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Politik Ausland
08/31/2021

Geflüchtete afghanische Bürgermeisterin übt heftige Kritik an USA

Zarifa Ghafari ist seit wenigen Tagen im Exil in Deutschland. "Ich werde niemals vergeben", sagt sie.

Von Eva Sager

Zarifa Ghafari beginnt auf der  Pressekonferenz der Initiative Defend Afghan Women's Rights mit einer Entschuldigung für ihre Stimme. Sie habe eine schlimme Nacht hinter sich, voller Tränen. Seit Montag sind die Vereinigten Staaten offiziell raus aus Afghanistan, ihre letzte Militärmaschine verließ kurz vor Mitternacht den Flughafen in Kabul. Ghafari zittert immer noch etwas, wenn sie von den Freudenschüssen und Siegesfeiern der Taliban erzählt. „Alles ist verloren. Wir müssen wieder von vorne beginnen. Aber dieses Mal ist es härter, wir haben schon einmal gesehen, was mit uns passieren wird. Wir haben gesehen, wie hart es ist, Dinge zu erkämpfen und wie leicht es war, sie wieder zu verlieren“, sagt die 29-Jährige. 

Bis vor kurzem war Zarifa Ghafari noch Kommunalpolitikerin. Mit nur 26 Jahren wurde sie Bürgermeisterin der Stadt Maidan Shahr. 35.000 Menschen leben dort. Bei ihrem Amtsantritt 2018 versperrte ihr ein Mob von wütenden Männern den Zugang zum Gebäude. Eine unverheiratete Frau in einem politischen Amt? Für sie undenkbar. „Ich habe ihnen erklärt, dass ich mein Recht auf ein Amt einfordern werde und wenn ich mich vor dem Palast in Brand stecken muss“, sagte sie der New York Times in einem Interview. „Es war keine leere Drohung.“ Jahre später sind es die Taliban, die sie wieder zur Flucht zwingen. Dabei durfte Ghafari erst mit zwölf das erste Mal eine Schule besuchen. 

Eine Frauenrechtlerin

Ghafari befindet sich derzeit in Deutschland. Wäre sie in Afghanistan geblieben, hätte sie das vermutlich mit ihrem Leben bezahlt.  „Sie haben schon nach mir gesucht und versucht, mich zu töten“, sagt Ghafari. An ihrem politischen Engagement hat sich auch im Exil nichts geändert. Sie möchte ihre Stimme weiterhin nutzen um auf die Situation in Afghanistan aufmerksam zu machen. 

Eine Plattform dafür bietet ihr die Initiative zum Schutz von Frauen der Organisationen HÁWAR.help und Centre for Feminist Foreign Policy. Ghafari erzählt dort von der Verfassung der Menschen vor Ort und appelliert an die internationale Frauensolidarität. „Die Stärke der Frauen kann viel für mein Land und die afghanischen Frauen verändern“, sagt sie. Man müsse laut bleiben. Hoffnung gebe ihr dabei das Gefühl, dass ihre Generation nicht aufgebe. „Sie werden immer ihre Stimme erheben, egal wo sie sind.“
Zur Verantwortung zieht Ghafari in ihrem Statement die internationale Gemeinschaft: „Was Staatschefs, vor allem Männer, meinem Land angetan haben ist unvergesslich, unverzeihlich. Ich werde niemals vergeben und vergessen, was mir und meinem Land angetan wurde.“

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