Srebrenica: 8.000 Opfer, 54 Verurteilungen zu 781 Jahren

Ein Mann und ein Kind stehen vor einem offenen Grab auf dem Gedenkstättenfriedhof in Srebrenica.
In diesem Jahr werden sieben Opfer des Völkermords von Srebrenica beigesetzt. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der dort bestatteten Personen auf 6.751.

Zusammenfassung

  • Srebrenica-Gedenkfeier zum 30. Jahrestag mit Beisetzung von sieben weiteren Opfern, insgesamt dort 6.751 bestattet.
  • 54 Personen wurden wegen Srebrenica-Verbrechen zu 781 Jahren Haft verurteilt, darunter lebenslange Haftstrafen für Mladić und Karadžić.
  • Bundeskanzler Stocker und Außenministerin Meinl-Reisinger betonen die Notwendigkeit, der Opfer zu gedenken und das Leid anzuerkennen.

In Srebrenica findet am heutigen Freitag eine Gedenkfeier zur Erinnerung an das Massaker in der bosnischen Stadt vor 30 Jahren statt. Im Rahmen der Zeremonie sollen die sterblichen Überreste von sieben Opfern in der Srebrenica-Gedenkstätte in Potočari beigesetzt werden. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der dort bestatteten Personen auf 6.751.

Erwartet werden tausende Menschen, darunter auch die Teilnehmer eines 100 Kilometer langen "Friedensmarsches", die am Dienstag im ostbosnischen Dorf Nezuk aufgebrochen waren, wohin sich Überlebende im Jahr 1995 gerettet hatten.

Lediglich Knochenreste bestattet

Unter den Menschen, die heute beerdigt werden, sind auch zwei Männer, Avdić Senajid und Mujić Hariz, die 1976 geboren wurden. Zum Zeitpunkt ihres Todes waren beide 19 Jahre alt. Ihre sterblichen Überreste wurden in Massengräbern gefunden. Unter den Opfern war auch eine Frau, Bektić Fata, die 1928 geboren wurde. Hasib Omerović (1961), Sejdalija Alić (1961), Rifet Gabeljić (1964) und Amir Mujčić (1964) werden ebenso am 11. Juli 2025 beigesetzt.

Die Überreste der Opfer, die in diesem Jahr ihre letzte Ruhestätte finden, wurden in Gräbern gefunden, die vor Jahren an den Orten Liplje, Baljkovica, Suljići und Kameničko brdo entdeckt wurden. In den meisten Fällen sind die Leichen nicht vollständig, sodass die Familien der Opfer lediglich zwei Knochen bestatten können.

Die Organisatoren der Gedenkfeier erwarten mehr als 150.000 Menschen in Potočari.

54 Personen wegen Genozids zu 781 Jahren verurteilt

Bisher wurden insgesamt 54 Menschen von internationalen und nationalen Gerichten zu insgesamt 781 Jahren Haft sowie fünf weitere zu lebenslanger Haft verurteilt, berichtet Aljazeera Balkans.

Ratko Mladić, der ehemalige Kommandeur der Armee der Republika Srpska, wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Krieges von 1992 bis 1995 in Bosnien-Herzegowina zu lebenslanger Haft verurteilt.

Auch Radovan Karadžić, der ehemalige Präsident der Republika Srpska, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Neben Karadžić und Mladić wurden in Den Haag drei weitere lebenslange Haftstrafen wegen des Völkermords in Srebrenica verhängt. Zu den Verurteilten zählen der ehemalige Sicherheitschef des VRS-Hauptstabs Ljubiša Beara, der ehemalige stellvertretende Kommandeur für Nachrichten- und Sicherheitsangelegenheiten des VRS-Hauptstabs Zdravko Tolimir sowie Oberstleutnant Vujadin Popović vom VRS-Drina-Korps.

Das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Kurz vor dem Ende des Bosnienkriegs hatten Truppen des bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladić am 11. Juli 1995 die damalige UNO-Schutzzone in Srebrenica gestürmt und mehr als 8000 muslimische Burschen und Männer verschleppt, getötet und in Massengräbern verscharrt. Auch 30 Jahre nach dem Genozid werden die sterblichen Überreste weiterer Opfer gesucht.

Bundeskanzler Stocker: "Erinnerung an die Ermordeten bewahren"

Anlässlich des Gedenktags meldete sich auch Bundeskanzler Christian Stocker via X zu Wort. "Wir müssen und werden die Erinnerung an die Ermordeten bewahren, um sicherzustellen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen", so Stocker.

Damit betonte Stocker die Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses und der Entschlossenheit, künftige Verbrechen zu verhindern.

Meinl-Reisinger: Anerkennung des Leids wichtig

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) äußerte am Freitag per Aussendung ihr Mitgefühl. "Srebrenica mahnt uns, was geschehen kann, wenn die internationale Gemeinschaft versagt. Unsere Gedanken sind heute bei den Müttern, Schwestern und Familien der Opfer." 

Der Blick dürfe aber nicht nur in die Vergangenheit gehen, es gebe auch eine Verantwortung für die Gegenwart, sagte Meinl-Reisinger. "Der Weg zu einer friedlichen Zukunft auf dem Westbalkan führt über die Anerkennung des Leids und Versöhnung - nicht über Relativierung oder Leugnung."

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