Yaku Perez will Ecuador grün machen

© APA/AFP/CRISTINA VEGA RHOR

Politik Ausland
04/10/2021

Indigene und Linkspolitikerinnen mischen Lateinamerika auf

In Ecuador, Peru und Bolivien stehen richtungsweisende Wahlen an. Danach dürfte sich die politische Situation nachhaltig verändern.

von Tobias Käufer

Ganz gleich ob der künftige Präsident Ecuadors nun Guillermo Lasso (62) oder Andrés Arauz (35) heißt: Dem Sieger der völlig offenen Stichwahlen um die Nachfolge von Präsident Lenin Moreno, dem die Verfassung eine erneute Kandidatur verbietet, wird heftiger Gegenwind ins Gesicht blasen.

Verantwortlich dafür ist Yaku Pérez (52), Anführer einer grünen indigenen Bewegung, die sich bei der Auszählung des ersten Durchganges um ihre Stimmen betrogen fühlt und eine harte Opposition angekündigt. Pérez hatte nur um Haaresbreite die Qualifikation für die Stichwahlen verpasst und wittert ein Komplott der etablierten Kräfte, die nach seiner Lesart mit den Erdöl- und Bergbaukonzernen kooperieren.

Hinter Pérez stehen die Ureinwohner Ecuadors, die nicht länger bereit sind, ihre Territorien oder Kultur einer sozialistischen oder kapitalistischen Politik unterzuordnen. „Beide im Rennen verbliebenen Kandidaten haben angekündigt, ihr Wirtschaftsmodell der Ölförderung, Rohstoffgewinnung und Zerstörung der Natur zu unterwerfen“, sagt die ecuadorianische Umweltschützerin Patricia Gualinga. In Ecuador ist eine breite indigene Umweltschutzbewegung erwacht gegen die künftig eine Rohstoffausbeutung – egal ob sozialistisch oder kapitalistisch motiviert – nicht mehr ohne erbitterten Widerstand möglich sein wird.

Verónika in Peru

Völlig offen ist das Rennen in Peru, wo es gleich eine Handvoll Kandidaten und Kandidatinnen eine Chance auf das Erreichen einer Stichwahl haben. Das Wahlvolk, das insgesamt sechs nachweislich korrupte Präsidenten in Folge zu verkraften hatte, hat das Vertrauen in die Politik verloren.

Hinzu kommt, dass Peru ähnlich wie Ecuador hart von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen ist. Davon profitierten, könnte die junge aufstrebende Linkspolitikerin Verónika Mendoza, die laut jüngsten Umfragen mit rund 10 Prozent auf Rang zwei liegt.

Bemerkenswert ist an Mendoza, dass sie anders als andere ältere linke Führungspersönlichkeiten in Lateinamerika den Mut hat, sich klar vom sozialistischen Regime in Venezuela zu distanzieren, und die Maduro-Regierung eine Diktatur nennt.

Eva statt Evo in Bolivien

Jung, weiblich und links ist auch Eva Copa, die strahlende Siegerin der Regionalwahlen in Bolivien. Sie wagte es als eine der wenigen aus dem eigenen Lager, die ältere Männerclique aus dem sozialistischen Bündnis MAS, um Ex-Präsident Evo Morales herauszufordern. Copa wurde in der Millionenstadt El Alto mit fast Zwei-Drittel-Mehrheit zur neuen linken Bürgermeisterin gewählt. Seit dem ist Bolivien in einer Art „Eva statt Evo Fieber“. Die linke Regierungspartei MAS bangt bei den Stichwahlen am Sonntag auf Regionalebene um wichtige Mehrheiten und fürchtet eine jüngere, linke Alternative.

Der Urnengang ist von der Opposition zudem zu einer Art Referendum über die umstrittene Verhaftung der ehemaligen Interimspräsidentin Jeanine Áñez ausgerufen worden. Ihr werfen die Sozialisten Terrorismus und Staatsstreich vor, was heftige Proteste auslöste.

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