In den USA und Kanada werden Kinder und Jugendliche bereits geimpft.

© APA/AFP/GETTY IMAGES/David Ryder

Politik Ausland
05/27/2021

Experte: "Impfung von Kindern eher nachrangig"

Sollen Kinder und Jugendliche in Deutschland demnächst geimpft werden? Vor dem heutigen Impfgipfel gibt es dazu mehrere Ansichten.

Heute treffen Kanzlerin Angela Merkel und die deutschen Ministerpräsidenten einander zum Impfgipfel. Diskutiert wird unter anderem, inwieweit und wann Kinder und Jugendliche in Deutschland geimpft werden sollen.

Im Vorfeld gehen die Meinungen dazu auseinander: Während die Ständige Impfkommission (Stiko) wohl keine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder abgeben wird, gibt es auf der anderen Seite Forderungen nach einem schnellen Impfangebot.

Wenn, soll allen Kindern über zwölf Jahren bis Ende August ein Impfangebot gemacht werden. Voraussetzung dafür ist freilich, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA eine entsprechende Zulassung ausspricht. Die Entscheidung darübe sollte morgen, Freitag, fallen.

Das sagen Kritiker

Rüdiger von Kries, Mitglied der der Stiko, erwartet nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben werde. Momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen bei Kindern. "Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“

Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte dem RBB-Sender radioeins, man erwarte noch Daten aus den USA. "Aber das wird sicherlich noch nicht bis nächste Woche vorliegen."

Der Chef des Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Signale der Stiko. Auf die Frage, ob er eine solche Entscheidung für richtig halte, sagte er dem Handelsblatt: "Ja. Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impfempfehlung aussprechen würde. Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht noch Klärungsbedarf. "Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann“. Natürlich wäre es hilfreich, möglichst vielen noch vor Beginn des nächsten Schuljahres ein Impfangebot machen zu können. "Aber wir haben uns immer für eine Impfstrategie ausgesprochen, die wissenschaftliche Sorgfalt vor Geschwindigkeit setzt."

"Impfung von Kinder und Jugendlichen ist nachrangig von Bedeutung"

Der Chef des Hausärzteverbands NRW, Oliver Funken, hält nichts von einer allgemeinen Corona-Impfung für Kinder. „Biontech-Impfstoff wird auch den Sommer über knapp sein, und die Verteilung des Impfstoffs sollte erstmal nach medizinischen Kriterien erfolgen. Das Impfen der Erwachsenen gegen das Coronavirus muss weiterhin oberste Priorität haben“, sagt Funken der Rheinischen Post.

Die bisherigen Studienergebnisse seien eindeutig: Kinder und Jugendliche würden keine schweren Verläufe bei einer Coronaerkrankung aufweisen. Die Nebenwirkungsrate bei Kinder sei noch nicht abschließend bewertet. "Die Impfung von Kinder und Jugendlichen ist daher nachrangig von Bedeutung."

 Befürworter der Impfung

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte Kritik an den Stiko-Überlegungen, den Biontech-Impfstoff nach seiner erwarteten Zulassung für 12- bis 15-Jährige nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen zu empfehlen. Dem Spiegel sagte er, er fände es "enttäuschend", wenn die Stiko keine grundsätzliche Empfehlung zur Impfung der Kinder ausspräche und die Verantwortung damit auf die Eltern und die Ärzte abschöbe.

Auch SPD-Chefin Saskia Esken drängt auf ein schnelles Impfangebot für Minderjährige. "Kinder und Jugendliche haben jetzt weit über ein Jahr auf vieles verzichten müssen und leiden besonders unter den Einschränkungen in der Pandemie“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wenn sichergestellt ist, dass die Impfstoffe ausreichende Wirksamkeit haben und keine schweren Nebenwirkungen auftreten, plädiere ich deshalb dafür, Kindern über zwölf Jahren und allen Eltern zügig ein Impfangebot zu machen.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte mit Unverständnis auf die Signale der Ständigen Impfkommission (Stiko). "Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen - sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Dass die ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen.“

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