Trumps Team steht in der Kritik der eigenen Geheimdienste

© REUTERS/CARLOS BARRIA

USA
03/08/2017

Ein Spionagethriller, der Donald Trump nützen könnte

Die "WikiLeaks"-Enthüllungen über Ausspäh-Praktiken der CIA diskreditieren den amerikanischen Geheimdienst – und gerade mit diesen Agenten steht der US-Präsident auf Kriegsfuß.

von Stefan Schocher

"WikiLeaks" enthüllt, ein ehemaliger MI6-Agent ist aus der Versenkung wieder aufgetaucht, gibt sich aber wortkarg – und im CIA-Hauptquartier in Langley bei Washington rauchen die Köpfe, während sich manche im Weißen Haus wie in Moskau und Peking wohl genüsslich die Hände reiben.

8000 CIA-Dateien hatte die Enthüllungsplattform "WikiLeaks" am Dienstag veröffentlicht. Sie sollen detailliert belegen, wie spezialisierte Einheiten des US-Geheimdienstes Smartphones, Computer, mit dem Internet verbundene Autos und TV-Geräte ausspionierten oder sie als Wanzen benutzten. Vor allem aber auch: Dass die CIA eigene Hackerangriffe als russische oder chinesische Attacken darstellen konnte. Fazit: Die US-Geheimdienste sind im Erklärungsnotstand und hüllen sich vorerst einmal in Schweigen. Und darüber kann sich vor allem einer freuen – so wirr das klingen mag: US-Präsident Donald Trump.

Offener Krieg

Denn dessen Konflikt mit den eigenen Geheimdiensten ist zu einem offenen Krieg ausgeartet – in einem Ausmaß, das es bisher nicht gab. Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Trumps Team während des Wahlkampfes unverhältnismäßige Kontakte zu russischen Stellen unterhielt. Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn musste wegen solcher Kontakte, die er bei seiner Anhörung vor dem Senat verschwiegen hatte, zurücktreten. Justizminister Jeff Sessions steht wegen ebensolcher Kontakte, die er ebenfalls verschwiegen hatte, unter Druck. Informationen über solche Kontakte liefern die US-Geheimdienste.

Trump spricht von einer "Hexenjagd". Er selbst aber wiederum steht im Verdacht, durch Russland erpressbar zu sein.

Noch während des Wahlkampfes hatten Demokraten aber auch Trump-abgeneigte Republikaner eine Untersuchung dazu bei einem privaten Dienst in Auftrag gegeben. Das Resultat ist ein 35 Seiten langes Dossier, das von einem ehemaligen britischen Agenten des MI6 stammen soll, das dieser auch an das FBI weitergab. Darin enthalten sind Beziehungsgeflechte Trumps mit Russland, die Aussage einer russischen Quelle, Trump sei von Moskau gezielt als Kandidat für die US-Präsidentschaft aufgebaut worden, und auch pikante Details zu Sex-Spielchen Trumps mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel, wo die versammelte Runde auf ein Bett uriniert hätte, in dem zuvor Michelle und Barack Obama geschlafen haben sollen. Der Bericht wurde Trump wenige Tage vor dessen Angelobung vom FBI dezent unterbreitet – was durchaus als Warnung an Trump verstanden werden konnte, es sich nicht mit den Geheimdiensten anzulegen.

Danach landete der Bericht in den Medien. Der Verfasser wurde bekannt und tauchte unter – bis Dienstag, als er vor seinem Büro ein sehr knappes Statement abgab. Inhalt: Er gehe wieder an die Arbeit.

Da steht aber noch ein besonders schwerwiegender Vorwurf im Raum: US-Geheimdienste – allen voran die CIA – sind überzeugt, dass Russland durch Hackerangriffe und das gezielte Streuen von Falschinformationen in den US-Wahlkampf eingegriffen hat. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses am 20. März eine öffentliche Anhörung zu dem Thema abhalten will. Geladen sind dazu amtierende (also von Trump eingesetzte) sowie ehemalige (also von seinem Vorgänger Obama eingesetzte) Geheimdienstchefs.

Wahlkampfhilfe

Hier kommt "WikiLeaks" ins Spiel. Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes hatte die Plattform 20.000 gehackte Mails aus dem Stab der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton veröffentlicht. Hochgeladen haben soll sie eine Kreml-treue Hackergruppe. Diese Veröffentlichung sowie der Vorwurf russischer Einflussnahme aber sollen in dem Hearing am 20. März behandelt werden.

