War die KI schuld am US-Angriff auf eine Mädchenschule im Iran?

Foto- und Videoanalysen legen inzwischen eindeutig nahe, dass ein US-Tomahawk-Marschflugkörper die bis zu 175 Kinder getötet haben dürfte.
FILE PHOTO: US says it wouldn't deliberately target a school after Iran said over 160 killed in strike

Der Luftschlag, der in diesem Krieg bisher die meisten Leben auslöschte, traf nur wenige Stunden nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran eine Mädchenschule in Minab. Bei zwei Raketeneinschlägen in weniger als einer Minute wurden 175 Menschen getötet, die meisten davon Kinder.

Erst in dieser Woche hatte US-Präsident Donald Trump erneut behauptet, der Iran sei selbst Schuld an der Katastrophe. Anonyme Pentagon-Insider hatten zuvor in US-Medien erklärt, die Trümmer einer abgefangenen Rakete wären auf die Schule gestürzt.

Israel besitzt keine Tomahawk-Marschflugkörper

Dabei ist aufgrund von Videoaufnahmen und Satellitenbildern die Beweislast erdrückend, dass es sich bei mindestens einem Geschoss, das die Schule traf, um einen Tomahawk-Marschflugkörper handelte. Einen solchen besitzen nur die USA und eine äußerst begrenzte Auswahl ihrer Verbündeten - nämlich Großbritannien und Australien. Nicht einmal Israel hat Tomahawks in seinem Arsenal. Dass das Pentagon zudem längst eine interne Untersuchung des Vorfalls einleitete, ist ein weiteres Indiz.

Das US-Militär bewirbt “Tomahawks” grundsätzlich wegen ihrer Genauigkeit: Die Raketen können nicht nur eigenständig auf ein vorprogrammiertes Ziel zufliegen, sondern sogar während des Fluges ihre Route ändern. Das renommierte Videoanalyse-Team der New York Times geht davon aus, dass der Angriff wohl einem direkt an die Schule angebauten Marine-Stützpunkt der iranischen Revolutionsgarden galt. Die Mädchenschule war einst Teil des Militärkomplexes. Es könnte also sein, dass das US-Militär sich bei dem Angriff auf veraltete Geheimdienstinformationen berief.

Könnte eine KI schuld an dem Angriff sein?

Die USA behaupten, bereits mehrere Tausend Ziele im Iran aus der Luft angegriffen zu haben. Wie diese Ziele ausgewählt werden, ist völlig unklar - vor allem, da das Beamtenpersonal in Washington im vergangenen Jahr massiv gekürzt wurde. Unter anderem ist eine Abteilung, die für den Schutz von Zivilisten in Kriegsgebieten zuständig war, vollständig eingespart worden. US-Medien spekulieren längst darüber, dass das US-Militär bei seinen Luftschlägen auch KI-Modelle nutzt.

"Einer der tödlichsten US-Militärschläge"

Anders als bei anderen Kriegen dringen aus dem Iran viel weniger frei zugängliche Informationen über dessen Verlauf nach außen, da das Mullah-Regime den Internetzugang seiner Bevölkerung stark eingeschränkt hat. Bilder, die von regimetreuen Kanälen geteilt werden, sind oftmals verfälscht oder sogar gänzlich KI-generiert. Von iranischen Medien veröffentlichte Fotos der Trümmerteile sind also nicht unabhängig überprüfbar.

Graves are being prepared for the victims following a reported strike on a school in Minab

Satellitenbilder zeigen Gräber für die getöteten Kinder.

Allerdings sammeln internationale Organisationen wie Human Rights Watch oder die britische NGO Bellingcat im Internet Belege für Luftangriffe auf zivile Ziele. Über den Luftangriff auf die Mädchenschule in Minab sagte Emily Tripp, Geschäftsführerin der NGO Airwars, den Financial Times: “Das ist wahrscheinlich einer der tödlichsten US-Militärschläge, die wir je dokumentiert haben.”

Wenn das Pentagon seine interne Untersuchung abgeschlossen hat, muss das Ergebnis ausgewählten Kongressabgeordneten vorgelegt werden. Anschließend wird auch die Öffentlichkeit mehr wissen.

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