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Aufregung um Elektromodell: Zukunft oder Ende für Ferrari?

Nun hat auch die Rennwagenschmiede aus Maranello seinen ersten rein elektrischen Sportwagen – einen Fünfsitzer – präsentiert und dafür massiv Kritik geerntet.
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Zur Präsentation des ersten rein elektrischen Sportwagens mobilisierte Ferrari Hilfe von (fast) ganz oben: in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo zeigte Ferrari-Präsident John Elkann Papst Leo XIV das neue Modell Luce. Der Pontifex durfte auf dem Fahrersitz Platz nehmen und ließ sich das Auto erklären.

Stark, aber hässlich?

Die PR-Abteilung aus Maranello setzt wohl auch auf die himmlische Hilfe, da sie ahnte, was kommt: Denn selten gab es mehr Häme, Spott und Kritik bei der Präsentation eines neuen Fahrzeugs.

An den reinen Leistungsdaten des Luce, der noch in diesem Jahr ausgeliefert werden soll, liegt das eher nicht: Vier unabhängige Elektromotoren an den Rädern summieren die Leistung auf 1.050 PS (772 kW) bei einem Drehmoment von 990 Nm, die den 2,3 Tonnen Fünfsitzer in 2,5 Sekunden von null auf 100 km/h und in 6,8 Sekunden von null auf 200 km/h katapultieren sollen. Bei 310 km/h ist Schluss.

Im Fokus der Kritik – noch bevor auch nur ein Bericht einer Testfahrt publik wurde – stand das Design des 550.000 Euro-Sportwagens. Das kommt vom britischen Designer Jony Ive, der zuvor jahrelang die Formsprache von Apple-Produkten wie den iMacs, iPhones und iPads definierte. Ive gilt als einer der einflussreichsten Industriedesigner der Welt.

Der Spott in den Sozialen Medien über den Luce drehte sich vor allem um eine gewisse Ähnlichkeit mit Apple-Produkten wie der „Magic Mouse“, herb auch Vergleiche mit dem biederen Elektro-Pkw Nissan Leaf oder dem vielleicht hässlichsten Auto aller Zeiten, dem Fiat Multipla.

Heftig auch die Kritik aus der Autobranche: Der langjährige Ferrari-CEO Luca di Montezemolo warnte vor der Gefahr der „Zerstörung eines Mythos“. Vize-Regierungschef Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega sagte – wohl in Anspielung auf den Gründer Enzo Ferrari (1898–1988): „Da wird sich jemand im Grab umdrehen.“

EU-Pkw-Regelung

Die Autoindustrie hat seit Jahren ihre liebe Not, sich den EU-Klimaregularien anzupassen, die ab 2035 nur für Neuwagen noch immer Null-Emissionen (also keine Verbrenner) vorsehen, auch wenn diese Regelung demnächst aufgeweicht werden wird. Das nötigte viele Autobauer, auch reine Elektriker anzubieten, etwa den Porsche Taycan. Doch für Ferrari gilt diese EU-Regel aufgrund der vergleichsweise sehr niedrigen Produktionszahlen ohnehin nicht.

Ferrari weiß aber auch, dass auch im Luxussegment rein elektrische Fahrzeuge um sehr viel Geld nachgefragt werden, auch weil deren Leistungsdaten alles zuvor Dagewesene sprengen: Die Chinesen von BYD haben mit dem Yangwang U9 Xtreme etwa einen E-Sportwagen mit 3.000 PS und 496,2 km/h Spitzengeschwindigkeit im Angebot, Mercedes hat mit dem AMG GT 63 einen 4-Türer am Markt, der zwar „nur“ 1.169 elektrische PS, dafür aber 2.000 Newtonmeter Drehmoment bietet. Und der kroatische Hypercar-Designer Rimac bricht mit seinem 2.107 PS-starken Nevera R längst diverse Performance-Rekorde.

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 Nevera R von Rimac

Sogar mit einer anderen, etwa von Mercedes AMG eingesetzten Technologie bricht der Luce: Der AMG will alteingesessene Benzinbrüder, die Fahrzeuge ohne Motorlärm und drehzahlabhängigen Vibrationen grundsätzlich verabscheuen, mit Soundeffekten (aus Lautsprechern) und künstlichen Vibrationen gewinnen. Der Luce soll keinen künstlichen V8-Klang erzeugen, sondern natürliche Geräusche und Vibrationen des Elektroantriebs aufnehmen und verstärken.

Dass der Mythos Ferrari durch ein polarisierendes Elektroauto Schaden nimmt, ist wenig wahrscheinlich. Die alten Verbrenner bleiben ohnehin begehrte Sammlerstücke. Der Luce mag für viele Ferraristi ein Schock sein. Ein Abgesang auf Ferrari ist er noch lange nicht.

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