Iran: Gespräche gescheitert, zurück in den Krieg?

Die Verhandlungen in Islamabad blieben ergebnislos, JD Vance reiste am Sonntag ab. Ernsthaft weiterreden will Donald Trump offenbar nicht: Er kündigte eine Blockade der Straße von Hormus an.
Donald Trump und JD Vance

Stundenlang warteten die Reporter in Islamabad vergeblich auf Antworten. Beim Buffet im Konferenzzentrum, wo US-Vizepräsident JD Vance unter Vermittlung Pakistans mit dem Iran verhandelte, hatte man sogar hoffnungsvoll Kaffeetassen mit der Aufschrift „Brewed for Peace“ aufstellen lassen. Doch bei den Gesprächen war von diesem Frieden wenig zu spüren: Vance beendete sie nach 21 Stunden schmallippig. „Wir haben keine Einigung gefunden“, sagte er – und reiste ab.

Woran man scheiterte, ist Auslegungssache. Aus dem Iran hieß es, die Forderungen der USA seien „exzessiv“ gewesen. Selbiges hätten die Vereinigten Staaten wohl genauso sagen können, schließlich will Teheran Reparationszahlungen und die volle Kontrolle über die Straße von Hormus. Vance nannte als Knackpunkt lediglich das iranische Atomprogramm. Und er sagte, dass man dem Iran das „beste und letzte Angebot“ gemacht habe – grundsätzlich beendet sind die Verhandlungen also nicht. Doch wo und wie es nun weitergehen soll, ist völlig offen.

Trump entscheidet

Die Entscheidung darüber trifft auch nicht Vance, sondern sein Präsident. Der weilte während der Gespräche einem Mixed-Martial- Arts-Kampf bei, kommentierte das Ganze aber nicht. Vor Beginn der Unterredungen zeigte er demonstratives Desinteresse: Vielleicht würden sich die Iraner auf einen Deal einlassen, vielleicht aber auch nicht – aber „das kümmert mich nicht.“

Diese gespielte Gelassenheit mag ihren Grund darin haben, dass Trump keine besonders guten Karten hat. Die Gespräche in Islamabad brachten praktisch dasselbe Ergebnis wie die letzte Gesprächsrunde vor dem Krieg in Genf. Damals dachten die USA, die Militärmacht der Staaten werde die Mullahs in die Knie zwingen. Nun zeigt sich, dass Iran dadurch sogar einen Trumpf mehr hat – er hält die Hand auf die Straße von Hormus.

Die zwei Optionen, die Trump nun bleiben, sind beide nicht gerade verlockend. Entweder er lässt sich auf langwierige Verhandlungen ein, die sowohl Atomprogramm als auch die Meeresenge Hormus beinhalten, doch der Iran ist in diesen Dingen zäh. Schon die Atomverhandlungen unter Obama zogen sich zwei Jahre hin, und da war Hormus noch kein Thema.

Blockade-Drohung

Trumps zweite Option, die Wiederaufnahme eines Krieges, der die größte Energiekrise der Neuzeit ausgelöst hat, ist ebenso wenig berauschend. Dennoch machte Trump am Sonntag eine Tür in Richtung Eskalation auf, die seine Berater bisher absichtlich lieber zugelassen hatten. Um den Iran unter Druck zu setzen, würden die USA nun die Straße von Hormus blockieren, schrieb er auf Truth Social. Alle passierenden Schiffe würden von der US-Marine aufgehalten, auch jene, die Durchfahrtsgebühren bezahlt und auf den Weltmeeren unterwegs seien, würden gestoppt.

Das würde zwar kein sofortiges Ende der Waffenruhe bedeuten, wäre aber wohl ein massiver Hemmschuh für weitere Gespräche. Allerdings gibt es einen guten Grund, warum die USA diese Karte bisher nicht ausgespielt haben: Washington war es nicht nur recht, dass der Iran seine Schattenflotten-Tanker hat auslaufen lassen, Trump hatte das den Mullahs mitten im Krieg sogar selbst erlaubt – er hob alle Sanktionen auf die Ölschiffe Teherans auf.

Das hatte – obwohl es Milliarden in Irans Kriegskasse spülte – einen dämpfenden Effekt auf den Ölpreis. Dieser wäre mit einer Blockade aber wieder dahin, ebenso wie die steigende Beliebtheit Trumps: Seit Beginn der Waffenruhe waren nicht nur die Preise an den US-Tankstellen gesunken , sondern auch dessen unterirdische Umfragewerte nach oben geklettert.

Ob er nur Druck machen will wie damals, als er dem Iran die „Auslöschung“ seiner Zivilisation androhte, oder ob Trump ernst macht, muss sich erst zeigen. Er selbst relativiere sich jedenfalls gleich nach seinem Posting wieder: Dort hatte er geschrieben, die Blockade werde „sofort beginnen“. Zu Fox sagte er kurz danach: „Es wird ein bisschen dauern.“

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