Wochenendbeziehung: Melania holt Donald am Flughafen ab

© REUTERS/CARLOS BARRIA

Plötzlich unfrei
02/19/2017

First Lady nur am Wochenende

USA. Melania Trump fremdelt mit ihrer neuen Rolle als First Lady - und macht sich rar.

von Susanne Bobek

In ihrem ersten Monat als First Lady war Melania "missing in action" – MIA, wie die von Donald Trump so gehasste "Lügenpresse" in den USA behauptet. Nach der Inauguration ist sie erst zwei Mal in ihrer Funktion als First Lady aufgetreten. Mit dem Präsidenten führt sie eine Wochenend-Beziehung, man trifft sich am liebsten im prunkvoll-protzigen Privatclub in Florida.

Diese Woche beim Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu mit seiner Frau Sara machte Melania eine Ausnahme: Sie kam am Mittwoch ins Weiße Haus. Vergangenes Wochenende, als der japanische Premier Shinzo Abe mit Ehefrau Akie mit den Trumps nach Florida flog, bewegte sie sich auf gewohntem Terrain. Die exklusive Ferienanlage Mar-A-Lago ist schließlich ihr Zweitwohnsitz. Dabei nahm es Melania auch auf sich, mit Akie Abe ein japanisches Museum in Delray Beach zu besuchen. Beide schritten durch die Gartenanlage und fütterten Koi-Karpfen.

Statt an der Seite ihres Mannes in Washington zu weilen, wohnt Melania noch bis zum Sommer im Trump Tower in New York. Ihrem zehnjährigen Sohn Barron war ein Schulwechsel mitten im Schuljahr nicht zumutbar gewesen. Die First Lady bricht damit mit dem Erbe ihrer Vorgängerinnen. So liegen auch ihre Beliebtheitswerte bei schlappen 37 Prozent, Michelle Obama hatte kurz vor der ersten Amtseinführung ihres Mannes 68 Prozent.

Der Eindruck des abgehobenen Luxusweibchens wurde verstärkt durch das Coverbild von Vanity Fair Mexiko im Jänner. Die 1,80 Meter große Melania wickelt Juwelen wie Spaghetti auf ihre Gabel. Fake Fotos sind hingegen vermutlich die Bilder, die Melania Trump mit einem Rudel Leibwächter beim Shoppen in New York zeigen.

Shopping in New York

Die Bewachung der First Lady ist ein großes Thema, New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hat sich schon beschwert, dass die Stadt die immensen Kosten nicht alleine wird tragen können. Der Eingang zum Trump Tower ist zur Festung ausgebaut, Tiffanys daneben kaum zu erreichen. Auf dem Weg zur Schule wird der Autokonvoi, in dem Barron transportiert wird, in rasantem Tempo durch die Stadt geschleust. Straßensperren will man dabei möglichst verhindern. An ihrem Schreibtisch im East Wing des Weißen Hauses dürfte die First Lady aus Slowenien bisher maximal Probe gesessen sein. Dort stapeln sich Tausende unbeantwortete Briefe an sie, berichtete die New York Times. Erst zwei Wochen nach der Amtseinführung engagierte Melania Trump die erfahrene Lindsay Reynolds als Chefin ihres Büros.

Sie fühlt sich elend

Melanias Stylist Philip Bloch behauptet, die First Lady fühle sich "elend". Sie sei unglücklich darüber, was aus ihrem Leben geworden sei. "Dieses Leben war nicht ihr Traum, sondern Donalds", zitiert ihn das Promimagazin US Weekly. Vor allem Gigi Hadids Persiflage ihrer Person bei den "American Music Awards" hätte sie sehr verletzt. Melania sei "entsetzt darüber, dass sich die Welt über sie lustig macht". Das ehemalige Model sei auch traurig, dass es bei einigen amerikanischen Designern Persona non grata ist.

Möglicherweise legt Melania ihre Rolle aber absichtlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle an.

Millionenklage

Die Interessenskonflikte der Trumps liegen auf der Hand: Das Riesenunternehmen steht im Verdacht, die Macht des Präsidenten für eigene Zwecke auszunutzen. In diesen Ruch geriet auch Melania Anfang Februar, als ihre Anwälte Klage gegen die englische Daily Mail einreichten, die Gerüchte über die Vergangenheit der First Lady bei einem Escort Service verbreitet hatte. Die Anwälte fordern 150 Millionen Dollar, weil Melania Trump die Gelegenheit habe, "eine breit aufgestellte kommerzielle Marke in einer Vielzahl von Produktkategorien zu starten", und zwar in der Zeit als First Lady, "in der die Klägerin eine der meistfotografierten Frauen der Welt ist". Gerade erst sorgte ein Reporter der New York Times für einen Skandal, als er die First Lady bei einem Tischgespräch als "hooker" bezeichnete, also als Prostituierte. Die Schauspielerin Emily Ratajkowski machte den Vorfall in einem Tweet öffentlich und stand Melania Trump bei: Der Reporter verbreite "sexistischen Bullshit". Inzwischen hat sich der Reporter für seine Bemerkung öffentlich entschuldigt. Melania bedankte sich mit einem Tweet: "Applaus an alle Frauen, die aufstehen und andere Frauen unterstützen." Die verleumderischen Behauptungen schränkten die Eignung der 46-Jährigen ein, ihre Pflichten als First Lady auszuüben, hieß es dazu passend in der Klage gegen Daily Mail.

Heute ist der vierte Sonntag in ihrer Karriere als First Lady. Am ersten Sonntag rauschte sie mit Barron zurück nach New York, am zweiten traf sich das Ehepaar im Mar-A-Lago-Club und verließ die Übertragung der Super-Bowl mitten im Spiel. Am dritten Sonntag war wieder Florida angesagt, diesmal mit den japanischen Staatsgästen, die der Präsident offenbar auf eigene Kosten untergebracht hat. Dafür wurden die Clubgebühren für eine Aufnahme in das Ressort auf 200.000 Dollar (rund 188.000 Euro) erhöht. Damit erkauft man sich die Nähe zum Präsidenten. Trump Mitarbeiter nennen das Florida-Domizil angeblich "Winter White House".

Es ist üblich, dass die First Lady eigene Akzente setzt. Bei Melania ist noch nicht erkennbar, welche das sein könnten. Bisher ist sie die Wochenend-Gattin, die ihren Mann brav an der Gangway der Air Force One begrüßt. Große Leidenschaft sieht anders aus.

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