Politik | Ausland
04/17/2019

EU-Wahl in Italien: Mussolini gegen Mussolini

Die Enkelin und der Urenkel des Faschistenführers treten in Süditalien gegeneinander an.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Nachfahre des Hitler-Verbündeten und faschistischen Diktators Benito Mussolini politisch aktiv wird: Der Urenkel des „Duce“, Caio Giulio Cesare Mussolini, wird für die ultra-rechte, postfaschistische Partei „Brüder Italiens“ (Fratelli d´Italia) bei der Europawahl Ende Mai ins Rennen gehen.

Seine bekanntere Verwandte, Mussolini-Enkelin Alessandra, ist seit 2014 Mitglied im Europaparlament. Sie wird für Berlusconis Rechtspartei „Forza Italia“ im Wahlkreis Süditalien kandidieren. Der Urenkel des Faschistenführers sieht in seinem Familiennamen eine starke Marke. „So viele wollen ,Mussolini’ auf ihre Wahlzettel schreiben. Deshalb habe ich entschieden, dass das Motto meiner Kampagne #ScriviMussolini (schreib Mussolini) ist. Und ich muss sagen, es gefällt“, sagt der Neo-Politiker.

Ex-Militäroffizier

Er wolle sich vor allem um die Entwicklung Süditaliens kümmern. Politische Erfahrung kann der 50-jährige Enkel von Mussolinis erstem Sohn Vittorio jedoch keine vorweisen. Mussolini junior war nach seiner Zeit als Offizier beim Militär Direktor des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica.

Die postfaschistische Partei brachte es bei den letzten Parlamentswahlen in Italien auf knappe vier Prozent. Auch seine Cousine Alessandra versucht seit vielen Jahren, aus ihrem Namen politisches Kapital zu schlagen. Die Enkelin des Faschistenführers hatte sich im vergangenen Juli von der Forza Italia getrennt, der sie seit 2013 angehörte und für die sie 2014 zur EU-Parlamentarierin gewählt worden war. Jetzt hat es sich die 56-jährige Politikerin anders überlegt.

Fiel durch Schreianfälle auf

Sie kandidiert als Spitzenkandidatin der Forza Italia im Wahlkreis Süditalien auf Platz zwei – gleich hinter dem früheren viermaligen Regierungschef Silvio Berlusconi und duelliert sich damit direkt mit ihrem Cousin Caio Giulio Cesare Mussolini, der ebenfalls im süditalienischen Wahlkreis kandidiert.

Im EU-Parlament fiel sie vor allem durch ihre Schreianfälle auf: In der Migrationsfrage etwa forderte sie die EU-Parlamentarier auf, sich „den Mund zu waschen“, bevor sie schlecht über Italien sprechen.

Dritte Mussolini

Eine dritte Mussolini im Bunde ist mit ihrem politischen Debüt allerdings gescheitert: Alessandras Halbschwester, Rachele Mussolini, kandidierte bei den Parlamentswahlen 2018 ebenfalls auf der Wahlliste der postfaschistischen „Brüder Italiens“. In ihrem Wahlkreis Latium bekam die Duce-Enkelin jedoch nur ein paar wenige Stimmen.