Ferrari-Boss sagt Berlusconi Kampf an

Ferrari Formula One CEO Luca Cordero di Montezemolo looks on during the third practice session of the Italian F1 Grand Prix at the Monza circuit September 8, 2012. REUTERS/Stefano Rellandini (ITALY - Tags: SPORT MOTORSPORT F1)
Politeinsteiger. Ferrari-Boss Montezemolo tritt bei Wahlen an, sollte Premier Monti aussteigen.

Angesichts des neuen politischen Szenarios könnte ich kandidieren“, sagte Montezemolo der römischen Tageszeitung La Repubblica nach Silvio Berlusconis angekündigtem Comeback. Montezemolo könnte mit einer eigenen, liberal-moderaten Liste bei den Parlamentswahlen im Februar 2013 antreten. Derzeit wartet der 65-jährige Manager noch die Entscheidung von Premier Mario Monti ab. Entschließt sich der Mailänder Wirtschaftsprofessor doch zu einer Kandidatur, wird sich Montezemolo für eine zweite Regierung Montis einsetzen.

Verzichtet Monti darauf, so tritt der Industrielle aus Maranello persönlich an, um Berlusconi Wind aus den Segeln zu nehmen. In der Berlusconi-Ära kritisierte Montezemolo oft den Stil des Ex-Premiers, der binnen 18 Jahren nun zum sechsten Mal für das Amt des Regierungschefs antreten wird. Montezemolo: „Wir werden nie mehr akzeptieren, dass Italien der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Wir möchten, dass ein neues Kapitel unseres gesellschaftlichen und demokratischen Lebens beginnt.“ Er verurteilte den wirtschaftlichen Stillstand Italiens unter Berlusconi. Leistung und Kompetenz müssten endlich zählen.
Die neue Zentrumspartei könnte nach seiner Stiftung „Italia Futura“ (Künftiges Italien) benannt sein. Mit der liberalen Bewegung will der Ex-Präsident des Industriellenverbandes Confindustria die starre Parteienlandschaft aufmischen. Die Partei wäre neben Berlusconis Mitte-rechts-Block und Pier Luigi Bersanis Mitte-links-Block der dritte Pol. Zu Montezemolos Anhängern zählen CISL-Gewerkschaftschef Raffaele Bonanni, der Trentiner Landeshauptmann Lorenzo Dellai und der katholische Verbandspräsident Andrea Olivero.

Viertreichster Manager

Die wehende Föhnfrisur und der Maßanzug mit zur Krawatte passendem Stecktuch gehören zu Montezemolos Markenzeichen. Der Nachkomme einer piemontesischen Adelsfamilie und viertreichste Topmanager Italiens hat jahrzehntelang die Industrie-und Wirtschaftswelt des Landes mitgeprägt. Der Tausendsassa zieht nach wie vor in zahlreichen Unternehmen die Fäden. Im Frühjahr brachte er gemeinsam mit befreundeten Industriellen seinen Traum auf Schiene: Sein privater Hochgeschwindigkeitszug „Italo“ nahm nach jahrelanger Vorbereitung als Konkurrent zu den Staatsbahnen endlich Fahrt auf.
Montezemolos Gegner kritisieren ihn als abgehoben. Aufgrund „seiner Herkunft und seines Charakters“ verstehe er die wahren Probleme der Italiener nicht: „Ich glaube nicht, dass er sich vorstellen kann, was es heißt, kein Geld am Monatsende zu haben, um die Familie durchzubringen“, sagt Wechselwähler Mario B. zum KURIER.

Berlusconi startet unter Gürtellinie

Silvio Berlusconi meldet sich zurück – und das im gewohnten Tonfall. Premier Monti warf der 76-Jährige gleich einmal vor, nur nach der Pfeife Angela Merkels zu tanzen. „Er hat eine zu Deutschland-orientierte Politik betrieben und die Krise dadurch verschärft“, attackierte er den Wirtschaftsfachmann für seine Sparpolitik.

Wie gewohnt basiert Berlusconis Taktik auf Behauptungen, Lügen, Täuschungen und darauf folgenden Dementis: Der Medienzar wetterte bis vor Kurzem gegen die EU und den Euro. Nun behauptet er: „Ich bin seit jeher ein überzeugter Europäer und habe mich stets für gemeinsame Währungs-, Außen- und Verteidigungspolitik eingesetzt.“

Besorgte EU-Regierungschefs, die Premier Monti zum Bleiben überreden wollen, ignoriert er. Das allgemeine Haareraufen in Europa angesichts seiner möglichen Rückkehr kommentierte Berlusconi folgend: Die „aufgeregten Reaktionen einiger europäischer Politiker und ausländischer Zeitungen“ seien eine Beleidigung gegenüber der Wahlfreiheit der Italiener. Die Talfahrt der Börsen nach Ankündigung seiner Wiederkandidatur scheint Berlusconi wenig zu kümmern. Dass die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen wegen der Turbulenzen in Rom deutlich zugelegt haben, spielt der Unternehmer herunter: „Was kümmern uns die Risiko­aufschläge. Sie sind eine Erfindung, mit der man meine Regierung gestürzt hat.“

Zurzeit ist Berlusconi auf Kandidatensuche für seine Liste, die voraussichtlich zum alten Parteinamen „Forza Italia“ zurückkehrt. Ex-Fußball-Stars und Showmaster aus Werbung und TV sollen die Wahlliste aufpeppen.

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