Politik | Ausland 30.01.2012

Eskalation der Gewalt in Syrien

© Bild: REUTERS

Assads Armee erorbert Vororte von Damaskus zurück, nachdem Rebellen auf die syrische Hauptstadt vorrückten.

Syrien stürzt immer schneller in einen Bürgerkrieg. Während die Arabische Liga ihre Beobachter aus dem krisengeschüttelten Land abzieht, wagten bewaffnete Gegner des Regimes von Bashar al-Assad am Sonntag spektakuläre Angriffe sogar in Damaskus und eroberten Gebiete in der Provinz. Doch am Montag haben syrische Regierungstruppen von Rebellen kontrollierte Außenbezirke von Damaskus zurückerobert. Deserteure der "Freien Syrischen Armee" habe sich aus taktischen Gründen zurückgezogen, sagte ein Regierungsgegner am Sonntag. Die Truppen von Präsident Bashar al-Assad hätten die Vororte der Hauptstadt besetzt, gingen von Haus zu Haus und nähmen Menschen fest, sagte ein Aktivist.

Bei dem Einmarsch mit gut 50 Panzern seien mindestens 19 Zivilisten getötet worden, sagten Regierungsgegner.

Auch eine Gasleitung an der Grenze zum Libanon wurde nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA in die Luft gesprengt. Verantwortlich dafür wird eine "Gruppe von Terrroristen" gemacht.

Beobachter ziehen ab

Der Abzug der rund 100 Beobachter kam laut Deutscher Presse Agentur zustande, nachdem sich diese geweigert hatten wegen der Fortdauer der Gewalt weiterzuarbeiten. Die meisten Delegierten verließen demnach schon Freitag und Samstag nicht mehr ihre Hotels in Damaskus und warteten auf den Abzugsbeschluss. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, beklagte eine dramatische Zuspitzung der Lage. In den drei Tagen vor der Entscheidung seien bei Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und Opposition mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Unterstützung aus Russland

Unbeeindruckt vom Aufstand hält Russland weiterhin zu Präsident Assad: Die UN-Vetomacht äußerte Unverständnis über den Schritt der Arabischen Liga. "Uns ist unklar, warum auf diese Weise mit einem so nützlichen Instrument umgegangen wird", sagte Außenminister Sergej Lawrow. Äußerungen, die Mission habe nichts zustande gebracht, seien "verantwortungslos".

Am Donnerstagabend hatte der Sicherheitsrat bereits über die Eskalation in Syrien beraten. In einem auf Vorstellungen der Arabischen Liga fußenden europäisch-arabischen Resolutionsentwurf werden politische Reformen und ein Ende der Gewalt gefordert. Russland ist mit dem Entwurf gegen seinen Verbündeten Syrien nicht zufrieden. Nach UN-Schätzungen wurden seit Beginn der Massenproteste in Syrien Mitte März mehr als 5600 Menschen getötet.

Erstellt am 30.01.2012