Seit Sonntag in U-Haft: Milan Bandić,
Spitzname „Banditić“

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Affäre in Kroatien
10/23/2014

Milan Bandić erhielt in Wien Polit-Crashkurs

Dem Stadtpolitiker mit guten Beziehungen zur Wiener SPÖ wird Korruption vorgeworfen.

von Uwe Mauch

Seit Sonntagabend sitzt Milan Bandić, der Bürgermeister der kroatischen Hauptstadt Zagreb, in Untersuchungshaft. Pikant an seinem Fall sind nicht nur die Fülle an Vorwürfen, die die staatliche Anti-Korruptionsbehörde USKOK erhebt, sowie die große Zahl an Beschuldigten, sondern auch seine Freundschaft zu Politikern in Wien.

Der 58-jährige Lokalpolitiker, der aus einem Dorf in der Herzegowina stammt und zuletzt 15 Jahre lang die Stadt Zagreb in Fiakermanier regiert hat, war bis Sonntag de facto der zweitmächtigste Mann in Kroatien. Die Gerüchte, dass er zum Schaden der Steuerzahler Freunde begünstigte und nicht zu knapp in die eigene Tasche arbeitete, reichen bereits lange zurück, in die erste Amtszeit.

"Hier überrascht seine Verhaftung niemanden", berichtet denn auch Roman Rauch, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Zagreb. Ein Landsmann des Beschuldigten gibt wiederum zum Besten, dass die kroatischen Kollegen in seiner Firma Bandić seit vielen Jahren nur "Banditić" nennen.

"Bin ein guter Händler" Angesprochen auf seine sündteure Schweizer Armbanduhr, hat der derart Verunglimpfte einmal einem kroatischen Journalisten anvertraut: "Wissen Sie, ich bin ein guter Händler. Ich habe mit einer Swatch begonnen." Der Journalist wurde übrigens wenig später in Zagreb mit einer Autobombe getötet.

Brutal liest sich inzwischen auch die "Affäre Agram": Laut USKOK haben Milan Bandić und seine Vertrauten Millionen-Aufträge der Stadt an gute Freunde wie den Mitangeklagten Petar Pripuz ohne Ausschreibung vergeben. Zudem sollen sie Leute aus ihrem Clan in der Zagreber Holding und anderen stadtnahen Betrieben unrechtmäßig in Chefpositionen gehievt sowie Grundstücke der Stadt an lokale Mafiagrößen zu Billigpreisen verhökert haben. 16 Vertraute von Bandić sind ins Visier der Fahnder geraten. Ins Sittenbild des "Händlers" passt auch, dass seine Leute Dienstautos privat nützten. Bandić wird zudem vorgeworfen, dass er mehrere Millionen Kuna, die er für eine Wahlkampagne erhalten hatte, auf sein Konto gebucht und nicht versteuert hat.

Der Bürgermeister hatte die Fäden lange in der Hand. Weder die Korruptionsvorwürfe noch ein Autounfall in betrunkenem Zustand (samt Fahrerflucht und Bestechungsversuch eines Polizisten im Jahr 2002) haben ihn aus dem Amt gebracht.

Partnerstadt Wiens

Für Österreich nicht uninteressant ist die Beziehung des angeklagten Zagreber Statthalters zur Wiener Sozialdemokratie. Zagreb gilt offiziell als Partnerstadt von Wien. Und die Beziehung zwischen Michael Häupl und Milan Bandić gilt als sehr freundschaftlich. Ein Wiener Gemeinderat erzählt hinter vorgehaltener Hand, dass der verhaftete Zagreber Genosse einst bei der Wiener SPÖ einen politischen Crashkurs erhalten hat.

Milan Bandić ist nach Ex-Regierungschef Ivo Sanader von der konservativen HDZ übrigens der zweite bekannte kroatische Politiker, der hinter Gitter musste.

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