Agenten besorgt: FBI senkt seine Ausbildungsstandards

FILE PHOTO: An FBI logo is pictured on an agent's shirt in Manhattan
Künftige Bewerber müssen beim FBI keinen Uniabschluss mehr vorweisen und nur noch acht statt der bisherigen 18 Wochen an der Ausbildungsakademie durchlaufen. In der Behörde herrscht Besorgnis.

Zusammenfassung

  • Das FBI plant unter neuer Leitung, die Rekrutierungsstandards zu senken, kürzere Ausbildung anzubieten und keinen Universitätsabschluss mehr zu verlangen.
  • Kritiker warnen vor einem Verlust an Expertise und einer Schwächung der Rolle des FBI in der nationalen Sicherheit zugunsten alltäglicher Polizeiarbeit.
  • Personalabbau und die Verlagerung von Agenten auf Aufgaben der Gewaltkriminalitätsbekämpfung verstärken die Sorge um den langfristigen Ruf und die Effektivität der Behörde.

Die US-Bundespolizei FBI plant unter der Leitung ihres neuen Direktors Kash Patel und dessen Vize Dan Bongino weitreichende Veränderungen bei der Rekrutierung neuer Agenten, berichtet die NY Times. Die Aufnahmestandards sollen deutlich gesenkt werden. Neue Rekrutinnen und Rekruten sollen künftig weniger Ausbildung erhalten und benötigen auch keinen Universitätsabschluss mehr.

Bei aktuellen und ehemaligen Agenten löst das geplante Vorhaben große Besorgnis aus. Sie warnen vor Verlust von Expertise in nationaler Sicherheit, was auf längere Sicht dem gesamten Ansehen des FBI schaden könnte, national wie international.

Kürzere Ausbildung, kein Uni-Abschluss

Statt der üblichen 18 Wochen an der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, sollen neue Agenten künftig nur acht Wochen Training absolvieren. Auch die bisher obligatorische Bachelor-Hürde wird gekippt, künftig müssen Bewerber kein Universitätsstudium mehr vorweisen. Ziel der Maßnahme ist es laut Insiderinformationen, leichter Rekruten aus anderen Bundesbehörden gewinnen zu können.

Heidi S. Bonner, Professorin für Kriminologie an der East Carolina University, sieht die Maßnahme im Kontext eines landesweiten Trends: "Polizeibehörden in den USA senken derzeit vielerorts ihre Einstellungsstandards, um Rekrutierungs- und Bindungskrisen zu begegnen", sagt sie gegenüber der NY Times. Neben Bildungsanforderungen fallen dabei zunehmend auch Kriterien wie Alter oder Tätowierungen weg.

"Generationsübergreifender Schaden"

Kritiker sehen in dem Plan einen Versuch, das FBI stärker auf die Bekämpfung von Straßenkriminalität zu konzentrieren, während komplexe Ermittlungen zu Finanzbetrug, Korruption und nationaler Sicherheit in den Hintergrund treten könnten. Chris O’Leary, ehemaliger FBI-Agent und leitender Mitarbeiter im Bereich der Terrorismusbekämpfung, bezeichnete die Reform in der NY Times als "generationsübergreifenden Schaden" für die Behörde. Durch die Senkung der Standards werde nicht nur die Fähigkeit einzelner Agenten reduziert, sondern auch der Ruf des FBI als Eliteorganisation in Frage gestellt.

Die Besorgnis wird durch Personalabbau noch verstärkt: Bis September könnten mehr als 5.000 Mitarbeiter die Behörde verlassen, teils durch Frühpensionierungen oder Abfindungen, teils durch Entlassungen, die im Zusammenhang mit der Trump-Administration stehen. Derzeit beschäftigt das FBI rund 37.000 Menschen, darunter etwa 13.000 Sonderagenten. Nach den Abgängen rechnen einige Beamte mit nur noch rund 11.000 Sonderagenten.

Unterdessen zeigt sich ein Wandel in den Aufgaben der Agenten: Viele werden zunehmend für die Unterstützung lokaler Polizeibehörden eingesetzt, etwa zur Bekämpfung von Gewaltverbrechen in Washington oder zur Unterstützung der Einwanderungsbehörden. Mr. Patel hat signalisiert, dass er möchte, dass alle Agenten einen Teil ihrer Arbeitszeit der Bekämpfung von Gewaltverbrechen widmen. So wurden mehr als 100 FBI-Agenten plötzlich damit beauftragt, in der Hauptstadt die Straßen zu patrouillieren. Um die Polizei zu unterstützen, wurden sie von ihren regulären Aufgaben abgezogen. Experten warnen, dass dies die ursprüngliche Mission des FBI im Bereich der nationalen Sicherheit schwächen würde.

Historisch hat das FBI schon immer eng mit örtlichen Polizeibeamten zusammengearbeitet und bei der Bekämpfung von Gewaltverbrechen unterstützt. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde der Fokus der Behörde jedoch umgeschichtet: Nationale Sicherheitsbedrohungen rückten in den Fokus.

Nun verschiebt sich das Gewicht erneut: Fast wöchentlich würden sie mit dringenden neuen Prioritäten konfrontiert werden, berichten Agenten, was wiederum ihre Ermittlungen zu Wirtschaftskriminalität, öffentlicher Korruption oder Spionageabwehr verzögert bzw. unterbricht – Fälle, die ohnehin oft Jahre zur Aufklärung benötigen.

Kritiker fürchten, dass das FBI unter diesen Bedingungen langfristig seine Rolle als investigativer Spitzenakteur in Fragen der nationalen Sicherheit verlieren und eher zu einer Art Bundespolizei für alltägliche Straftaten werde.

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