Teepflückerinnen in Assam

© APA/AFP/BIJU BORO

Politik Ausland

Dreikönigsaktion: Laienanwälte im Einsatz für fairen Teeanbau in Indien

Arbeitstage mit 12 Stunden und Bezahlung weit unterhalb des Mindestlohns sind Alltag für die Plantagenarbeiterinnen. Laienanwälte verhelfen ihnen zu ihren Rechten.

von Irene Thierjung

01/05/2020, 07:00 AM

Der Gedanke an eine warme Tasse schwarzen Tees löst bei vielen Menschen wohlige Gefühle aus. Wer die Teeblätter gepflückt hat, ist den meisten aber nicht bewusst. Werbesujets mit bunt gekleideten indischen Frauen, die in idyllischen Landschaften ihre Körbe füllen, haben mit der Realität in Assam, dem größten Anbaugebiet der Erde, nicht viel gemein.

Arbeitstage mit 12 Stunden und Bezahlung weit unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns sind Alltag im nordost-indischen Bundesstaat, aus dem ein Viertel des weltweit produzierten Schwarztees kommt. Der Teeanbau macht bis zu 30 Prozent von Assams Wirtschaftsleistung aus, ein Fünftel der 31 Millionen Einwohner ist in der Branche tätig. Viele Familien leben seit Generationen auf Plantagen und sind deren Besitzern ausgeliefert. Ausreichende medizinische Versorgung für die großteils weiblichen, indigenen Pflücker und ihre Angehörigen ist ebenso rar wie adäquate Unterkünfte und Schulen. Es gibt Kinderarbeit und Menschenhandel.

Gegen korrupte Beamte

Einer, der seit 14 Jahren gegen diese Missstände angeht, ist Pater Owen Chourappa. Seine Hilfsorganisation „Legal Cell for Human Rights“ (LCHR) ist in bereits sieben Bezirken Assams tätig und wird von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt.

Zentraler Bestandteil der Arbeit sind die „Barefoot Lawyers“ (Barfuß-Anwälte), wie Pater Owen dem KURIER bei einem Wien-Besuch erklärte. Diese juristisch ausgebildeten Laien im Alter von 19 bis 40 Jahren zeigen den Teepflückern, die meist nicht lesen und schreiben können, wie sie und ihre Rechte gegenüber Arbeitgebern und korrupten örtlichen Beamten durchsetzen können.

Mittlerweile sind an die 500 dieser „Barefoot Lawyers“ im Einsatz. „Sie arbeiten mit großem Enthusiasmus“, sagt Pater Owen, der selbst studierter Jurist ist. Er berichtet von zahlreichen Verbesserungen, wie dem Ausbau von Schulen und Gesundheitseinrichtungen und der zunehmenden Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit.

Derartige Erfolge steigerten das Selbstbewusstsein der Indigenen massiv, freut sich Pater Owen: „All das wäre ohne die Dreikönigsaktion nicht möglich gewesen.“

Die Dreikönigsaktion bittet um Spenden. IBAN: AT23 6000 0000 9300 0330, online unter dka.at/spenden

Auch der Kauf von Fairtrade-Tee trägt zu verbesserten Arbeitsbedingungen bei. Infos unter fairtrade.at

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