Falsche Zahlen, Übertreibungen und Attacken: Die Trump-Rede im Faktencheck
US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation
Größer, besser und reicher als je zuvor - dieses glanzvolle Bild von den USA zeichnete Präsident Donald Trump Dienstag Nacht in seiner Rede zur Lage der Nation. In den fast zwei Stunden teilte Trump wie gewohnt gegen die Demokraten aus, beschimpfte Migranten und erging sich in ausuferndem Eigenlob. Der KURIER versucht dem Wahrheitsgehalt der knalligsten Trump-Sager auf den Grund zu gehen. Wie etwa:
- Trump: "Sie strömten millionenfach aus Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten herein. Es waren Mörder, 11.888 Morde."
Falsch: Für diese Behauptung, die Trump immer wieder hinaus posaunt, gibt es keinerlei Beweise. Die Zahl ist aus der Luft gegriffen, lässt sich nicht belegen. Studien belegen zudem, wie das US-Nachrichtenportal NPR schreibt, dass Einwanderer, sowohl mit als auch ohne gültigen Aufenthaltsstatus, seltener Straftaten begehen als Staatsbürger. Die Zahl der Menschen in Abschiebehaft steht auf einem historischen Höchststand - fast 700.000 Menschen - ein Viertel davon hat eine Straftat begangen (kleine Diebstähle mit eingerechnet.)
- Trump: "Mitglieder der somalischen Gemeinde haben schätzungsweise 19 Milliarden Dollar vom amerikanischen Steuerzahler veruntreut."
Falsch: Im Bundesstaat Minnesota wurden fast 100 Personen – viele somalischer Abstammung – vom Justizministerium wegen mutmaßlichen Betrugs von staatlicher Sozialhilfe angeklagt.
Trump nutzte dies abermals, um die somalisch-amerikanische Gemeinschaft in Minneapolis zu attackieren, indem er somalische Migranten gemeinhin als "Müll" beschimpfte. Die Betrugshöhe von 19 Mrd. Dollar ist aus der Luft gegriffen.
- Trump: "Wir haben jetzt die stärkste und sicherste Grenze in der amerikanischen Geschichte."
Weitgehend richtig: Laut US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) kamen 2025 rund 238.000 Menschen illegal über die Grenze - das ist die niedrigste Zahl seit über 50 Jahren.
- Trump: "Die Biden-Regierung hat uns die schlimmste Inflation in der Geschichte unseres Landes beschert, aber meine Regierung hat sie....auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren gesenkt. In den letzten drei Monaten 2025 lag sie bei 1,7 %."
Falsch: Die Inflation erreichte 2022 mit 9,1 % in den USA einen Vier-Jahrzehnte-Höchststand, nachdem Russlands Invasion in der Ukraine die Preise weltweit in die Höhe getrieben hatte. Bis Ende der Amtszeit von Präsident Biden sank die Inflationsrate auf Prozent.
Im April des Vorjahres, da war Trump bereits wieder drei Monate im Amt, fiel sie auf 2,3 %, bevor sie im September wieder auf 3 % anstieg. Im Jänner (letzte verfügbare Daten) lag sie bei 2,4 %.
- Trump: "Der Aktienmarkt hat seit meiner Wahl 53 Allzeithochs erreicht. Millionen von Amerikanern... profitieren. Es geht für alle steil bergauf."
Halb richtig: Die Hälfte der US-Bevölkerung hat keine oder sehr wenige Aktien, während die Reichsten 10 Prozent 87 % des gesamten Aktienvermögens besitzen. Richtig ist, dass der Dow Jones Anfang Februar erstmals die 50.000er-Marke überschritt. Der S&P 500-Index legte im Vorjahr um 18 % zu, nach einem Plus von 24 % im Jahr 2024.
- Trump: "Mehr Amerikaner arbeiten heute als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes."
Falsch: Im Vorjahr, als Hunderttausende Menschen aus Bundesprogrammen und Ministerien gekündigt wurden, schufen Arbeitgeber nur rund 180.000 neue Stellen - nach 1,4 Millionen im letzten Jahr der Biden-Präsidentschaft.
- Trump: „Die von ausländischen Staaten gezahlten Zölle werden das heutige System der Einkommensteuer weitgehend ersetzen und so die Menschen finanziell sehr entlasten.“
Falsch: Zum einen hat das US-Höchstgericht eine der Säulen von Trumps Zollpolitik gekippt. Und zum anderen ist erwiesen, dass die Preissteigerungen, die wegen der Zölle entstanden, zu 90 Prozent den US-Unternehmen und US-Bürgern angelastet werden.
Die Arbeitslosenquote blieb niedrig – im Jänner lag sie bei 4,3 %. Im Vergleich zu 4 % vor einem Jahr, als Trump ins Weiße Haus zurückkehrte, ist sie aber gestiegen.
- Trump: "Die amerikanische Ölproduktion ist um mehr als 600.000 Barrel pro Tag gestiegen … Die amerikanische Erdgasproduktion ist auf einem Allzeithoch, weil ich mein Versprechen gehalten habe: Bohren, Baby, bohren!"
Richtig: Die USA verzeichneten letztes Jahr ein Jahresrekord bei der Rohölproduktion. Für heuer wird jedoch ein Rückgang um etwa 100.000 Barrel pro Tag erwartet, wegen der niedrigen Ölpreise. Weltweit herrscht derzeit ein Überangebot an Öl. Auch bei Erdgas wird heuer und 2027eine Rekordproduktion erwartet.
- Trump: "Wahlbetrug ist bei uns weit verbreitet. Er ist allgegenwärtig."
Falsch: Seit Jahren behauptet Trump, dass Nicht-Staatsbürger massenhaft an amerikanischen Wahlen teilnehmen. Das ist unrichtig, Nicht-Staatsbürgern ist es verboten, an Wahlen auf Bundesebene teilzunehmen. Unter mehreren Millionen Stimmzetteln wurden stets nur einige Dutzend falsche Angaben gefunden.
- Trump: "In meinen ersten zehn Monaten habe ich acht Kriege beendet."
Übertrieben: Trumps größter Erfolg war die Vermittlung eines Waffenstillstands im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas. Erfolgreich war er auch bei der Vermittlung zwischen Aserbaidschan und Armenien. Bei allen anderen Konfliktlösungen, die sich Trump auf seine Fahnen heftet, gab es gar keinen aktuellen Krieg (Serbien/Kosovo) oder aber immer wieder brachen Kämpfe aus (Thailand/Kamboscha):
- Trump: "Das US-Militär hat im Juni ... das iranische Atomwaffenprogramm mit einem Angriff auf iranischem Boden vernichtet."
Übertrieben: Der US-Schlag hat das iranische Atomprogramm zweifellos beschädigt und geschwächt, aber nicht vernichtet. Nicht erklären konnte Trump in seiner Rede, warum die Atomanlagen im Iran neuerlich Ziel eines möglichen US-Angriffs sein sollten, wenn diese doch alle angeblich vernichtet wurden.
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