Riesenfreude: Nicolas Henin, als er im April 2014 nach zehnmonatiger IS-Geiselhaft wieder mit seiner Familie zusammenkommt.

© REUTERS/PHILIPPE WOJAZER

Leben in Gefangenschaft
03/10/2015

"Schauen Game of Thrones": Ex-Geisel erzählt vom IS

Die frühere IS-Geisel Henin erzählt: Die Kämpfer seien "Kinder unserer Gesellschaft".

von Caecilia Smekal

"Um Gnade zu bitten ist das Schlimmste, das du tun kannst. Es ist bescheuert, versuch es niemals." Das ist wohl die Quintessenz dessen, was die ehemalige IS-Geisel Nicolas Henin während der zehnmonatigen Gefangenschaft gelernt hat. Seine Erlebnisse erzählte der Franzose nun der BBC – und zeigte eine durchaus differenzierte Sicht auf seine Geiselnehmer von der Terrormiliz.

Henin war im Sommer 2013 in Syrien entführt worden. Bis April 2014 war er verschwunden; doch im Gegensatz zu Mitgefangenen wie James Foley, der geköpft wurde, überlebte der Franzose. Beide waren in der Gewalt des berüchtigten Dschihadisten mit dem Spitznamen "Jihadi John", Mohammed Emwazi, ein junger Mann aus London. Dass Henin nicht dasselbe Schicksal ereilte wie Foley, dürfte an einer Lösegeldzahlung liegen.

Kinderbuch verfasst

Henin ist nun zurück in Europa. Hier hat er gerade ein Kinderbuch veröffentlicht, das er zusammen mit dem Journalisten Pierre Torres, ebenfalls Ex-Geisel, schrieb. Die beiden verfassten das Buch heimlich während der Geiselhaft. Es ist Henins kleiner Tochter gewidmet und heißt "Wird Papa Igel jemals nach Hause zurückkehren?"

Die Idee kam ihm nach einem Spiel, das die Geiseln gegen die Langeweile spielten. "Welches Tier bist du?", haben sie einander gefragt. "Ich wollte ein Igel sein", sagte Henin, der könne sich zum Schutz zusammenrollen. Doch das half natürlich nicht viel: "Als Geisel bist du einfach eine Marionette."

Henin erfragte aber auch die Beweggründe der jungen Dschihadisten. "Diese Kämpfer haben mit der lokalen Kultur – arabisch oder muslimisch – wenig gemein. Sie sind Kinder unserer Gesellschaft. Sie sprechen unsere Sprache, sehen dieselben Filme, spielen die gleichen Videospiele wie unsere Kinder", etwa Teletubbies und "Game of Thrones". Sie seien Produkte unserer Kultur und eigentlich "fragile Persönlichkeiten". "Sie wurden zur Kriminalität gedrängt, und nun gibt es keinen Weg mehr zurück." Viele wollten ursprünglich den Opfern des syrischen Bürgerkriegs helfen.

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