"Werden hart durchgreifen": Trump wiederholt Drohungen gegen Iran
Zusammenfassung
- Im Iran dauern die größten Proteste seit Ende Dezember an, mit Massenkundgebungen in Teheran und weiteren Städten.
- Demonstranten fordern den Sturz der islamischen Republik und beziehen sich auf den Schah-Sohn Pahlavi, während die Behörden das Internet weitgehend sperren.
- Mindestens 45 Demonstranten wurden laut Menschenrechtsorganisationen getötet, internationale Reaktionen zeigen Besorgnis über Gewalt und Inhaftierungen.
Im Iran haben in der Nacht auf Freitag die größten Demonstrationen seit Beginn der jüngsten Protestwelle stattgefunden. In der Hauptstadt Teheran strömten zahlreiche Menschen auf den weitläufigen Ayatollah-Kashani-Boulevard, wie auf von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Auf weiteren Bildern war eine protestierende Menschenmenge in der westiranischen Großstadt Abadan zu sehen.
Massenproteste im Iran: "Lang lebe Pahlavi"
Auch aus weiteren iranischen Städten, darunter Täbris im Norden des Landes und dem religiösen Zentrum Mashhad, übertrugen persischsprachige Exilsender Aufnahmen erheblicher Proteste. Mashhad beherbergt einen der bedeutendsten Schreine des schiitischen Islam.
Die Demonstranten strömten dort laut den Aufnahmen auf eine Hauptverkehrsstraße im Stadtbezirk Vakilabad. Diese Bilder konnte AFP zunächst nicht unabhängig verifizieren. In Täbris riefen Menschen laut Aufnahmen in Onlinenetzwerken unter Bezugnahme auf den Schah-Sohn "Lang lebe Pahlavi".
Demonstranten fordern Sturz der islamischen Republik
Die Demonstranten riefen wiederholt Parolen, die einen Sturz der islamischen Republik forderten, darunter "Pahlavi wird zurückkehren" - unter Bezugnahme auf Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 im Zuge der islamischen Revolution gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Im amerikanischen Exil beansprucht der 65-Jährige inzwischen eine Führungsrolle der zerstrittenen Auslandsopposition.
Sein aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet. Im Land selbst gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird.
Die Proteste im Iran dauern seit mittlerweile zwölf Tagen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Versammlungen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.
Behörden sperrten Internet
Die in London ansässige Organisation NetBlocks teilte am Donnerstag mit, die iranischen Behörden hätten das Internet gesperrt, das Land befinde sich inzwischen in einem "fast vollständigen landesweiten Internet-Blackout".
Der in der iranischen Exil-Opposition aktive Schah-Sohn Pahlavi hatte zuvor gesagt, die Führung in Teheran sei "zutiefst verängstigt" und werde das Internet kappen. Er hatte für Donnerstagabend zu weiteren Protesten aufgerufen.
Trump wiederholt Drohungen: "Werden hart durchgreifen"
US-Präsident Donald Trump wiederholte angesichts der Protestwelle seine bereits zuvor geäußerten Drohungen gegen die Führung in Teheran. "Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen - und sie haben viele Unruhen - häufig tun", sagte Trump in einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt.
Außenministerium ist "sehr besorgt"
Seitens des Wiener Außenministeriums (BMEIA) hieß es Donnerstagabend via X und Bluesky: "Wir verfolgen die Entwicklungen rund um die Demonstrationen im Iran aufmerksam und sind sehr besorgt über die gemeldeten Todesfälle, die Gewalt durch Sicherheitskräfte und willkürliche Inhaftierungen. Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit müssen gewährleistet werden. Alle, die wegen der friedlichen Ausübung ihrer Rechte festgenommen wurden, müssen sofort freigelassen werden. Dies wurde heute dem iranischen Botschafter in Wien mitgeteilt."
Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 45 Demonstranten getötet, darunter acht Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bisher 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte.
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