US-Fotograf James Foley auf einer Aufnahme, die in bei der Arbeit zeigt.

© APA/EPA/Nicole Tung / Courtesy of Global

IS-Terror
08/22/2014

Terroristen schickten Email an Foleys Familie

Eine Woche vor der Ermordung des US-Journalisten erhielt dessen Familie eine Nachricht der Terrormiliz - eine Ankündigung der Ermordung.

von Jürgen Klatzer

Der amerikanische Journalist James Foley wurde von einem IS-Dschihadisten mit britischem Akzent getötet, das Video der HInrichtung am 19. August auf YouTube veröffentlicht. Eine Woche zuvor erhielt die Familie des US-Reporters nach Informationen der Nachrichtenseite GlobalPost eine Email der Geiselnehmer, in der die Ermordung angekündigt wurde.

Lösegeld: 100 Millionen Euro

Die Familie Foley erklärte sich unterdessen einverstanden, die Nachricht der Geiselnehmer zu veröffentlichen. Man wolle die Geschichte über die Geiselnahme Foleys erzählen und die Hintergründe der Motivationen und Taktiken der Terrormiliz Islamischer Staat (kurz: IS) darstellen.

Wie die Reporter vonGlobalPostberichten, beinhaltet die Email der Geiselnehmer Ungenauigkeiten in Bezug auf Tatsachen. So wurden der Familie nicht viele Möglichkeiten gegeben um über die Befreiung Foleys zu verhandeln.

Nach mehr als einem Jahr ohne Kontakt zu den Entführern erhielten sie die erste Nachricht am 26. November 2013. Ein Lösegeld von 100 Millionen Euro wurde von der IS-Terrorgruppe gefordert oder die Freilassung von einer nicht erwähnten Anzahl von islamisitischen Häftlingen, die sich in amerikanischen Gefängnissen befinden.

Veröffentlichung

Am 12. August 2014 erreichte eine zweite Email die Familie:

"Wie lange wird das Schaf den blinden Hirten folgen?

Eine Nachricht an die amerikanische Regierung und deren Schafe, die Bürger: Wir haben euch seit eurer schmachvollen Niederlage im Irak alleingelassen. Wir haben uns nie in eure Landespolitik eingemischt oder eure Bürger attackiert obwohl wir dazu fähig wären. [...]

Ihr hattet mehrere Gelegenheiten, um über die Freilassung eurer Bürger mittels Geldüberweisungen, wie es andere Länder akzeptierten, zu verhandeln. Wir haben auch den Austausch von Häftlingen angeboten. Aber ihr habt uns sehr schnell davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr daran kein Interesse habt.

Ihr habt keine Motivation mit Muslimen zu verhandeln außer mit der Sprache der Gewalt, eine Sprache, die ihr in 'Arabischer Übersetzung' erhalten habt, als ihr versucht hattet, Irak zu besetzen!

Jetzt seid ihr zurückgekehrt, um die Muslime im Irak weiter zu bombardieren. Dieses Mal greift ihr auf Luftattacken und stellvertretende Armeen [Anm.: Kurdische Peschmerga, Irakische Armee] zurück, weil ihr euch vor einer face-to-face-Konfrontation fürchtet.

Heute zücken wir unsere Schwerter Staat und Bürger gleichermaßen! Und wir werden nicht aufhören bis wir unseren Durst mit eurem Blut stillen.

Ihr verschont nicht unsere Schwachen, Alten, Frauen oder Kinder, wir werden eure auch nicht verschonen!

Ihr und eure Bürger werden den Preis für die Bombenanschläge [im Irak] bezahlen!

Der erste wird der amerikanische Bürger James Foley sein!

Er wird als direkte Folge auf eure Übertretungen gegen uns hingerichtet werden!"

Angriff auf Sunnitische Moschee

Im Irak sind bei einem Angriff auf eine sunnitische Moschee laut Sicherheitskreisen mehr als 70 Menschen getötet worden. Kämpfer einer schiitischen Miliz hätten am Freitag in dem Gebetshaus das Feuer eröffnet, hieß es. Augenzeugen berichteten von noch mehr Todesopfern. Der Anschlag ereignete sich in der Provinz Diyala im Osten Iraks, wo vom Iran ausgebildete Schiitenmilizen mächtig sind.

Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabiya handelte es sich bei den Tätern um Kämpfer einer schiitischen Miliz. Sie hätten sich für einen Autobombenanschlag rächen wollen. Nach dem Angriff gebe es außerhalb der Moschee Zusammenstöße, meldete der Sender weiter.

Kämpfer der sunnitischen Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) haben weite Teile des Nordiraks unter ihre Kontrolle gebracht und dort einen Gottesstaat ausgerufen. Im Irak schwelt seit langem der Konflikt zwischen Sunniten (unter anderem auch Mitglieder der IS) und Schiiten.

