Politik | Ausland
23.05.2017

"Großartige Sicherheit"

US-Waffendeals in Nahost und die möglichen verheerenden Auswirkungen.

"Wunderschöne militärische Ausrüstung", wie es US-Präsident Trump nannte, für Katar; Waffen im Wert von 110 Milliarden Dollar für Saudi Arabien – für Trumps Verständnis des Nahen Ostens war sein Besuch in Saudi-Arabien ein großer Erfolg. Denn die wunderschönen Waffen, so sagte er, bringen "großartige Sicherheit". Sein Außenminister Tillerson fasste die Geschäfte derart zusammen: "Eine starke Botschaft an unseren gemeinsamen Feind" – den Iran.

Stellvertreterkrieg

Als Stellvertreter-Schlachtfeld in diesem Konflikt zwischen Saudi-Arabien sowie den Golf-Emiraten und dem Iran muss vor allem der Jemen herhalten. Dort herrscht praktisch seit dem Sturz von Präsident Ali Abdullah Salih 2011 Krieg: Mindestens 2,5 Millionen Flüchtlinge, chronischer Nahrungsmittelmangel, Unterernährung, der faktische Zusammenbruch aller staatlichen Strukturen und nun erneut ein großräumiger Cholera-Ausbruch. Knapp 30.000 Verdachtsfälle wurden von der Weltgesundheits-Organisation WHO registriert, bisher starben mehr als 300 Menschen. Dazu kommt, dass gerade internationale Organisationen zu Teilen des Landes gar keinen Zugang haben – aus diesen Regionen also keine Daten erhalten.

Es ist ein Krieg auf vielerlei Ebenen zwischen Stämmen, Ethnien, Religionsgemeinschaften, Extremisten. Seit 2015 bombardiert dabei Saudi-Arabien tatkräftig für die Einheiten, die Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi nahe stehen. Getroffen wurden regelmäßig auch Kliniken etwa der " Ärzte ohne Grenzen", Nahrungsmitteldepots und andere humanitäre Einrichtungen. Und das mit einer Präzision, dass von Unfällen kaum gesprochen werden kann. Das militärische Ziel Saudi-Arabiens sind dabei vor allem die Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden.

Dabei ist das militärische Engagement der Saudis im Jemen keinesfalls ein Alleingang. Die Allianz umfasst die Golf-Staaten, Ägypten, Jordanien, Marokko, den Sudan sowie Senegal und wird logistisch unterstützt durch die USA, Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Somalia, die sich auch an der Seeblockade des Jemen beteiligen. Es ist gerade diese Blockade, die den Konflikt zuweilen fast großflächig eskalieren hätte lassen – als etwa iranische Versorgungsschiffe für die Huthis an der Küste landen wollten.

Die Front zwischen den schiitischen Huthis und der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung ist dabei aber nur eine von vielen. Rund ein Viertel des Jemen wird von der El Kaida kontrolliert, die in dem Land eine ihrer weltweit stärksten Teilgruppen hat – trotz der regelmäßigen Drohnenangriffe durch die USA. Hinzu kommt die Terrormiliz "Islamischer Staat", die mit der El Kaida im radikalen Lager rivalisiert. All das wird gewürzt durch Stammesrivalitäten sowie diverse Differenzen auf vielerlei Ebenen zwischen dem zuvor sozialistischen Süd-Jemen und dem Nord-Jemen, die erst 1990 wieder vereint wurden.

"Beunruhigend"

Dass "wunderschöne" US-Waffen in der Region reißenden Absatz finden, überrascht nicht. Dass sie "großartige Sicherheit" bringen werden, ist dagegen zu bezweifeln – nicht nur wegen dem Jemen. Auch in Syrien sowie Libyen mischen Saudi-Arabien und die Golfstaaten mit, versorgen durchwegs ultrakonservative sunnitische Gruppen aber auch Extremisten mit Waffen und Geld.

Bereits auf der nächsten Station von Trumps Reise stoßen die Rüstungsdeals auf wenig Gegenliebe. Als "wirklich beunruhigend" bezeichnete Israels Energieminister Juval Steinitz den Deal mit den Saudis. "Saudi-Arabien ist ein feindliches Land", so Steinitz.