Politik | Ausland
04.01.2018

Trump-Anwälte wollen Veröffentlichung von Insider-Buch verhindern

Trumps Anwälte schickten dem ehemaligen Chefberater eine Unterlassungserklärung.

Donald Trump braucht ganze 1.158 Zeichen, um seiner Wut freien Lauf zu lassen. In harschen Worten rechnet der Präsident am Mittwoch mit seinem ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon ab. Er zweifelt an dessen geistiger Verfassung und beschreibt ihn als Scharlatan. Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun", so Trump. "Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand." Bannon habe wenig Anteil an seinem Wahlsieg gehabt. Im Weißen Haus habe er sich wichtiger gemacht, als er es gewesen sei.

Donald Trump braucht ganze 1.158 Zeichen, um seiner Wut freien Lauf zu lassen. In harschen Worten rechnet der Präsident am Mittwoch mit seinem ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon ab. Er zweifelt an dessen geistiger Verfassung und beschreibt ihn als Scharlatan. "Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun", sagt Trump. "Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand." Bannon habe wenig Anteil an seinem Wahlsieg gehabt. Im Weißen Haus habe er sich wichtiger gemacht, als er es gewesen sei.

"Dumm wie ein Ziegelstein"

Anlass ist ein Buch des Journalisten Michael Wolff mit dem Titel "Fire and Fury" (Feuer und Zorn), das am kommenden Dienstag erscheinen soll. Anwälte von US-Präsident Donald Trump haben Bannon wegen seiner Rolle in dem Buch in einer Unterlassungserklärung mit rechtlichen Schritten gedroht. Bannons Kommunikation "mit dem Autor Michael Wolff über ein bevorstehendes Buch gibt Anlass zu zahlreichen Rechtsansprüchen, darunter auf Rufschädigung durch Verleumdung und Beleidigung", zitierte der US-Nachrichtensender CNN am Donnerstag Trumps Anwalt Charles Harder. Bannon habe zudem eine schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt.

Wie die Washington Post berichtet, wollen Trumps Anwälte nun die Veröffentlichung des gesamten Buchs verhindern. Sie würden Klagen unter anderem wegen Verleumdung prüfen und fordern deshalb eine Unterlassung der Veröffentlichung des Buches wie auch von Auszügen des Buches. Zudem verlangen sie vorab eine Kopie des Buches. Das große Medienecho nach der Veröffentlichung des ersten Auszugs im Guardian scheint sich bereits ausgezahlt zu haben: Laut CNN schnellte das Buch an die Spitze der Amazon-Bestsellerliste - 24 Stunden vorher belegte es nur Platz 48.449.

Bannon soll in dem Buch schwere Vorwürfe gegen Präsidentensohn Donald Trump Junior und Schwiegersohn Jared Kushner erheben: Im ersten Auszug, der am Mittwoch im "New Yorker" erschien, bezeichnete Bannon ein mutmaßlich von den beiden organisiertes Treffen mit russischen Agenten im Jahr 2016 als "Verrat" und "unpatriotisch". Ivanka Trump wird von Bannon als "dumm wie ein Ziegelstein" bezeichnet.

"Trashige Boulevard-Fiktion"

In einem Stück imNew Yorkerzeichnet Wolff das Bild eines Wahlkampfteams, in dem kaum jemand an einen Wahlsieg Trumps geglaubt habe. Nicht einmal der Unternehmer selbst. Michael Flynn, der später seinen Posten als Sicherheitsberater nach nur 25 Tagen räumen musste, soll so sogar ein Redehonorar eines russischen Staatssenders heruntergespielt haben. Flynn habe zu einem Freund gesagt, dass die 45.000 US-Dollar (37.428,26 Euro), die er für die Rede bekommen habe, nur ein Problem darstellten, wenn man die Wahl gewinnen werde.

Wolff sagt, er habe in 18 Monaten über 200 Interviews geführt. Er habe so etwas wie einen Sitz auf einem Sofa im Westflügel der Regierungszentrale gehabt. Das Weiße Haus weist das zurück. Das Buch sei voll von falschen und irreführenden Behauptungen von Menschen, die keinen Zugang oder keinen Einfluss hätten, sagt Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Es sei nicht mehr als "trashige Boulevard-Fiktion".

