Meral Akin-Hecke ist Österreichs "digital Champion".

© Andreas Hafenscher

Digitale Agenda
12/21/2013

"Gesellschaft muss digitale Kompetenzen fördern"

Meral Akin-Hecke ist Österreichs "Digital Champion". Was das bedeutet und was sie macht, erklärt sie im Interview mit der futurezone.

von Barbara Wimmer

Die Wirtschaftsinformatikerin Meral Akin-Hecke ist seit dem Sommer 2013 Österreichs erster „Digital Champion“. Vom damaligen Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) ernannt, macht sie sich nun gemeinsam mit Kollegen aus 24 EU-Ländern auf ehrenamtlicher Basis Gedanken darüber, wie man möglichst viele Menschen dazu bringen kann, die Chancen von digitalen Medien und dem Internet zu nutzen. „Dabei geht es nicht etwa darum, den Menschen Tricks für die Bedienung von Facebook zu vermitteln, sondern um die Menschen darauf vorzubereiten, dass digitale Fähigkeiten in Zukunft unerlässlich sein werden“, erzählt Akin-Hecke der futurezone.

„Heutzutage muss man Quellen im Internet richtig bewerten können, Amtswege online erledigen, sich im Netz nach Jobs umsehen, oder Fahrkarten kaufen. In ein paar Jahren wird man diese Dinge vielleicht ausschließlich online erledigen können. Deswegen ist es wichtig, dass die Gesellschaft diese Kompetenzen als wichtig erachtet und diese fördert“, sagt Akin-Hecke, die mit „Digitalks“ selbst ein österreichisches Netzwerk für digitale Medien gegründet hat, mit dem sie Endanwender über neue Technologien, Social Media und mobiles Arbeiten aufklären möchte.

Viele Initiativen

Österreich hat sehr viele interessante und erfolgreiche Initiativen, doch man darf nicht vergessen: All diese basieren auf Freiwilligkeit. Digitale Kompetenzen müssen jedoch auch in die Ausbildungen hinein, in Schulen ebenso wie in AMS-Schulungsprogramme“, so Akim-Hecke. Zwar gebe es Schulen und Seniorentreffs mit digitalem Schwerpunkt, Initiativen wie den „A1 Internet für alle-Campus“ oder das Gemeindebau-Projekt „Theodor-Körner-Hof“, doch auch die Gesellschaft müsse diese Kompetenzen als notwendig erachten und die Angebote nutzen, so die Wirtschaftsinformatikerin.

Tatsächlich liegt Österreich bei der täglichen Internet-Nutzung derzeit knapp über dem EU-Schnitt. Laut der jüngsten Erhebung des EU-Statistikamts Eurostat nutzen in Österreich 63 Prozent das Internet täglich oder fast täglich. Im EU-Schnitt sind es 62 Prozent. Auch bei der Zahl der Haushalte, die über einen Internetzugang verfügen, liegt Österreich mit 81 Prozent über dem EU-Schnitt (79 Prozent). Das ist allerdings nur ein extrem knapper Vorsprung, den Österreich laut Akim-Hecke nun verteidigen muss. „Derzeit haben wir einen Vorsprung gegenüber anderen EU-Ländern. Doch manche EU-Länder machen größere Sprünge als wir. Wir müssen daher sehr wohl aufpassen, dass wir nicht zurück fallen“, warnt Akim-Hecke.

Digitale Kluft schließen

Auch die österreichische Bundesregierung hat in ihrem Arbeitsprogramm nun festgehalten, dass Maßnahmen zur Schließung der „digitalen Kluft“ ergriffen werden sollen. Welche, ist jedoch unklar. Auch Akim-Hecke weiß noch nicht, was für Maßnahmen in Österreich angebracht sein werden. „Zuerst muss man die Mindestanforderungen festlegen und eine Basis für alle entwickeln. Doch in Zukunft brauchen wir auch Experten. Es wird immer mehr digitale Jobs geben“, so Akim-Hecke. „Wir müssen viel weiter denken.“

Bei einem Arbeitstreffen in Brüssel hat sich Akim-Hecke vor kurzem mit den anderen „Digital Champions“ über die Erfahrungen in den einzelnen Ländern ausgetauscht. Eine Vorbild-Initiative ist „Go On UK“, die die Verringerung der Anzahl der Offliner in Großbritannien massiv vorantreibt. „In Irland und Estland lernt man bereits in der Volksschule programmieren. Wir müssen uns jetzt fragen, welche Skills Österreich braucht. Wir können uns von anderen Konzepten inspirieren lassen, um dann selbst zu handeln“, so Akim-Hecke.

Wie geht man mit Technik um?

Denn ein Handeln braucht es, auch wenn Österreich auf dem ersten Blick gut dazustehen scheint. Das heikle Thema ist hierzulande jedoch nicht so sehr der technische Internet-Zugang, sondern das Nicht-Wissen vieler, wie man mit der Technik umzugehen hat. „Bei der OECD-Studie wollten etwa ein Viertel der Befragten keinen PC angreifen, um Fragen zu beantworten“, so Akim-Hecke.

„Doch wie kann man einer Gesellschaft digitale Fähigkeiten beibringen, ohne Vorschreibungen zu machen? Sie von der Nützlichkeit und den Vorteilen überzeugen?“ Genau darüber macht sich die Wirtschaftsinformatikerin jetzt Gedanken – und will das Problem gemeinsam mit den anderen „Digital Champions“ lösen. Akim-Hecke gibt sich selbst „mindestens drei Jahre Zeit“ für diese spannende Aufgabe. Der ehrenamtliche Job, der auf eine Initiative von der für die Digitale Agenda zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes zurückgeht, ist unbefristet.

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