Kämpfer der "Syrischen Demokratischen Streitkräfte" im befreiten Manbidsch.

© APA/AFP/DELIL SOULEIMAN

Große Gebietsverluste
08/15/2016

IS in Bedrängnis: Offensiven auf Hochburgen in Syrien und im Irak

Regierungstruppen und Rebellen rücken auf die Städte Rakka und Mossul vor.

von Irene Thierjung

Es sind die "Hauptstädte" des sogenannten "Kalifats": Rakka in Syrien und Mossul im Irak. Seit ihrer Eroberung im März 2013 bzw. Juni 2014 zieht der "Islamische Staat" (IS) von hier aus seine Fäden. Ein Verlust der beiden Großstädte wäre für die Miliz eine schwere Niederlage, sowohl militärisch als auch propagandistisch.

Nun könnte dieser Verlust bevorstehen. Nach der Befreiung der Stadt Manbidsch durch die "Syrischen Demokratischen Streitkräfte" (SDF) am Freitag will die Rebellenallianz nun Rakka isolieren. Man werde sich zunächst auf das Gebiet um die Stadt Al-Bab konzentrieren, über das der IS in Rakka Nachschub erhält, hieß es aus den Reihen der im Vorjahr gebildeten Gruppe. Die SDF setzen sich u. a. aus kurdischen, arabischen und assyrischen Kämpfern zusammen und werden von den USA unterstützt.

In Manbidsch kehrt unterdessen wieder Leben ein. Am Wochenende kamen Hunderte vor dem Terrorregime des IS geflüchtete Familien in die nordsyrische Stadt zurück und feierten auf den Straßen ihre neu gewonnene Freiheit. Erste Geschäfte öffneten wieder. Die vertriebenen IS-Kämpfer zogen sich an die türkische Grenze zurück.

Endgültiger Sieg?

Auch aus seiner irakischen "Hauptstadt" soll der IS vertrieben werden. Kurdische Peschmerga-Einheiten, die wie die SDF-Rebellen in Syrien derzeit Siege in Serie gegen den IS verbuchen, verkündeten die Eroberung von sechs Dörfern nahe Mossul. Danach begannen sie eine Offensive auf die Stadt, die vor dem Krieg zwei Millionen Einwohner zählte. In Mossul hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi auf dem Höhepunkt seiner Macht im Sommer vor zwei Jahren das "Kalifat" ausgerufen.

Bereits im Dezember hatten Truppen der irakischen Regierung die strategisch wichtige Stadt Ramadi vom IS zurückerobert. Diesen Juni befreite die Armee zusammen mit sunnitischen Stammeskriegern und Schiitenmilizen Falludscha. Es war der bisher schwerste Schlag gegen den IS. Im Juli gelang es schließlich, den Flugplatz Kajara südlich von Mossul einzunehmen, wo nun große Einheiten zusammengezogen werden sollen. Unterstützung erhalten die Peschmerga und die irakische Armee von den USA und ihren internationalen Alliierten, die seit knapp zwei Jahren Stellungen des IS in Syrien und im Irak bombardieren.

Mit der Eroberung Mossuls verknüpft der Irak ein großes, allerdings sehr hoch gestecktes Ziel: den endgültigen Sieg über den "Islamischen Staat" im Zweistromland. Wie Premier Haider al-Abadi erklärte, soll dieses Ziel schon heuer erreicht werden.

Noch haben die Islamisten, so beschreibt es Spiegel-Journalist und IS-Experte Christoph Reuter, trotz aller Gebietsverluste ihre Untertanen fest im Griff: "Aber da Kontrolle und Furcht ihre beinah einzigen Herrschaftsinstrumente sind, treffen die militärischen Niederlagen in Serie sie umso härter."

Im seit Wochen von Regimetruppen eingekesselten Aleppo wurden seit dem Wochenende erneut Dutzende Menschen getötet. Im Ostteil der zwischen Armee und islamistischen Milizen heftig umkämpften Millionenstadt waren weiter bis zu 300.000 Zivilisten gefangen, obwohl die Islamisten vergangene Woche einen Korridor durch den Belagerungsring schlagen konnten.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier tritt seit Tagen für die Errichtung einer Luftbrücke zur Versorgung der Menschen sowie für eine Waffenruhe ein. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow wollte bei einem Gespräch der beiden gestern in Jekaterinburg davon allerdings nichts wissen. Er verwies auf bisherige Initiativen Russlands, das seinen Verbündeten, den syrischen Diktator Bashar al-Assad, seit dem Vorjahr mit Luftschlägen unterstützt. Es gebe vier Fluchtkorridore, die laut humanitären Helfern allerdings aus Angst vor Angriffen kaum genutzt werden, sowie eine tägliche dreistündige Feuerpause.

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