Politik | Ausland
27.07.2017

"House of Cards": Dank Trump so viele Seher wie nie

Die Skandale im "echten" Weißen Haus bescheren Erfolgsserie um fiktiven US-Präsidenten Rekord-Quoten.

Für die amerikanische Demokratie mag es schon bessere Zeiten gegeben haben, für Medienunternehmen sind die Polit-Skandale rund um US-Präsident Donald Trump Gold wert. Steigern sie doch das Interesse vieler Menschen am Politbetrieb in Washington.

Einer der Profiteure ist Netflix. Seit 2013 strahlt der US-Streamingdienst die von ihm produzierte Erfolgsserie "House of Cards" aus, in der der fiktive US-Präsident Frank Underwood (gespielt von Kevin Spacey) für seine Karriere gemeinsam mit seiner Frau (Robin Wright) im wahrsten Sinn über Leichen geht.

Wie Bild berichtet, schossen die Zuseherzahlen in Deutschland, wo man die Serie unter anderem via Sky sehen kann, mit Beginn der fünften Staffel in die Höhe. Im Vergleich zur vierten Staffel, die noch vor Trumps Amtseinführung vergangenen Jänner ausgestrahlt wurde, verzeichne Sky 70 Prozent mehr Zuseher.

Wenn Nachrichtenmedien "den Appetit für Geschichten über Wählerbetrug, so genannte Fake News (...) und eine russische Einmischung in unseren demokratischen Prozess noch nicht gestillt haben, dann hat House of Cards mehr zu bieten", beschreibt das Online-Portal Hollywood Reporter das Phänomen.

Realität vs. Fiktion

Die Intrigen im "echten" Weißen Haus und in seinem TV-Pendant ähneln sich dabei oft stark, etwa wenn Frank Underwood wie auch Trump per Dekret regiert, mit provokanten Sagern die Aufmerksamkeit von umstrittenen Themen weglenken will oder wenn Demonstranten in Washington "Nicht mein Präsident!" skandieren.

Bereits in der vierten Staffel spielte Russland eine wichtige Rolle - lange bevor die reale Affäre rund um eine mögliche Einflussnahme Moskaus auf den US-Wahlkampf 2016 zugunsten Trumps losgetreten wurde. Im Internet sorgte jüngst ein Bildvergleich zwischen den echten Präsidenten Putin und Trump und ihren fiktiven Pendants Petrov und Underwood für Lacher.

Im wahren Leben hat Trump derzeit nicht viel zu lachen. Er erlebt eine Woche voller Grabenkämpfe und Niederlagen - mit einstigen engen Vertrauten wie Außenminister Tillerson oder Justizminister Sessions, aber auch mit dem eigentlich republikanisch dominierten Kongress.

Der Senat lehnte am Mittwoch eine ersatzlose Streichung von "Obamacare" ab, der von Trump bekämpften Krankenversicherung für alle Bürger. Das Thema muss nun neuerlich debattiert werden.

Noch diese Woche soll der Senat zudem über neue Sanktionen gegen Russland abstimmen. Sollte sich eine Zweidrittelmehrheit dafür aussprechen, könnte Trump Strafmaßnahmen nicht einmal per Veto verhindern.