USA überlegen Luftschläge in Syrien

Noch ist jener Mann nicht gefunden, der auf einem Video der Terrormiliz den US-Journalisten Foley enthauptet – die Geheimdienste weltweit suchen nach „John“, dem Terroristen mit britischem Akzent. Washington ist deshalb aber nun in die Offensive gegangen: Trotz der Androhung der Terroristen, weitere Geiseln umzubringen, habe die USA ihre Luftschläge fortgesetzt – und man denkt auch laut darüber nach, sie auf syrisches Gebiet auszuweiten.

Der Kampf müsse auf beiden Seiten der "quasi nicht existierenden Grenze" zwischen dem Irak und Syrien geführt werden, sagte US-Generalstabschef Martin Demspey in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Chuck Hagel. Die Organisation könne nicht besiegt werden, ohne ihren Arm in Syrien ins Kalkül zu ziehen: "Wir denken über alle Optionen nach", sagte Hagel auf konkrete Nachfrage eines Reporters, ob Luftangriffe auf Syrien denkbar seien – diese seien nur ein kleiner Teil der notwendigen Werkzeuge um IS zu besiegen, fügte Dempsey hinzu.

"Jenseits von allem, was wir kennen"

Hagel bezeichnete die Terrormiliz als „extreme Bedrohung für die Vereinigten Staaten“: "Es ist weit mehr als eine Terrorgruppe", sagte Hagel am Donnerstag im Pentagon. Sie sei "so hoch entwickelt und gut finanziert wie keine andere". Ihre militärische Schlagfähigkeit sei "jenseits von allem, was wir kennen" – (mehr zu den Hintergründen der IS lesen Sie hier).

Ob es für etwaige Angriffe in Syrien bereits Allianzen gibt? "Das wird passieren, wenn wir ein Bündnis in der Region haben, das die Aufgabe übernimmt, IS langfristig zu besiegen", sagte Dempsey mit Blick auf die internationale Gemeinschaft. Was die US-Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak betrifft, sollen diese vorerst fortgesetzt werden, wie Hagel erklärte. "Wir verfolgen eine langfristige Strategie." Das amerikanische Militär hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Wochen 89 Luftangriffe gegen IS-Ziele geflogen.

IS in Syrien

Während der IS wegen der US-Luftschläge im Nordirak zuletzt militärische Niederlagen erlitt, sind die IS-Kämpfer in Syrien weiter auf dem Vormarsch. Sie bewegen sich auf die nordsyrische Stadt Aleppo zu. Dort wollen sie die moderaten Rebellen der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) von ihrem lebenswichtigen Versorgungs- und Nachschubweg in die Türkei abschneiden. FSA-Offiziere klagten jüngst, dass immer mehr, vor allem junge Kämpfer in den Reihen der FSA zu den extremen Dschihadisten überlaufen.

Kurdische Kämpfer greifen an

Auch die kurdischen Kämpfer im Irak gehen gegen die Terrormiliz vor. Nach eigenen Angaben haben sie eine Offensive gegen die Stadt Jalawla im Nordosten von Bagdad gestartet. Der Angriff auf den von der Dschihadistengruppe gehaltenen Ort habe Freitagfrüh begonnen, sagte ein Vertreter der Kurdenpartei Patriotische Union Kurdistans (PUK). Demnach wurden bei den Gefechten in Jalawla auf beiden Seiten Kämpfer getötet.

Der IS hatte die strategisch wichtige Stadt nahe der Grenze zum Iran und etwa 130 Kilometer nordöstlich der irakischen Hauptstadt Bagdad am 11. August erobert. Kurdische Peschmerga-Kämpfer versuchen derzeit, die Dschihadisten mithilfe der US-Luftwaffe und der irakischen Armee zurückzudrängen.

Vorerst keine Achse mit dem Iran

Auf eine Kooperation mit der Iran wird man – vorerst – verzichten müssen. Das iranische Außenministerium hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach die man im Gegenzug für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zur Zusammenarbeit beim Anti-Terror-Kampf im Irak bereit sei: Der Minister sei nicht korrekt zitiert worden, teilte Außenamtssprecherin Masieh Afcham am Donnerstag mit. Die Berichte stimmten daher nicht.

Mehrere Medien hatten zuvor unter Berufung auf Außenminister Mohammad Javad Zarif berichtet, der Iran sei bereit, sich am Kampf gegen die Terrormiliz zu beteiligen. Im Gegenzug müssten die UN-Vetomächte sowie Deutschland beim Sicherheitsrat auf eine Aufhebung der im Atomstreit verhängten Strafmaßnahmen drängen, wurde Zarif etwa von der Nachrichtenagentur Tasnim zitiert. Die Sanktionen haben den Gottesstaat in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

Als Nachbarland Iraks spielt der Iran eine wichtige Rolle beim Anti-IS-Kampf. Der schiitische Iran gehört zu den Feinden der sunnitischen Extremistengruppe. Es soll bereits eine Zusammenarbeit der Islamischen Republik mit dem Erzfeind USA gegeben haben, bestätigen will das aber keine der beiden Regierungen.

In Österreich wurde am Donnerstag U-Haft über vier jener Männer verhängt, die kürzlich auf dem Weg in den Nahen Osten verhaftet worden waren, um die dortigen IS-Terrormilizen zu unterstützen - mehr dazu hier.

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