Jeden Tag wächst die Zahl verzweifelter Syrer, die vor den IS-Milizen flüchten – jene auf dem Bild schafften es zumindest in die Türkei. US-Geheimdienste warnen, dass auch IS-Terroristen darunter sein könnten.

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Europa
10/05/2014

Furcht vor eingeschleusten IS-Kommandos

US-Geheimdienste warnen Europäer vor getarnten Terroristen. Innenministerium beruhigt: "Flüchtlinge würden Alarm schlagen".

von Ulrike Botzenhart

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) will nach Informationen der US-Geheimdienste angeblich als Syrien-Flüchtlinge getarnte Terrorkommandos in europäische Länder einschleusen. US-Agenten hätten Gespräche abgehört, wonach sich vierköpfige IS-Kommandos mit falschen Pässen über die Türkei und den Westbalkan auf den Weg nach Westeuropa machen sollen. Und das auf dem Landweg, da auf Flughäfen vergleichsweise strenger kontrolliert werde, berichtete Bild am Sonntag.

„Ja, das ist eine Information, die unseren Behörden bekannt ist“, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, auf Anfrage des KURIER. Aber das dürfe nichts an der grundsätzlichen Hilfsbereitschaft ändern. Denn: „Millionen Syrer sind auf der Flucht. Und von den einigen Tausend, die zu uns nach Österreich kommen, können wir davon ausgehen, dass es verzweifelte Menschen sind, die dringend Hilfe und Schutz brauchen.“ In den ersten neun Monaten stellten 4700 Syrer einen Asylantrag in Österreich, weitere 500 von den 1500 von Hilfsorganisationen vorgeschlagenen Flüchtlingen durften bisher ins Land.

Wachsame Syrer

Aber die Gefahr durch Einzelne könne man prinzipiell nicht ausschließen. Diese herauszufinden sei Aufgabe des Verfassungsschutzes und der Asylbehörden – „und die sind sehr wachsam“, betont Grundböck. Auch auf europäischer Ebene arbeiteten alle zusammen und nicht zuletzt die syrischen Flüchtlinge selbst hätten stets die Augen offen, wer da mit ihnen mitkommt. „Manche von denen, die dem IS angehören, haben in Syrien eine gewisse Prominenz erlangt. Die Flüchtlinge würden sofort Alarm schlagen.“

Wobei die konkretere Gefahr offenbar von jenen ausgeht, die bereits in den Kriegsgebieten des IS im Einsatz waren und wieder zurück in Österreich sind.

Verhaftungen

Bisher gibt es 60 Rückkehrer. Diese Männer und Frauen stehen unter strenger polizeilicher Überwachung, um das Risiko abzuschätzen – oder sind bereits in Haft.

Einige wurden durch ihre Zeit mit der Terrormiliz weiter radikalisiert und versuchten, hierzulande neue IS-Kämpfer für Syrien zu rekrutieren. „Es gibt und gab daher auch bereits Verhaftungen“, so Grundböck. Alarmiert durch die Sicherheitskräfte hat die Staatsanwaltschaft über etliche Untersuchungshaft verhängt und ermittelt in diesen Fällen wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Wie viele sind derzeit hinter Gittern? Die Zahl will der Sprecher des Innenministeriums nicht nennen. Es handle sich, gemeinsam mit jenen Fanatikern, die auf dem Weg ins Kriegsgebiet gestoppt werden konnten, um „eine zweistellige Zahl“.

Unter Überwachung stehen auch jene, die verwundet und traumatisiert aus dem Kriegsgebiet zurückgekehrt sind. Diese seien von der IS-Ideologie „geheilt“, so Grundböck. Die Gefahr sei ein „europaweites Phänomen“, entsprechend eng arbeiteten die Länder zusammen. Insgesamt schätzt man die Zahl der IS-Kämpfer aus Europa auf 3000 – mehr als 900 aus Frankreich. Aus Österreich waren es bisher 140. Davon sind laut Innenministerium 30 zu Tode gekommen, 60 zurückgekehrt und folglich noch 50 im Kampf.

Selbstmordattentäterin tötet Dutzende IS-Kämpfer

Eine kurdische Kämpferin soll am Sonntag Dutzende IS-Extremisten südlich der umkämpften Stadt Kobane bei einem Selbstmordattentat getötet haben. Das sagte der Kurden-Kommandant in Kobane der Nachrichtenseite Welati, Hawar News bestätigte den Selbstmordanschlag. Die kurdische Enklave Kobane an der türkischen Grenze wird seit mehreren Tagen von IS-Einheiten belagert und ist hart umkämpft.

Der Spiegel berichtete, der IS habe kurdische Frauen geköpft. Unfassbare Bilder kursieren auf Twitter.

Pakistans Taliban sagten derweil Extremisten wie dem IS Unterstützung zu. Aber die Taliban stehen durch eine Armeeoffensive in ihrer Hochburg selbst unter Druck.

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