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Politik Ausland
11/23/2020

Europa im Vergleich: Welche Impfstrategien verfolgen andere Länder?

Deutschland plant Impfzentren, in Spanien wird am Dienstag ein "nationaler Impfplan" vorgestellt und in Italien soll eine Plattform zur Registrierung Geimpfter kommen.

Die Hoffnung ist groß: Noch vor Jahresbeginn könnten eine oder gleich mehrere Kandidaten, die derzeit an einem Impfstoff forschen, in Europa zugelassen werden. Wann es mit den CoV-Impfungen in Österreich losgehen könnte, wer zuerst die Möglichkeit bekommt und wie die Impfungen im Land organisiert werden, ist noch offen. Es seien Impfdosen in ausreichendem Ausmaß, zumindest für alle Einwohner, bestellt, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an. "Wir werden laut meiner Prognose ein paar hunderttausend Dosen im Laufe des Jänners haben." Die Impfstrategie soll "in Kürze" im Detail vorgestellt werden. In einigen europäischen Nachbarländer gibt es dazu bereits Vorstellungen - ein Überblick.

Deutschland

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn ist optimistisch, dass es noch in diesem Jahr eine Zulassung für einen Impfstoff in Europa geben wird – "und dann können wir mit den Impfungen sofort loslegen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Laut Spahn hat sich Deutschland über die EU-Kommission oder bilaterale Verträge und Optionen mehr als 300 Mio. Impfdosen gesichert. Er sei sicher, dass die Bereitschaft der Bevölkerung, sich freiwillig impfen zu lassen, im kommenden Jahr wachse. Für diesen Fall sind deutschlandweit Impfzentren in Aufbau. In Berlin sind etwa sechs Standorte geplant, darunter in der Messehalle 11 und in den ehemaligen Flughäfen Tempelhof und Tegel. Derzeit werden mehr als 1.000 Helfer und Unterstützer gesucht. Auch in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen sollen voraussichtlich Mitte Dezember Zentren für die Impfungen gegen das Corona-Virus bereitstehen.

Bei der Frage, wie die Stoffe möglichst flächendeckend verteilt werden, wird die Regierung von Ethikrat, Nationaler Wissenschaftsakademie Leopoldina und Ständiger Impfkommission unterstützt. In einem Positionspapier heißt es etwa, dass Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen Vorrang haben. Ebenso Beschäftigte im Gesundheitswesen und jene, die für Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens zuständig sind.

Spanien

Neben Deutschland bereitet sich auch das von der Pandemie schwer getroffene Spanien auf Impfungen vor. "Irgendwann im Jänner werde man mit den Impfungen beginnen können", sagte Gesundheitsminister Salvador Illa am Samstag gegenüber spanischen Medien. Er ist überzeugt, dass dies viele in Anspruch nehmen werden: "Spanien ist ein Land mit einer ausgeprägten Impftradition."

Regierungschef Pedro Sánchez kündigte an, 13.000 Impfstationen bauen zu lassen. Von den 1,2 Milliarden Impfdosen der EU stünden Spanien zehn Prozent zu. Sánchez will dazu am Dienstag einen nationalen Impfplan vorstellen. Seit Ausbruch der Pandemie wurden in Spanien, mit rund 47 Millionen Einwohnern, mehr als 1,5 Millionen Ansteckungen gezählt. Mehr als 42.000 Menschen starben mit Covid-19. Die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen fiel aber zuletzt in einer Woche von 233 auf 176.

Italien

In Italien ist man ebenfalls optimistisch. Die Regierung rechnet, dass schon ab Jänner 3,4 Millionen Dosen Impfstoff im Land verfügbar sein werden. "Innerhalb einiger Monate können wir mit Impfungen auf breitem Niveau starten", so Regierungskommissar Domenico Arcuri. Eine Impflicht ist vorerst nicht vorgesehen. "Wir hoffen, dass wir bis zum dritten Quartal 2021 einen Großteil der Italiener geimpft haben werden. Wir wissen aber nicht wie viele Italiener sich impfen lassen wollen", so Arcuri. Geplant sei eine Informatik‐Plattform zur Registrierung der Namen geimpfter Bürger. Geimpfte sollen eine Bescheinigung erhalten, so Arcuri.

Niederlande

Sobald ein Corona-Impfstoff zur Verfügung steht, können Niederländer sich gratis und freiwillig impfen lassen. Eine Verpflichtung werde es nicht geben, kündigte das Gesundheitsministerium vergangenen Freitag in Den Haag an. Als erste Gruppe sollen Menschen über 60 Jahre, besonders Gefährdete und Pflegepersonal an der Reihe sein. Das Ministerium erwartet, dass etwa 3,5 Millionen Niederländer im ersten Quartal des neuen Jahres geimpft werden können. Da sehr wahrscheinlich nicht sofort genügend Dosen des Impfstoffes für die rund 17 Millionen Einwohner vorliegen würden, sollten sie in Staffeln geimpft werden. Als erstes sind nach Angaben des Ministeriums die Risiko-Gruppen an der Reihe, die bei einer Infektion besonders schwer erkranken können. Auf diese Weise solle die Belastung des Gesundheitssystems verringert werden.

Frankreich

Die französische Regierung bereitet eine Impfkampagne gegen das neuartige Coronavirus für den Jahresbeginn vor. Dafür seien 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, erklärte Regierungssprecher Gabriel Attal vergangene Woche in Paris. Frankreich wolle "bereit sein, wenn die europäischen und nationalen Gesundheitsbehörden einen Impfstoff billigen" und dann "sofort" mit der Kampagne beginnen, sagte er dem Fernsehsender France 2. Attal verwies darauf, dass die europäische Arzneimittelbehörde die Zulassung eines ersten Impfstoffs bis zum Jahresende als möglich bezeichnet hatte.

Allerdings gibt es in der Bevölkerung große Skepsis: Nur 54 Prozent der Franzosen gaben in einer Umfrage des Instituts Ipsos vom Oktober an, sie wollten sich gegen die Lungenkrankheit Covid-19 impfen lassen. Das sind deutlich weniger als etwa in den USA, wo sich fast zwei Drittel der Menschen impfen lassen wollen. Vor allem bei jüngeren Französinnen ist die Furcht vor Nebenwirkungen laut einer Studie der Jean-Jaures-Stiftung hoch.

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