Heikler USA-Besuch: König Charles soll "besondere Beziehung" retten

Zum 250. Geburtstag der USA besucht König Charles Präsident Trump. Das soll auch die besondere Beziehung zwischen London und Washington retten.
FILE PHOTO: U.S. President Trump state visit to Britain

Dass sich König Charles nicht immer strikt an das eigentlich obligatorische Neutralitätsgebot für britische Monarchen hält, ist hinlänglich bekannt.

Bereits 2021, damals noch als Prinz, eröffnete er die UNO-Klimakonferenz COP26 in Glasgow mit einer ungewöhnlich eindringlichen Rede, forderte „eine groß angelegte Kampagne nach militärischem Vorbild“, um den Klimawandel zu bekämpfen. Als zwei Jahre später der damalige Premierminister Rishi Sunak die Nordirlandfrage zugunsten seines Landes klären wollte, lud der mittlerweile zum König ernannte Charles EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Nachmittagstee nach Windsor ein.

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2023 empfing König Charles Ursula von der Leyen.

Doch die bevorstehende Einladung dürfte der bislang größte politische Balanceakt von König Charles werden. Von 27. bis 30. April wird Charles III. mit Königin Camilla Präsident Donald Trump in den USA besuchen.

Unabhängig seit 1776

Formal fällt der Besuch mit den Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten zusammen. 1776 erklärten die damals 13 amerikanischen Kolonien ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone und damit von Charles’ fünffachem Urgroßvater, König George III. Und so wird das Königspaar neben einem Staatsbankett zum Gedenken des 25. Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September auch eine Straßenparty zu 250 Jahren amerikanischer Unabhängigkeit besuchen.

Offiziell ist der Besuch zudem die Gegeneinladung für Trumps umstrittenen zweiten Staatsbesuch in Großbritannien vergangenen September. Doch inoffiziell soll er die „special relationship“ zwischen London und Washington retten.

FILE PHOTO: U.S. President Trump's state visit to Britain

Köngi Charles soll die US-UK-Beziehung wieder stärken.

Denn die besondere Beziehung ist besonders fragil, seit sich der britische Premierminister Keir Starmer weigert, die US-Anschläge auf den Iran zu unterstützen. Seit Wochen hagelt es deshalb aus Washington Kritik: „Sehr enttäuscht“ erklärte sich Trump am 2. März von Starmer, der eben „kein Winston Churchill“ (3. und 17. März) sei, den er gar „nicht brauche“ (17. März) und dessen Flugzeugträger doch „bloß Spielzeug“ (26. März) seien.

Falkland-Frage

Erst diese Woche kam dann die Beziehung weiter unter Druck, nachdem ein geleaktes eMail aus dem Pentagon andeutete, dass die USA ihre Unterstützung auf den Falkland Inseln überdenken könnte. Die Inselgruppe vor Argentinien ist seit 1833 unter britischer Kontrolle. „Die Haltung Großbritanniens ist in Bezug auf die Falkland-Inseln ist entschlossen und unverändert“, stellte 10 Downing Street sofort klar.

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Die Beziehung zwischen Trump und Starmer ist derzeit angespannt.

Und doch versucht Starmer, Trump gegenüber Härte zu zeigen. Er werde sich nicht davon „abbringen oder davon abhalten lassen“, im „besten nationalen Interesse zu handeln“, erklärte der britische Premier. Der Großteil der britischen Bevölkerung lehnt den US-Militäreinsatz im Iran ab; Starmer stehen im Mai zudem entscheidende Regionalwahlen bevor, die seine politische Zukunft gefährden könnten.

Softe Superpower

Und so kommt einmal mehr Englands Soft Power zum Einsatz. Schon vergangenen Februar hatte ein von Starmer in Washington gezückter Brief des Königs bei Trump großen Eindruck hinterlassen. Offiziell könnte das zwar nie bestätigt werden, aber es war auffällig, dass Großbritannien in den folgenden Zollverhandlungen vergleichsweise mild behandelt wurde.

König Charles, versicherte Trump, könnte durchaus dazu beitragen, die US-UK-Beziehung zu kitten. „Auf jeden Fall“, sagt er der BBC. „Er ist ein fantastischer Mensch.“

Ganz verloren hat die britische Krone ihren Einfluss wohl auch nach 250 Jahren amerikanischer Unabhängigkeit noch nicht.

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