Bannon als Strippenzieher im Hintergrund

Wolff beschreibt eine von Chaos geprägte Regierungszentrale, in der es anfangs kaum klar verteilte Rollen, aber viele um Einfluss buhlende Figuren gab. Trump stellt er als undisziplinierten Präsidenten dar, der den Sinn für die Realität verloren habe und selbst von seinen engsten Beratern missachtet werde. Immer wieder im Zentrum der Schilderungen steht Bannon. Hängen bleibt dabei das Bild eines Mannes, der eifrig die Fäden im Hintergrund spann. Das ist nichts Neues. Bannon selbst war während seiner Zeit im Weißen Haus eifrig bemüht, dieses Image eines düsteren Strategen zu pflegen. Sein Büro im Westflügel bezeichnete er oft als "War Room", als Kriegszentrale. An einer Wand hing ein Zettel mit Versprechen, die Trump während des Wahlkampfes gemacht hatte und die Bannon in den ersten hundert Tagen der Präsidentschaft umsetzen wollte.

Bannon fiel dem Machtkampf im Weißen Haus zum Opfer, da war er gerade etwas mehr als zweihundert Tage im Amt. Seither konzentriert er sich nicht nur darauf, populistische Kandidaten zu finden, die er in seinem selbst erklärten Krieg gegen das Establishment der Republikaner in die parteiinternen Vorwahlen schicken will. Er ist auch eifrig bemüht, seine Sicht über Trumps Präsidentschaft zu verbreiten. So bezeichnete er den Rausschmiss von FBI-Chef James Comey als großen Fehler.

Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen

In dieselbe Kerbe schlägt Bannon nun mit dem, was er über ein Treffen von Trumps ältestem Sohn mit einer russischen Anwältin während des Wahlkampfes zu sagen hat. Das sei "Verrat, unpatriotisch und übler Mist" gewesen. So zumindest zitiert der britische " Guardian" Äußerungen Bannons aus Wolffs Buch.

Das Treffen im Juni 2016 ist Teil der Russland-Affäre um Einfluss aus Moskau auf die US-Wahl. Trump Jr. hatte sich von der Anwältin heikle Informationen über Hillary Clinton versprochen, der demokratischen Präsidentschaftskandidatin. Mit im Raum waren bei dem Gespräch auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie der damalige Wahlkampfchef Paul Manafort.

Bannon soll darüber gesagt haben: "Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen - ohne Anwälte. (...) Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen."

Bannon widerspricht damit indirekt der Darstellung Trumps, dass es keine geheimen Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gegeben habe. Der Ex-Berater sei Trumps Frankenstein-Monster, schreibt David Graham im "Atlantic". Trump habe ihm Macht gegeben und ihn dann entlassen, nun verfolge Bannon ihn. Dass dieser es wage, das Treffen von Don Jr. als Verrat zu bezeichnen, sei bedeutend, weil er auf ewig das Label des Ex-Chefstrategen im Weißen Haus tragen werde.

"Einfach alles niederbrennen"

Noch dazu schießt Bannon gegen die Familie des Präsidenten, den heiligen Kern in der Trump'schen Welt. Das erklärt vielleicht in Teilen, warum Trumps Reaktion so heftig ausfällt. Seine Sprecherin Sarah Sanders sagt, Trump sei wütend über Bannons Äußerungen und angewidert. Seine Anschuldigung gegen Trump Jr. sei lächerlich.

Und Trump missfiel es schon seit längerem, dass Bannon sich so viel Geltung verschaffen konnte. Schon im November 2016 sagte er der New York Times, der Einzige, der Entscheidungen treffe, sei er selbst. In seiner Erklärung vom Mittwoch stellt er Bannon als Hochstapler dar, der gezielt Informationen an die Medien durchgestochen habe, um sich wichtig zu machen. "Steve repräsentiert nicht meine Basis, es geht ihm nur um sich selbst", erklärt Trump.

Am bemerkenswertesten ist aber vielleicht der letzte Absatz seiner Stellungnahme. Es gebe viele großartige republikanische Kongressmitglieder und Kandidaten, die hinter seiner Agenda stünden, heißt es da. Genau wie ihm selbst sei ihnen daran gelegen, das Land aufzubauen, "statt einfach alles niederbrennen zu wollen". Trump stellt sich damit auf die Seite jener Konservativen, die seit längerem gefordert hatten, er müsse sich von Bannon lossagen. Dem Establishment, dem Bannon den Kampf angesagt hat.

Trump steht wegen mutmaßlich illegaler Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams massiv unter Druck. Mit der Affäre befasst sich unter anderem der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Die Ermittlungen führten bereits zu einer Anklage gegen Trumps zeitweiligen Wahlkampfleiter Manafort. Ihm wird Geldwäsche im Zusammenhang mit seiner Lobbyistentätigkeit für prorussische Kräfte in der Ukraine vorgeworfen.