Politik | Ausland
10.05.2018

Iraner klagen: Gibt keine Jobs und die Preise galoppieren

Der Frust in der iranischen Bevölkerung ist groß: Hoffnungen auf ein besseres Leben haben sich zerschlagen, klagen Iraner.

„Die Stimmung ist im Keller“, erzählt ein Teheraner am Mittwoch. Es hätten fast alle mit dieser Entscheidung von US-Präsident Trump gerechnet, aber dennoch sei der Frust jetzt groß. „Wir hatten gehofft, dass es besser wird. Aber jetzt? Zukunft? Perspektive? Null!“ Es gebe keine Jobs, und die Preise stiegen durch den hohen Euro- und Dollarkurs weiter Tag für Tag.

Ein Kühlschrank, um nur irgendein Beispiel zu nennen, koste jetzt schon um 40 Prozent mehr als vor ein paar Monaten. Ob Milchprodukte oder Fleisch, alles wird jeden Tag teurer. „Die Reichen und die Mullahs leben weiterhin in Saus und Braus. Aber wir, die breite Masse, wir haben nichts mehr zu fressen!“, macht er seinem Frust Luft.

Seinen Namen will er – wie alle Iraner, die dieser Tage ein offenes Wort gegenüber dem KURIER wagen – nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Angst, im Gefängnis zu landen. Leute würden mitunter einfach verschwinden oder „mit irgend etwas niedergespritzt und damit müde und antriebslos gemacht“, heißt es. Die Spitzel des Geheimdienstes seien überall.

Eine Iranerin erzählt, die Jungen wollten alle weg, raus in ein Land, wo sie eine Perspektive hätten. Am liebsten in die USA – aber dort lasse man sie nicht einreisen, daher gingen viele nach Kanada.

Angst um Erspartes

In ihrem Umfeld, erzählt eine Frau der Mittelschicht, geht die Angst um, das Ersparte zu verlieren. Angesichts der galoppierenden Inflation versuchen viele, ihr Geld aus den Banken abzuziehen und in Devisen zu tauschen. Das weiß natürlich die Staatsführung und schob dem einen Riegel vor: „Mehr als 10.000 Dollar darfst du nicht mehr zu Hause haben, sonst wirst du hart bestraft.“

„Es gärt gewaltig“, sagt ein Student. „Wenn es so weitergeht, dann sind bald die Massen auf der Straße, um gegen die Führung zu protestieren.“ Gerade die Jungen, die sich um ihre Zukunft betrogen fühlen, dürften offen gegen das Regime aufzustehen. „Aber das Regime wird die Proteste blutig niederschlagen“. Der Westen dürfe sich nicht nicht täuschen lassen, sagt der junge Mann: Präsident Rohani mag liberaler als die konservativen Hardliner sein, aber: „In unserem System hat Revolutionsführer Ali Khamenei das Sagen. Er hält die Fäden in der Hand – und die Revolutionsgarden.“

Wahrheit schöngelogen

Der Messenger-Dienst Telegram, über den sich die letzten Proteste formiert hatten, wurde vom Regime schon abgedreht. Und in den iranischen Medien würde „die Wahrheit ohnehin nur schöngelogen“.

Ein Unternehmer klagt, dass nun wohl auch wieder weniger Touristen ins sein wunderschönes Land, wie alle, die dort waren, bestätigen könnten, reisen könnten. Die neu gebauten Hotels könnten bald leer stehen und weitere Arbeitsplätze verloren gehen. An die Kraft der Europäer, sich gegen Trump zu stellen, glaubt er nicht: „Die Europäer sind schwach – in ihrer Meinung und in ihrem Zusammenhalt.“

Eines sei klar, sagt der Mittvierziger: Sollten die USA oder Israel auch nur eine Rakete auf den Iran feuern, die Mullahs würden keine Sekunde mit der Reaktion warten.

Ulrike Botzenhart