehörige und Freunde von James Foley am Sonntag den getöteten US-Journalisten gewürdigt. An den Feierlichkeiten nahm auch der Bischof von Manchester, Peter Libasci, teil, der eine Botschaft von Papst Franziskus verlas.
Von Foleys Familie eingeladen waren auch Syrer der muslimischen Gemeinde von New Hampshire. Foley war 2012 in Syrien verschleppt worden. Vor einigen Tagen hatten Jihadisten ein Video verbreitet, das seine Hinrichtung zeigt.
„Liebe und Hoffnung“
Ihr Sohn habe für „Liebe und Hoffnung“ gestanden, sagte Foleys Mutter Diane der Nachrichtenagentur AFP im Haus der Familie vor dem Beginn des Gottesdienstes. Die Messe richte sich auch an alle Menschen, die in der Region litten und an alle anderen Geiseln. Foleys Vater John sagte, sie würden gemeinsam für alle Verschleppten beten. „Wir hoffen, dass etwas für sie getan werden kann“, sagte er, damit ihnen ein Ende wie das seines Sohnes erspart bleibe.
Mehrere hundert Menschen besuchten anschließend den Gottesdienst in der katholischen Kirche Our Lady of the Rosary in Rochester. Derzeit arbeiten die britischen Geheimdienste daran, den vermummten Mörder des US-Journalisten zu identifizieren, der in dem Video mit britischem Akzent gesprochen hatte.
Journalist kam frei
Unterdessen kam der vor zwei Jahren in Syrien entführte US-Journalist und Forscher Peter Theo Curtis (Bild) wieder frei. „Endlich kehrt er nach Hause zurück“, erklärte US-Außenminister John Kerry am Sonntag und bestätigte damit die Freilassung des aus Massachusetts stammenden jungen Wissenschaftlers. Curtis war zwei Jahre lang in der Hand der radikalislamischen Al-Nusra-Front.
Die Al-Nusra-Front ist der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Curtis' Entführung war geheim gehalten worden. Auch das Weiße Haus hat bestätigt, dass Curtis nach fast zwei Jahren Geiselhaft in Syrien freigelassen wurde. „Theo ist jetzt sicher aus Syrien heraus“, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung von Sicherheitsberaterin Susan Rice.
Vor zwei Jahren verschleppt
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurde Curtis am Sonntag den UNO-Blauhelmen auf den Golan-Höhen übergeben. Nach einer Überprüfung seines Gesundheitszustands sei er dann von einem Vertreter der US-Regierung in Empfang genommen worden.
Die Freilassung des Forschers war zunächst von dem katarischen Fernsehsender Al-Jazeera gemeldet worden. Demnach wurde Curtis im August 2012 nahe der Grenze zwischen Syrien und der Türkei verschleppt. Laut dem Sender hatte sich Katar für seine Freilassung eingesetzt.
Kerry sagte, die USA hätten mehr als zwei Dutzend Staaten gebeten, sich für die Freilassung von Curtis und allen anderen US-Geiseln in Syrien einzusetzen. Die USA benutzten jedes diplomatische, nachrichtendienstliche und militärische Mittel, um die Freilassung amerikanischer Geiseln in Syrien zu erwirken. Dass Curtis nun wieder frei sei, sei insbesondere nach der „unaussprechlichen Tragödie“ in dieser Woche für alle eine große Erleichterung, erklärte der US-Außenminister. Nach Angaben der Nationalen Sicherheitsberaterin Rice wird er bald wieder mit seiner Familie vereint sein.
Katarischer Geheimdienst half
Ein Informant aus Katar sagte der Nachrichtenagentur Reuters, katarische Geheimdienste hätten bei der Freilassung von Curtis eine Rolle gespielt. Es habe Gespräche mit den „richtigen Leuten in Syrien“ gegeben. Der Informant fügte hinzu, die Befreiung von Gefangenen von IS wäre für Katar „sehr schwierig“. Mit anderen Gruppen sei es dagegen einfacher.
Nach Schätzung des in den USA ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten werden in Syrien etwa 20 Journalisten vermisst. Es wird vermutet, dass viele davon sich in der Gewalt von IS befinden.
Kommentare