Politik | Ausland
05.09.2017

Flüchtlinge: Friaul klagt über hohe Zahl von Einreisen aus Österreich

Bürgermeister von Görz, Triest, Udine und Pordenone beklagen sich beim Innenminister. "Seit 2014 bis heute haben über 10.000 Migranten aus Österreich über den Tarvis Italien erreicht."

Während die Flüchtlingswelle in Richtung Süditalien in den letzten Wochen stark nachgelassen hat, sind die friaulischen Städte weiterhin von Migrantenankünften stark belastet. In einem Schreiben an Innenminister Marco Minniti klagen die Bürgermeister von Görz, Triest, Udine und Pordenone, dass die Zahl der aus Österreich eingetroffenen Migranten zugenommen hat.

"90 Prozent der Migranten, die unsere Region erreichen, flüchten nicht vor dem Krieg, sondern kommen aus anderen EU-Ländern, in erster Linie aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Niederlande und Belgien", heißt es im Brief der Bürgermeister an Minniti, der am heutigen Dienstag die Region Friaul-Julisch Venetien besuchte.

"Seit 2014 bis heute haben über 10.000 Migranten aus Österreich über den Tarvis Italien erreicht. Dabei handelt es sich um Migranten, mehrheitlich aus Pakistan und Afghanistan, die in Nordeuropa arbeiten und über Österreich nach Italien einreisen. 2015 und 2016 trafen bis zu 100 Migranten pro Tag aus Österreich ein. Jetzt hat sich die Lage stabilisiert", so der Bürgermeister von Udine, Furio Honsell, im Gespräch mit der Tageszeitung Il Foglio.

"Es ist seltsam, dass sie mehrere EU-Länder überqueren, als wären sie unsichtbar"

"Die Migranten erreichen Italien mit dem Zug, oder werden auf der Autobahn unweit unserer Städte aufgegriffen. Es ist seltsam, dass sie mehrere EU-Länder überqueren, als wären sie unsichtbar", betonte Honsell. Angesichts dieser Zahlen müsse man sich wundern, dass Österreich Grenzkontrollen wiedereinführe, denn der Flüchtlingsstrom ziehe eigentlich in die entgegengesetzte Richtung. Die Grenzkontrollen seien vor allem auf den Wahlkampf in Österreich zurückzuführen, meinte Honsell.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums hat die italienische Grenzpolizei 1.200 Ausländern seit Anfang dieses Jahres die Einreise von Österreich nach Italien verboten. "Dies bezeugt, dass der Trend der Flüchtlingsströme eigentlich von Österreich nach Italien und nicht umgekehrt geht", sagte Honsell.

"Die Frage ist, welche Aussichten haben diese Personen, wenn sie einmal Asyl in Italien erhalten haben?"

Der Bürgermeister von Pordenone, Alessandro Ciriani, sagte im Interview mit der Triester Tageszeitung Il Piccolo, dass sich die Zahl der Migranten in seiner Stadt mehr als verdoppelt habe. Derzeit versorge die Stadt circa 400 Personen. Rodolfo Ziberna, Bürgermeister von Görz, meinte, die Region Friaul-Julisch Venetien, die insgesamt 1,2 Millionen Einwohner zähle, versorge zurzeit 5.000 Migranten, was deutlich über ihre Kapazitäten liege. "Die Frage ist, welche Aussichten haben diese Personen, wenn sie einmal Asyl in Italien erhalten haben?", fragte der Bürgermeister.

Pater Franco Gismano, Vikar in Görz, betonte, dass viele Migranten, die in Nordeuropa gearbeitet haben und dann aus verschiedenen Gründen das Land verlassen mussten, nach Italien einreisen, um den Flüchtlingsstatus zu erhalten. In Italien könnten alle Afghanen und Pakistaner den Flüchtlingsstatus erhalten. Das gelte zum Beispiel nicht in Großbritannien. "Ich kenne Menschen, die vier Jahre in England gearbeitet haben. Als sie ihren Job verloren haben, sind sie nach Italien gekommen, um den Flüchtlingsstatus zu erhalten, den ihnen London nicht zuerkennt", so Gismano.

Alarm in Rom wegen Migrantenankünften auf Sardinien

Nach dem starken Rückgang bei der Zahl von Migranten aus Libyen ist Italien jetzt mit zunehmenden Ankünften auf Sardinien konfrontiert. In den letzten vier Tagen trafen elf Migrantenboote aus Algerien auf Sardinien ein. Insgesamt 160 Migranten, die vom Strand Sidi Salem in Annaba, 500 Kilometer östlich von Algier, abgefahren waren, erreichten die italienische Insel.

Seit Anfang 2017 landeten bereits 960 Migranten auf Sardinien. Im Gesamtjahr 2016 waren es 1.106. Italiens Innenminister Marco Minniti reiste am Montag nach Algerien zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen, Noureddine Bedoui, um Strategien zur Bekämpfung des Menschenhandels zu diskutieren.

Rom will mit Algerien im Oktober ein Abkommen zur Stärkung der bereits bestehenden Zusammenarbeit im Kampf gegen Schlepperei und im Bereich politische Kooperation unterzeichnen. "Wir haben beschlossen, das 2009 unterzeichnete Abkommen auszubauen", sagte Minniti. Algerien habe viel im Kampf gegen den Terrorismus und gegen den Menschenhandel unternommen. "Unsere Beziehungen waren bereits exzellent und wir wollen sie noch mehr verbessern", so Minniti.

Die Ankündigung des neuen Abkommens mit Algerien wurde vom Präsidenten der Region Sardinien, Francesco Pigliaru, begrüßt. Dieser hatte wegen der zunehmenden Zahl von Migranten Alarm geschlagen.