FILE PHOTO: Russian opposition leader Navalny attends a court hearing in Moscow

© via REUTERS / SIMONOVSKY DISTRICT COURT

Politik Ausland
02/11/2021

Fall Nawalny: Hatte der Kreml auch einen anderen Aktivisten im Visier?

Journalisten bringen auch die Giftanschläge auf Wladimir Kara-Mursa mit der Spezialeinheit in Verbindung, die für Nawalnys Vergiftung verantwortlich sein soll.

Der Kremlkritiker Wladimir Kara-Mursa hat 2015 und 2017 zwei Giftanschläge überlebt. „Ich fühle mich, als müsste ich das Ganze ein weiteres Mal durchmachen“, als der Fall Nawalny durch die Medien ging, sagte er im August der Süddeutschen Zeitung in einem Interview. Seine mutmaßlichen Vergiftungen waren ähnlich abgelaufen: wochenlanges Koma, Organversagen, Lebensgefahr, lange Reha.

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Ein Zusammenschluss von russischen und deutschen Journalisten hat im Dezember 2020 in einer gemeinsamen Recherche herausgefunden, dass der russische Geheimdienst FSB hinter der Vergiftung Alexej Nawalnys steckt. Die Journalisten deckten auf, dass eine Spezialeinheit Nawalny jahrelang verfolgt hatte – bis kurz vor seinem Flug nach Omsk, auf dem er zusammengebrochen ist.

Dasselbe Rechercheteam analysierte Reisedokumentationen der bekannten Mitglieder des „FSB-Gifttrupps“ und fand nun heraus, dass diese Spezialeinheit auch Wladimir Kara-Mursa verfolgt haben muss – unmittelbar vor dessen (nie juristisch bestätigten) Vergiftungen. Die Anzahl der verdächtigen übereinstimmenden Fahrten, schreibt die russische Rechercheplattform Bellingcat, sei so hoch, dass ein Zufall „unplausibel“ sei. Kara-Mursa hatte immer den dringenden Verdacht, dass er aus „Rache“ für seine politischen Aktivitäten vergiftet worden war. Dennoch weigerten sich die russischen Behörden in beiden Fällen, ein Strafverfahren einzuleiten.

Auch zumindest drei andere Vergiftungen sollen laut Recherche-Team auf die Spezialeinheit zurückgehen: Ein Journalist, ein Aktivist für Minderheitenrechte und ein Aktivist für Korruptionsbekämpfung hatten zwischen 2014 und 2019 weniger Glück als Nawalny und Kara-Mursa. Sie starben.

In dem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigte sich der Kremlkritiker Kara-Mursa jedenfalls nicht entmutigt. Er reise weiter durch Russland: „Was kann ich tun? Nichts essen, nichts trinken? Keine Türklinken anfassen?“ An aufgeben denke er nicht: „Das wäre das größte Geschenk, das man dem Kreml machen könnte.“ KKS

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