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Politik Ausland
07/07/2021

Immer mehr Mordanschläge auf Journalisten

Khashoggi, Politkowskaja, Caruana Galizia und Kuciak wurden durch ihren Tod zu Ikonen der Pressefreiheit.

Das Berufsrisiko ist für Journalisten in den vergangenen Jahren gewachsen. Der Anschlag auf Pieter R. de Vries, der bei der Tat lebensgefährlich verletzt wurde, reiht sich ein in eine traurige Liste von Anschlägen gegen Reporter.

Jamal Khashoggi: Der saudi-arabische Journalist und Regierungskritiker fällt im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul einem Mord zum Opfer. Seine Leiche wird nie gefunden. Ein Spezialkommando aus Riad soll ihn getötet haben. Die Führung des islamisch-konservativen Königreichs ist daraufhin scharfer Kritik ausgesetzt. Die Regierung in Riad räumt den Mord erst auf internationalen Druck hin ein. Khashoggi hat vor seinem Tod im US-Exil gelebt und dort Kolumnen für die "Washington Post" verfasst. In Istanbul läuft noch immer ein Prozess, bei dem in Abwesenheit gegen 26 saudische Staatsbürger in dem Mordfall verhandelt wird.

Giorgos Karaviaz: Der griechische Blogger und Journalist wird im April 2021 vor seinem Haus in Athen erschossen. Der in Griechenland als Polizeireporter bekannte Giorgos Karaivaz wird mit sieben Schüssen niedergestreckt. Zwei Männer flüchten auf einem Motorrad. Karaivaz soll auf dem Heimweg von einer mittäglichen Boulevardsendung gewesen sein, bei der er als Kriminalreporter berichtet hat. Die Ermittler finden auch in den Wochen danach kein klares Motiv oder Hinweise auf etwaige Hintermänner der Tat, halten aber einen Kontext zu einem der Berichte des Reporters für möglich. Von Drohungen gegen Karaivaz vor dem Verbrechen ist nichts bekannt.

Anna Politkowskaja: Die russische Journalistin wird im Oktober 2006 in Moskau erschossen. Die damals 48-Jährige hat sich als Kritikerin der Kriege in Tschetschenien einen Namen gemacht. 2014 werden mehrere Männer aus der Nordkaukasusrepublik zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erachtet den Fall 2018 als unzureichend aufgeklärt. Es sei von den russischen Behörden nicht angemessen ermittelt worden, wer die Drahtzieher waren.

Benjamin Morales Hernandez: Mexiko gehört neben Afghanistan und Irak zu den gefährlichsten Staaten für die Presse. Erst kürzlich ist dort wieder ein Reporter gestorben. Benjamin Morales Hernández, Gründer und Chef des lokalen Nachrichtenportals "Noticias Xonoidag" verschwindet am 2. Mai 2021: Er wird in Sonoita direkt an der Grenze zu den USA von Unbekannten aus seinem Auto verschleppt. Einen Tag später wird seine Leiche gefunden, durchbohrt von vielen Schüssen. Morales Hernández hat vor seinem Tod einige Drohungen erhalten. Immer wieder sterben in Mexiko Journalisten, die mutig über Drogenkartelle und andere Formen der organisierten Kriminalität berichtet haben.

Daphne Caruana Galizia: Die 53-jährige Journalistin wird nahe ihrer Wohnung in der maltesischen Hauptstadt Valletta im Oktober 2017 mit einer Autobombe getötet. In dem Mordfall werden mehrere Männer angeklagt, 2021 fällt ein erster Schuldspruch gegen einen geständigen Angeklagten. Als der mutmaßlich eigentliche Drahtzieher allerdings sitzt inzwischen ein Unternehmer in Haft, der an einem Kraftwerk beteiligt ist. Caruana Galizia soll vor ihrem Tod über Korruption im Zusammenhang mit dem Bau des Kraftwerks recherchiert haben. Die Hinterbliebenen erstreben eine Untersuchung über die Rolle der Regierung. Auch die EU-Kommission fordert vollständige Aufklärung.

Jan Kuciak: Der 27-jährige Journalist und seine Verlobte werden im Februar 2017 in ihrem Haus im slowakischen Dorf Velka Maca erschossen. Seine Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wird postum veröffentlicht. Sie löst Massenproteste gegen Korruption aus. Als Folge treten Regierung und Polizeipräsident zurück. Der Mann, der die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll, und zwei Komplizen werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der mutmaßliche Drahtzieher, der Millionär Marian Kocner, wird hingegen 2020 in einem umstrittenen Urteil freigesprochen. 2021 wird dann aber bekannt, dass das Verfahren gegen ihn wegen frischer Beweise neu aufgerollt wird.

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