Politik | Ausland
08.08.2018

Gefährlicher Konflikt um das Asowsche Meer

Russische De-facto-Blockade an der Straße von Kertsch. Ukrainische Küstenregion unter Druck

Im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zeichnet sich ein neues Problemfeld ab – und zwar ein brandgefährliches. Es geht um das Asowsche Meer. Und sollte es dort zu einer direkten Konfrontation kommen, so ließe sich das seitens Moskau nicht mehr auf „Selbstverteidigungsmilizen“ oder „Freiwillige“ – wie der Kreml seine Verbände in der Ostukraine nennt – abwälzen.

Seit Mai spitzt sich die Lage im Asowschen Meer zu. Nachdem die Brücke von russischem Festland über die Straße von Kertsch auf die von Russland annektierte Krim eröffnet wurde, begann die russische Küstenwache mit Kontrollen. Kontrolliert werden Schiffe, die die ukrainischen Häfen Mariupol oder Berdiansk anlaufen wollen. Bisher wurden 148 Handelsschiffe gestoppt. Und diese Kontrollen dauern zum Teil Tage. Durchschnitt derzeit: 54 Stunden. Das geht bereits so weit, dass von einer Seeblockade der ukrainischen Region die Rede ist. Kontrolliert werden aber auch Fischereischiffe, deren Besatzung in einigen Fällen festgenommen wurde.

 

Seitens ukrainischer Stellen wird befürchtet, dass es das Ziel ist, die Region über wirtschaftlichen Druck zu destabilisieren. Der Schaden jedenfalls ist enorm – sowohl in der Reederei, wie in der Fischerei, aber auch was die Stahl- und Agrarwirtschaft der Küstenregion angeht, die auf die Verschiffung ihrer Produkte angewiesen sind. Unternehmer berichten von massiven Einbrüchen. Der Umsatz der Häfen ging um 30 Prozent zurück. Fischern wurde von ukrainischen Stellen geraten, an der Küste zu bleiben – womit der Fang geringer ist. Von der Fischerei leben in der Region 20.000 Menschen. Und schon ohne Kontrollen sind die Häfen Mariupol und Berdiansk betroffen, können die russische Brücke doch nur Schiffe unter 33 Metern Höhe durchlaufen.

Keine Handhabe

Eine rechtliche Handhabe gegen die Kontrollen gibt es aber nicht. 2003 hatten Kiew und Moskau ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung des Asowschen Meeres verabschiedet. Die Kontrollen sind in dessen Rahmen.

Nicht zuletzt ist aber das militärische Ungleichgewicht in dem Meer enorm: Russland hat Berichten zufolge zehn Kriegsschiffe und 40 Schnellboote ins Asowsche Meer verlegt. Die ukrainische Marine hat dem nur einige Schnellboote entgegenzusetzen: 80 Prozent der Schiffe der ukrainischen Marine hat sich Russland mit der Annexion der Krim einverleibt. Kiew fordert indes bereits eine Ausweitung der OSZE-Beobachtermission auf das Asowsche Meer. Seitens der OSZE gab es dazu noch keine Stellungnahme.