Die jetzigen Enthüllungen jedenfalls (die übrigens als durchaus glaubwürdig eingestuft werden) liefern Trump auf dem Silbertablett idealen Stoff für dessen Tiraden gegen "alternative Fakten" und "Fake News" . Das Ganze in einem genehmen Bereich, in den durch dessen Komplexität 99,9 Prozent der Bürger keinerlei Einsicht haben. Vor allem das Detail, dass die CIA eigene Angriffe als russische oder chinesische hätte tarnen können, liefert ihm Munition, wenn es darum geht, die Vorwürfe der eigenen Dienste zu entkräften – wenn etwa behauptet wird, russische Hacker hätten Trumps Wahl begünstigt. Und diese Munition braucht Trump dringend – schließlich rüttelt gerade der Vorwurf der Wahlmanipulation an seiner Legitimität.

Die CIA wiederum wird sich jetzt wohl die Frage stellen müssen, wie es um ihren eigenen Zustand bestellt ist. Denn es ist an sich Naturell eines Geheimdienstes, dass seine Arbeitsweisen nicht publik werden. Und die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ausgerechnet die US-Geheimdienste riesige Lecks zu haben scheinen.

Handy und Smart-TV im CIA-Visier

Mehr als 8700 Dokumente aus dem US-Auslandsgeheimdienst CIA fanden am Dienstag unter dem Codenamen "Vault 7" über die Enthüllungsplattform WikiLeaks den Weg an die Öffentlichkeit. Die aus den Jahren 2013 bis 2016 stammenden Dokumente zeigen, dass sich der US-Geheimdienst Zugriff auf zahlreiche Geräte verschafft hat, um Ziele auszuspionieren. Die gute Nachricht: Die Werkzeuge eignen sich nicht zur Massenüberwachung. Aber sie dürften bei gezielten Angriffen auf klar definierte Personen zum Einsatz gekommen sein.

Welche Geräte sind betroffen? Betroffen sind sowohl Smartphones, PCs und Mac-Rechner, Smart TVs, aber auch WLAN-Router und Webcams. selbst Angriffsmethoden auf vernetzte Fahrzeuge werden in den Dokumenten erwähnt.

Wie verwundbar ist mein Smartphone? Laut den Unterlagen waren sowohl iPhones als auch Android-Geräte Ziel der Attacken. Für Android werden in einem Dokument 25 für das Apple-Betriebssystem iOS 14 Angriffstechniken erwähnt. Da die jüngsten Dokumente mit Mitte 2016 datieren, dürften viele der in den Dokumenten erwähnten Lücken von den Herstellern mittlerweile geschlossen worden sein. Apple hat dies auch offiziell angegeben. Generell empfiehlt es sich, die Software aktuell zu halten, um bestmöglich geschützt zu sein.

Wie wurden PCs angegriffen?Das Angriffs-Arsenal der CIA umfasst sowohl Tools für Windows-Betriebssysteme als auch Werkzeuge mit denen Apples Betriebssystem OS X kompromittiert werden konnte. Für Windows verfügte die CIA über eine umfangreiche Sammlung von Schwachstellen, die selbst Antiviren-Software umfasste. Bei beiden Betriebssystemen kamen beispielsweise sogenannte Keylogger zum Einsatz, die es ermöglichen, Tastatureingaben zu protokollieren. Bei Apple ist laut den WikiLeaks-Dokumenten vor allem OS X 10.11 (El Capitan) betroffen.

Wie kann ich erkennen, ob mein Smart TV abgehört wird? Wird das TV-Gerät abgehört, leuchtet eine blaue Leuchtdiode auf der Rückseite. Laut den Dokumenten sind Samsung-Geräte der F8000 Serie aus den Jahren 2012 und 2013 betroffen. Samsung gab an, die Schwachstelle zu prüfen. Auch bei TV-Geräten empfiehlt es sich, immer aktuelle Updates zu installieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch auf die Internetverbindung des Fernsehers deaktivieren.

Wurden auch Nutzer in Österreich ausspioniert?Wie häufig, wo, oder in welchem Umfang die beschriebenen Werkzeuge eingesetzt wurden, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Personen auf der ganzen Welt gezielt damit abgehört wurden.

Ist aktuelle Software sicher? Vermutlich nicht. Es ist davon auszugehen, dass noch unbekannte Schwachstellen aktueller Software ausgenutzt werden.

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